Ein spannender Thriller, dessen Ende mich maßlos enttäuscht hat
Ich lese Charlotte Links Thriller sehr gerne und schätze besonders ihre sorgfältig entwickelten Figuren und die meist nachvollziehbaren Handlungsverläufe. Auch Dunkles Wasser hat mich über weite Strecken gefesselt. Umso enttäuschender fand ich das Finale.Achtung, Spoiler zum Ende!Kate Linville wird über mehrere Romane hinweg als mutige, intelligente und auch in Extremsituationen handlungsfähige Ermittlerin dargestellt. Im Finale dieses Romans verhält sie sich jedoch auf eine Weise, die für mich überhaupt nicht zu ihrer Figur passt.Während Caleb schwer verletzt neben ihr liegt und dringend medizinische Hilfe benötigt, verbringt Kate die gesamte Nacht weitgehend untätig an seiner Seite. Dabei befindet sich die bewaffnete Täterin in einem anderen Stockwerk, die Zimmertür ist zunächst nicht verschlossen und Kate kann sich trotz ihrer Fesseln im Raum bewegen.Erst am nächsten Morgen, als die Polizei bereits vor der Tür steht, entwickelt Kate plötzlich einen Plan, um sich mithilfe eines Bilderrahmens und einer Glasscherbe von ihren Fesseln zu befreien. Gegenstände, die ihr bereits die ganze Nacht zur Verfügung gestanden hätten.Warum versucht sie das nicht Stunden früher? Warum unternimmt sie angesichts von Calebs lebensbedrohlichem Zustand nicht alles, um Hilfe zu organisieren? Und warum versucht sie nicht wenigstens durch laute Geräusche auf sich aufmerksam zu machen, als die Polizei eintrifft?Natürlich können Menschen in Extremsituationen irrational handeln. Aber der Roman liefert für Kates ungewöhnliche Passivität aus meiner Sicht keine überzeugende psychologische Erklärung.Das Tragische ist, dass Calebs Tod durchaus eine erschütternde Wendung hätte sein können. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass Kate nur deshalb nicht handelt, weil die Geschichte auf genau dieses Ende hinauslaufen soll.Mich enttäuscht dabei weniger Calebs Tod selbst als die Art, wie er erzählerisch herbeigeführt wird. Gerade von Charlotte Link hätte ich ein sorgfältiger konstruiertes Finale erwartet.Schade, denn bis dahin hatte mir der Thriller wirklich gut gefallen.