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Schiffbruch einer Liebe


Exklusiv-Interview mit Peter Nichols


Als würde man am Meer entlangspazieren oder bei einem guten Wein in einer kleinen Strandbar sitzen: So fühlt es sich an, wenn Peter Nichols erzählt - ob in Buchform oder bei unserem Interview. Der englische Autor mit Zweitwohnsitz in Kalifornien schöpft aus einem reichen Erfahrungsschatz, etwa seinen Segel-Abenteuern inklusive Atlantik-Überquerung im Alleingang. Mallorca ist für ihn ein wichtiger Ankerplatz - und die Kulisse seines wunderbaren Romans "Die Sommer mit Lulu", einer der eindrucksvollsten literarischen Entdeckungen der Saison.

Peter Nichols
Sie haben viel von der Welt gesehen. Was hat Sie veranlasst, als Hauptschauplatz Ihres Romans "Die Sommer mit Lulu" ausgerechnet einen kleinen Küstenort auf Mallorca zu wählen?
An diesen kleinen Ort und in meine glücklichste Zeit dort sehne ich mich immer zurück, wenn es in meinem Leben turbulent wird. Wenn ich in aufwühlende Situationen gerate, etwa als ich Vater geworden bin oder nach meiner Scheidung...

Was genau verbindet Sie so stark mit Mallorca?
In den 1960er Jahren hatte meine Familie eine kleine Villa in der Nähe des Küstenortes Cala Ratjada. Hier habe ich meine Eltern, die sich später scheiden ließen, in ihrer glücklichsten Zeit erlebt. Und für mich selbst waren es prägende Jugendjahre in jeder Hinsicht: ob Sex, Sehnsüchte, Liebe, Enttäuschungen, unmögliches Verhalten und schließlich Selbstständigkeit. Auf Mallorca habe ich das meiste gelernt, was ich über die Welt und das Leben weiß. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind malerisch wie Ansichts- karten von Mallorca - und dennoch von großer emotionaler Wucht.

Sehr intensive Erfahrungen haben Sie offenbar beim Segeln gemacht...
Das Segeln hat mich stark geprägt. Als ich noch ein ganz junger Mann war, habe ich einige Jahre auf einem ziemlich kleinen und immer irgendwo undichten Segelboot gelebt. Damals hatte ich kaum Geld. Deshalb musste ich lernen, alles Mögliche selbst zu reparieren. Das führte dazu, dass ich glaubte, nahezu alles zu können, wenn ich es mir nur fest genug vornehme. Diese Lektion erwies sich dann auch als äußerst nützlich, um mich beim Schreiben weiterzuentwickeln - und dauerhaft über Wasser zu halten. Genau wie Boote haben auch Schriftsteller eine ständige Tendenz unterzugehen.

Was macht Ihre Begeisterung für das Segeln und für das Meer aus? Das Segeln bedeutet einzigartige Freiheit, aber auch einzigartige Einsamkeit. Ich war - wie Gerald in meinem Roman - Einhandsegler. Wenn man allein segelt, ist man der Kapitän seines Schiffes und seines Lebens wie sonst nie und nirgends. Wenn man allein auf dem Meer ist, trifft man auf sein wahres Selbst. Das war eine Schule für das gesamte Leben. Allerdings hat mich das jahrelange Segeln in ganz jungen Jahren auch wurzellos gemacht. Wirklich zuhause habe ich mich erst wieder beim Schreiben gefühlt. Und einen Roman zu schreiben, fühlt sich auch oft an wie allein über einen Ozean zu segeln.

Mit welchem literarischen Plan sind Sie in See gestochen?
Oh, ich würde nicht behaupten, dass ich einen Plan hatte. Ich musste wegen der Ausstellung eines neuen Führerscheins aufs Amt und wartete - und plötzlich hatte ich das Bild vor Augen, das dann später die erste Szene meines Romans wurde: Gerald und Lulu, die nach sehr, sehr langer Zeit das erste Mal wieder aufeinandertreffen. Ich wollte wissen, warum sie so wütend auf einander waren - was Schreckliches zwischen den beiden vorgefallen ist. Die ganze Geschichte enthüllte sich mir erst schrittweise beim Schreiben. Es war die ungewöhnlichste Schreiberfahrung, die ich jemals gemacht habe.

Im ersten Moment könnte man Ihren Romanhelden Gerald für einen Abenteurer halten, aber dann merkt man bald, dass er gar nicht so leicht zu durchschauen ist...
Ja, Gerald ist ein vielschichtiger Charakter. Trotz seiner Leidenschaft für das Segeln hat dieser Abenteurer die längste Zeit seines Lebens an Land verbracht. Er ist Vater einer Tochter. Er vereint viele praktische Fähigkeiten und er ist vielseitig gebildet. Und alles, was er kann und weiß, hat er sich selbst beigebracht. Dennoch ist er von Sehnsucht und Unrast getrieben. Wenn er jemals Erfüllung findet, dann ganz am Ende meines Romans...

Auf seiner Finca lebt Gerald in Gesellschaft vieler Bücher. Die wichtigsten Exemplare führen in die Antike, zu Homer. Was verrät uns seine Vorliebe?
Gerald liebt die Klassiker aus den gleichen Gründen, aus denen sie die meisten Menschen lieben: Wir finden in ihnen vielleicht nicht unbedingt Antworten auf die Fragen unseres Lebens, aber doch den Beweis, dass auch andere schon die gleichen Qualen durchlitten haben. Ich glaube, Gerald sieht sich als eine Art Odysseus, als homerischen Charakter.

Deshalb haben Sie Ihrem Roman auch Konstantinos Kavafis' wundervolles Gedicht "Ithaka" vorangestellt, oder? Was bedeutet es Ihnen?
Was mich sehr anspricht, sind die existenziellen Erkenntnisse: Während wir gerade große Pläne schmieden, passiert etwas völlig anderes - so ist unser Leben. Kavafis macht bewusst, worin die entscheidende Lebenserfahrung besteht - für Odysseus und für uns. Um von Troja nach Ithaka zu gelangen, hätte Odysseus eigentlich nicht länger als zwei Wochen benötigt. Stattdessen war er zehn Jahre unterwegs - eine Zeit voller Abenteuer und Erkenntnisse. Kavafis schreibt mir aus dem Herzen, wenn er rät, wir sollten uns unterwegs nicht so beeilen. Es ist die Reise, die unser Leben ausmacht.

Nach dem Ende ihrer kurzen Ehe haben Lulu und Gerald jeweils neue Partner gefunden und Kinder bekommen: Inwiefern überschattet die Vergangenheit auch das Leben von Lulus Sohn Luc und Geralds Tochter Aegina?
Die Vergangenheit steht zwischen Luc und Aegina. Zugleich fühlen sie sich seit ihrer Kindheit zueinander hingezogen. Ihre Beziehung scheint jedoch - genau wie die ihrer Eltern - unter keinem guten Stern zu stehen. Ganz zum Schluss allerdings könnte sich eine Chance ergeben, die Fehler zweier Generationen gut zu machen.

Was begeistert Sie als Kenner der Insel heute an Mallorca?
Für mich ist Mallorca die schönste Mittelmeerinsel. Natürlich hat sich seit meiner Jugend einiges verändert, aber das Ursprüngliche und Charakteristische ist bewahrt geblieben: vor allem der Zauber der Landschaft und die kleinen Dörfer, die Weinberge und Olivenhaine. Ich liebe den warmen Ockerton der alten Häuser aus Kalksandstein. Und ich liebe den Duft der Pinien und das Rauschen des Windes in ihren Zweigen. Besonders empfehle ich, was ich am besten kenne und am meisten liebe: Cala Ratjada. Einfach die Uferpromenade entlangschlendern und vom Leuchtturm aus den traumhaften Ausblick auf die Bucht genießen... Ich bin mir ganz sicher, dass jeder Reisende sein ganz persönliches Mallorca entdeckt.
[Peter Nichols: Die Sommer mit Lulu]
 
BUCH
Die Sommer mit Lulu
von Peter Nichols

Das Buch zum Interview


Die Sommer mit Lulu

Die Villa Los Roques ist ein zeitloser Ort: Seit drei Generationen zieht das kleine Strandhotel im äußersten Osten Mallorcas Bohemiens und Lebenskünstler an. Als Lulu, die Besitzerin, inzwischen über achtzig Jahre alt, eines nachmittags zufällig auf ihren ersten Ehemann Gerald trifft, kommt es zum Handgemenge, und die einstigen Liebenden ertrinken im Meer. Entsetzt kehren Luc und Aegina, die Kinder aus den zweiten Ehen, auf die Insel zurück, um ein schweres Erbe anzutreten, immer der Frage nach: Was ist im Sommer 1948 passiert? Denn in der kleinen Inselgemeinschaft hat jede Intrige und jede Affäre ihren Ursprung in der Vergangenheit.
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