Manche Bücher erzählen eine Geschichte, andere fühlen sich an wie eine Erinnerung. So ging es mir mit Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken von Philipp W. Wilhelm.
Nach einem Theaterbesuch schaut Johannes zurück auf seine Kindheit und Jugend in einem kleinen niederbayerischen Dorf. Zwischen Freibad und Kassetten entsteht das Bild eines Jungen, der sich oft geliebt, aber nicht immer verstanden fühlt etwas, womit ich mich persönlich gut identifizieren konnte. Besonders berührend ist, wie Johannes langsam realisiert, dass er anders ist als die anderen Jungs um ihn herum. Dadurch wird der Roman auch zu einer sehr einfühlsamen queeren Coming-of-Age-Geschichte.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Stimmung, die der Autor geschaffen hat. Der Roman ist ruhig und unaufgeregt, aber trotzdem sehr nahbar. Viele Szenen wirkten auf mich so, als würde Johannes direkt neben mir sitzen und von seiner Vergangenheit erzählen.
Besonders bewegt hat mich die Darstellung der queeren Identitätsfindung in einer Zeit und Umgebung, in der viele Dinge lieber verschwiegen wurden. Dieser Own-Voice-Roman zeigt eindrucksvoll, dass Liebe allein manchmal nicht ausreicht und Verständnis oft dort beginnt, wo Menschen anfangen, miteinander zu reden.
Einige satirische Passagen waren nicht ganz mein Ding, aber insgesamt bleibt für mich ein Roman, der nachhallt. Eine berührende Reise durch die Kindheit und den Spuren, die das Leben in einem Menschen hinterlassen.