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Gib jedem seinen eigenen Tod

Ein Proteo-Laurenti-Krimi. Roman.
Taschenbuch
Ein detailgenauer, spannender Kriminalroman über Triest und eine sympathische Detektivfigur, von der man noch einiges hören wird: Proteo Laurenti.
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Produktdetails

Titel: Gib jedem seinen eigenen Tod
Autor/en: Veit Heinichen

ISBN: 3423205164
EAN: 9783423205160
Ein Proteo-Laurenti-Krimi. Roman.
dtv Verlagsgesellschaft

1. April 2002 - kartoniert - 336 Seiten

Beschreibung

Triest im Hochsommer. Ein Fall für Kommissar Proteo Laurenti: Es geht um Korruption, Menschenschmuggel, Geldwäsche und Mord.
Triest im Hochsommer. Eine Luxusyacht läuft in den frühen Morgenstunden mit voller Fahrt auf die Küste auf. Als sie gefunden wird, ist sie leer, von ihrem Eigner fehlt jede Spur. Kommissar Proteo Laurenti stößt bei den Ermittlungen auf einen alten Widersacher: Der Vermißte stand vor langer Zeit unter dem Verdacht, seine Frau Elisa umgebracht zu haben - beweisen konnte man es ihm nie.

In der mörderischen Hitze des Triester Sommers bekommt es Laurenti mit organisierter Kriminalität, Menschenschmuggel, Geldwäsche und Mord zu tun. Dabei hat er auch privat einiges am Hals: Seine Frau will eine neue Wohnung, der 80. Geburtstag seiner Schwiegermutter steht an, und seine Tochter bewirbt sich zu seinem Entsetzen für die Wahl zur Miss Triest ...

Portrait

Veit Heinichen geboren 1957, arbeitete als Buchhändler und für verschiedene Verlage. 1994 war er Mitbegründer des Berlin Verlags. Seine Proteo-Laurenti-Krimis wurden mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet und für die ARD verfilmt. Heute lebt er in Triest.

Pressestimmen

»[Der Schauplatz] Triest hat, was ein Krimi braucht: Flair, immerhin ist es eine Stadt an der Adria; Geschichte ... und Morbidität endlich hat Triest auch: Die Österreicher sind lange genug dagewesen. So kompliziert und vielgestaltig dieser Fall auch ist, Heinichens Konstruktion bleibt stets wahrscheinlich. Proteo hat Potenzial in jedem Fall, und wenn sein nächster ihn in die traurige Vergangenheit Triests entführt ... wird das Wiederlesen Freude machen.«
Wieland Freund, Die Welt

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 03.04.2001

Lillis Kollegin hieß Olga
Veit Heinichens Kriminalroman ist blind für die Farben von Triest

Triest ist eine langweilige Stadt: Älter und pünktlicher als im Rest Italiens sind die Bewohner. Die Prostituierte Lilli und der Leichenbeschauer Galvano etwa leisteten schon vor dreiundzwanzig Jahren ihren Dienst am Menschen. Abwechslungsarm verlaufen die Sommer. Mal sind es "über 35 Grad im Schatten", anderentags exakt "35 Grad im Schatten" oder "mindestens 35 Grad". Ganze acht Kriminalfälle wurden seit 1950 nicht aufgeklärt. Selbst die Haie meiden die Bucht vor der slowenischen Grenze.

Triest war eine aufregende Stadt: 536 Jahre lang lag dort, im äußersten Nordosten der Adriaküste, Österreichs Zugang zum Mittelmeer. Karl VI. ließ den Freihafen anlegen, Maria Theresia den Canal Grande. Triest beerbte Venedig als führendes Handelszentrum. Johann Joachim Winckelmann fand in Triest den Tod, Italo Svevo und Theodor Däubler, beides Söhne deutscher Kaufleute, wurden hier geboren. Rilke schrieb auf dem nahe gelegenen Schloß Duino seine Elegien, hielt Zwiesprache mit dem "gärtnernden Tod". Des Dichters Blick fiel täglich auf das zerklüftete Kalkhochland, das Triest umgibt. Dem "höhligen Karst" erwies er in den "Sonetten an Orpheus" dann eine späte Reverenz.

Erst seit dreiundzwanzig Jahren lebt der Leiter der Kriminalpolizei in der nach dem Ersten Weltkrieg italienisch gewordenen Grenzstadt, doch seine Versetzung aus Süditalien nach Venetien war vorherbestimmt. Der dreifache Familienvater heißt nämlich so wie "die kleinen weißen Tierchen ohne Augen, die nur in den unterirdischen Wasserläufen des adriatischen Karsts zu Hause sind". Commissario Proteo Laurenti ist die humane Sonderform des Proteus Anguinus Laurenti. Zwar ist er nicht mit Blindheit geschlagen, und daß er hellhäutig sei, wird niemand behaupten, doch ins poröse Kalkgebirge zieht es ihn oft. Gerade wurde Olga, eine junge slawische Kollegin Lillis, dort ermordet aufgefunden. Da Proteo Laurenti aber der Weg seiner Namensvettern verwehrt ist und er nicht durch die Risse im Gestein bis zu den Flüssen hinabtauchen kann, zieht es ihn zurück vom Karst an den Strand. Nackt springt er in das geliebte Element, denn "eine halbe Stunde schwimmen pendelt seine Seele wieder ein".

Der wassersüchtige Choleriker braucht wenig Schlaf, viel Kaffee und hat lediglich vier Kilo Übergewicht. Er mag keine Immobilienmakler, keine Klimaanlagen und keine Kraftfahrzeuge. Den schmutzbedeckten Dienstwagen läßt er meistens stehen, geht zu Fuß oder leiht sich den Motorroller seines sechzehnjährigen Sohnes Marco aus. Proteo Laurenti ist ein widerspruchsvoller Beamter, der sein Interesse an Kunst und Literatur beteuert, Künstler jedoch für ein "exzentrisches Völkchen" hält. Er ärgert sich über "die konservativen Triestiner", denen ein "gemächliches Leben" über alles gehe, und scheut doch selbst den Wandel, will aus der alten Wohnung nicht ausziehen und ebensowenig die erwachsene Tochter Livia in die Selbständigkeit entlassen.

Der redefreudige Vorzeige-Italiener wird nicht primär zur Aufklärung eines verworrenen Falles von Menschenhandel, Subventionsbetrug, Korruption und Mord gebraucht. Romanstrategisch ist er vielmehr für das mediterrane Flair zuständig. Deshalb muß er "Porcaputtana!" ausrufen, in einer Osmizza "einen Sprizz Bianco Bitter" trinken oder ein Tramezzino essen. Nötig ist diese rein rhetorische Verortung, weil Triest gesichtslos bleibt. Der Erzähler teilt mit, daß die Via Rossetti steil ansteigt und die Via Trento die "Sündenmeile" ist, daß ein Café "leider zu Tode renoviert" wurde und ein Verlagsgebäude "zu den minderen der typischen Bausünden jener Epoche, als man modern sein wollte", zählt. Wie die Häuser und die Straßen aber aussehen, erfährt der Leser keineswegs. Welche Farben Triest trägt, wonach es schmeckt, wie es riecht, ist diesem so stolz mit der Besonderheit Triests, dem Schicksal Winckelmanns, den Werken Svevos renommierenden Buch nicht zu entnehmen.

Der Mangel an Sinnlichkeit und die Dominanz der Benennung zu Lasten der Beschreibung setzt sich bei den Figuren fort, die attraktiv oder arrogant genannt werden, aber über keine Statur, keinen Gang, keine Mimik verfügen. Der Leiter der Küstenwache ist schlicht und stereotyp "der Seebär", Patrizia Isabella hingegen die "Lieblingstochter". Einzig die floskelhaft verwendeten Namen unterscheiden die Personen voneinander, die keine eigene Sprache haben. Was eben noch der Erzähler referierte, kehrt in wörtlicher Figurenrede wortgleich wieder.

Ein "verkitschtes Porträt" Livia Laurentis läßt der Autor seinen Helden drei Seiten lang lesen. Der "schreckliche Bericht", den der Commissario in einem Anzeigenblättchen namens "Mercatino" entdeckt, ruft bei dem erregten Polizisten Hohn und Spott hervor. Die dort vorexerzierte Aufblähung eines Textes durch Repetition des Banalen bildet indes das traurige Muster für sämtliche 332 Seiten des vorliegenden Werks. Als "sensibel und gefühlvoll" wird im "Mercatino" zweimal die Polizistentochter bezeichnet, womit über sie soviel ausgesagt wäre wie etwa über den Triester Sommer durch die dreifache Angabe der identischen Temperatur. Auch Heinichens klischeehafte Sätze über eine Journalistin und ihre "erschütternde private Niederlage" ausgerechnet zur Zeit des "großen beruflichen Erfolges" scheinen direkt dem "Mercatino" entnommen.

Mit dem holprig betitelten Roman "Gib jedem seinen eigenen Tod" debütiert Veit Heinichen als Alleinerzähler. Der ehemalige kaufmännische Leiter und Mitbegründer des "Berlin Verlages" verfaßte unter dem Pseudonym Viola Schatten gemeinsam mit einer Literaturkritikerin vier schmale Taschenbuchkrimis. Deren Heldin, eine Privatdetektivin und WG-Bewohnerin adliger Abstammung, ermittelte in Frankfurt mitten unter dezent bis gar nicht camouflierten, höchst realen Lokalgrößen, was 1991 für einen kleinen Skandal sorgte. Das erste Buch der Reihe, "Schweinereien passieren montags", hatte die Ausbeutung der Dritten Welt durch skrupellose Geschäftsleute zum Gegenstand.

Der Gegenstand ist geblieben, wenn auch die Dritte Welt jetzt auf dem Balkan und östlich von Polen beginnt, die Verbrecher aus Kroatien statt aus Hessen stammen und Veit Heinichen mittlerweile in Triest wohnt. Das Ergebnis der gewandelten Zeitumstände bei unveränderter Kapitalismuskritik sind Proteo Laurentis Protestgedanken. Wider das Bürgertum und für die käufliche Liebe optiert Triests erster Polizist, sofern er fern der Ehefrau und fern der Taten weilt. Im Karst versickern seine rebellischen Träume, und die kleinen weißen Tierchen ohne Augen wissen sie zu schätzen.

ALEXANDER KISSLER

Veit Heinichen: "Gib jedem seinen eigenen Tod". Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2001. 332 S., geb.

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