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Vögelfrei

Erotischer Roman. 'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'. Originalausgabe.
Taschenbuch
Ein erotisches Roadmovie durch die Abgründe der Lust

»Ein Jahr lang hatte ich einen Freifahrtschein. Mein Mann hat ihn selbst unterschrieben: Zwölf Monate lang darf ich ficken, vögeln, lecken und lutschen und ganz allgemein tun und lassen, was ich wil … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Vögelfrei
Autor/en: Sophie Andresky

ISBN: 3453675703
EAN: 9783453675704
Erotischer Roman.
'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'.
Originalausgabe.
Heyne Taschenbuch

6. April 2009 - kartoniert - 256 Seiten

Kurzbeschreibung

Ein erotisches Roadmovie durch die Abgründe der Lust

»Ein Jahr lang hatte ich einen Freifahrtschein. Mein Mann hat ihn selbst unterschrieben: Zwölf Monate lang darf ich ficken, vögeln, lecken und lutschen und ganz allgemein tun und lassen, was ich will, mit wem ich will, wie oft ich will, wann ich will. Und ich hatte nicht nur die Erlaubnis. Ich hatte das Recht dazu.«

Portrait

Sophie Andresky, geboren 1973, wurde mit ihren Kurzgeschichtenbänden zu Deutschlands meistgelesener Autorin in Sachen Erotik. Ihre Artikel erschienen u. a. in Magazinen wie "Penthouse", "Brigitte", "Für Sie" und "Cosmopolitan". "Vögelfrei" ist ihr erster Roman. Sie lebt in Berlin.

Leseprobe

APERITIF:
Champagner mit Holunderbl'te in Sirup


Ich bin Romantikerin. Und ich liebe das Sch'ne.
Aber der Sex an sich, zumindest, wenn er geil ist, wenn zwei glitschige, prall durchblutete K'rperteile ineinandergleiten, wenn schwei'asse K'rper so verknotet werden, dass sich an manchen Stellen W'lste rollen, an anderen Stellen die Knochen hervortreten, wenn sich die Gesichter verzerren, die Augenlider flattern und alle Beteiligten Grunzlaute erzeugen, die klingen wie eine Mischung aus angeschossenem B'und kalbender Hirschkuh, dann ist das weder romantisch noch sch'n im Sinne des Musikantenstadls. Und trotzdem ist es gro'rtig. Es hat nichts zu tun mit flatternden Negliges im Mondenschein oder s''m Gehauche wie gezuckerte Rosenbl'er. Das ist dann echter Sex. Sex f'r gro' M'hen. Und darum geht es. Um Fick-mir-das-Hirn-raus-Sex.
Ich sehe mich um. Alles hier in meinem Palast, in dem wir das heutige Fest feiern werden, ist Musikantenstadlwundersch'n: Die brennenden Kerzen auf den riesigen silbernen St'ern verbreiten eine flimmernde Schw'le, eine knisternde, flirrende Oasenluft in meinem Salon. Die Brokatstoffe t'rmen sich auf den Sofas und Sesseln, als w'n sie von einer hastig beendeten Orgie 'brig geblieben. Meine beiden dicken Kastratenkater r'ln sich schnurrend darauf und lecken sich die buschigen Schw'e und das weiche Pudelfell am Bauch. Ganz 'lich klingen die vielen kleinen und gro'n, bunten und silbernen Dildos, die ich in den Blumenk'beln verteilt habe und die wie abstrakte Kunst aussehen. Von der Decke h'en die Vogelk'ge, die ich w'end der letzten Jahre auf Flohm'ten und Auktionen gekauft habe und in denen man Kn'l aus bunten Seidenstoffen, Gef' mit dampfendem Trockeneis oder Blumen bewundern kann. Der Duft von Vanille und meinem Maigl'ckchenparf'm schwebt im Raum, und auf dem 'ppig gedeckten Tisch sehe ich zwischen den funkelnden Bestecken, den Kristallgl'rn und den Buketts aus Papageienbl'ten die Pomelo-Schnitze leuchten.
Auf jedem de
r sieben Pl'e steht ein Sch'hen mit bereits angerichtetem Salat und darauf - wie ge'ffnete feuchte M'senspalten - das Fruchtfleisch der Pomelos. Die G'e m'ssen jeden Moment eintreffen, und ich gebe Jannik ein Zeichen, damit er die Holunderbl'ten in die Gl'r verteilt, kaum bedeckt vom Sirup, und dann den Champagner dar'bergie'. Der ist so kalt, dass die Gl'r beschlagen. Seine wei'behandschuhten H'e stellen den Holunderbl'tenaperitif auf den kleinen Beistelltisch. Ich nehme mir noch ein Glas, als er mit dem Tablett an mir vorbeikommt.
Ich hatte schon das eine oder andere, aber angeschickert bin ich als Herrin des Hauses einfach am besten. Das ist ein Gesetz: Der Fisch in der Pfanne muss schwimmen, und die Gastgeberin an der Tafel auch. Daf'r sorgen nicht unerhebliche Mengen Champagner - aber was soll's, mein Mann bunkert genug davon im Keller. Auch unter der Tischkante, zwischen den Beinen der Gesellschaftsdame, hat es feucht zu sein.
Darum k'mmert sich in meinem Fall der Caterer. Das hatte ich schon lange vorher bei der Planung dieses Festes beschlossen. Er ist sozusagen das Amuse-Gueule meiner Dinnerparty, der Gru'aus der K'che, und als solcher auch f'r mich eine 'erraschung. Denn ich bin nicht vorher durch die Feinkostl'n gezogen auf der Jagd nach dem attraktivsten Fahrer. Ich habe nicht wei'eigige Metzgerh'e verglichen mit den gebr'ten schlanken der spanischen Aushilfen. Ich habe einfach das Dinner bestellt und gewartet, was auf mich zukommt. Wer auf mich zukommt. Heute Abend nehme ich als Auftakt jeden - das geh'rt zum Spiel. Ein letztes Blind Date zum Abschluss. V'gel-Roulette k'nnte man das nennen, rien ne va plus.
Der wird es also.
Er ist knapp eins sechzig gro'und hat eine beginnende Halbglatze. Alle Ger'chte 'ber den Zusammenhang zwischen m'lichem Haarwuchs und Potenz, dass die mit dem Affenfell auch ficken k'nnen wie ihre Kumpels im Zoo, sind Quatsch. Zwar kenne ich kahlk'pfige M'er, die aussehen wie wandelnde Riesenpenisse, doch zwischen ih
ren Beinen h't blo'ein trauriges W'rmchen, mit dem man vielleicht angeln kann, aber die yetiartig best'ckten Zottelrastas halten auch nicht immer das, was sie versprechen. Letztendlich sieht man es einem Mann nicht an, was er bringt, man muss ihn schon testen.
Anfangs ist der Caterer noch sch'chtern, als er reinkommt und seine Styropork'en und Taschen abstellt. Er verschlingt den ganzen Raum mit seinen gro'n, gl'enden Makakenaugen. Ich kann genau sehen, dass er 'berlegt, ob er wohl in einem Bordell gelandet ist. Vor allem Jannik irritiert ihn, obwohl der selbst keine Miene verzieht und wie ein schweigender, gesch'iger Pinguin hin und her l't, ihm das Essen quittiert und mit seinen wei'n Handschuhen eine einladende Geste in meine Richtung macht.
Was der Caterer nicht wei' Er ist nicht nur der Auftakt f'r eine gro' Dinnerparty, er ist auch der letzte Unbekannte, den ich in diesem gerade vergangenen wilden Jahr ficken werde. Denn dies hier ist der kr'nende Abschluss meiner V'gelfreiheit. Ein Jahr lang hatte ich einen Freifahrtschein, mein Mann hat ihn selbst unterschrieben: Zw'lf Monate lang darf ich ficken, v'geln, kohabitieren, lecken, lutschen und ganz allgemein tun und lassen, was ich will, mit wem ich will, wie oft ich will, wo ich will, wann ich will. Und ich hatte nicht nur die Erlaubnis. Ich hatte das Recht dazu.
So stehe ich jetzt an den Fl'gel gelehnt da in meinem engen schwarzen Kleid und lasse die nackten Arme ausgebreitet auf dem Instrument liegen. Die breite Narbe, die wie ein Stammeszeichen meinen rechten Oberarm vertikal durchschneidet, ist bei der schummrigen Beleuchtung mit den vielen flirrenden Farben und Spiegelungen kaum zu sehen, und sie geht ihn auch nichts an. Und obwohl von den Dutzenden winzigen Kn'pfen an der silbernen Borte, die das Kleid vom Hals bis zu den Kn'cheln zusammenhalten, kein einziger geschlossen ist, er also freien Blick hat auf meine nackte Haut, meine Br'ste, meine blitzblank rasierte M'se, versucht er immerhin, mi
r ins Gesicht zu sehen. Das ehrt ihn, ist aber zwecklos, denn das Kleid hat am R'cken eine gro' weite Kapuze, die ich bis in die Stirn gezogen habe, sodass ich wie eine augenlose Priesterin am Fl'gel stehe und die Beine aneinanderreibe.
Er wei'nicht, was er tun soll, zwirbelt an seiner Uniformjacke herum, schluckt hart, tritt von einem Fu'auf den anderen. Ich lege den Kopf leicht zur'ck, nehme das Glas mit dem Champagner, trinke erst, lasse dann aber die H'te 'ber meinen K'rper flie'n bis zu meinen nackten F''n.
Ich trage niemals hochhackige Schuhe, auch nicht zur Abendrobe. Hohe Hacken haben M'er erfunden, die es lustig finden, wenn Frauen im Film auf der Flucht vor Aliens stolpern, sich in den Matsch werfen und dabei ihre Bluse zerrei'n. So eine bin ich nicht. Vor mir h'en eher die Aliens Angst.

Pressestimmen

»Deutschlands führende Kolumnistin in Sachen Erotik.«
WDR

»Kaum eine schreibt so freizügig wie sie.«
Brigitte

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