Gute Unterhaltung, schöpft sein Potenzial aber nicht aus
Ist das Buch seinen Hype wert? Jein.Die Geschichte ist durchaus spannend, gegen Ende sogar richtig dramatisch, wartet mit einer reich beschriebenen Fantasy Welt mit Magie, komplexen Zusammenhängen und vielen Geheimnissen auf. Und seien wir ehrlich: Wer liebt nicht Geschichten über Drachen und ihre Reiter. Jedoch schöpft die Erzählweise nicht ihr ganzes Potenzial aus.Aber von vorne: Ergänzend zum Klappentext sei noch erwähnt, dass sich dieser erste Band darauf konzentriert, die harte Ausbildung von Violet zur Drachenreiterin zu beschreiben, in die ihre Mutter sie aus unerfindlichen Gründen hineingezwungen hat. Ihr Körper ist für diese Art der Ausbildung nämlich denkbar ungeeignet: Zerbrechliche Knochen, instabile Gelenke. Ihre Stärke sind ihre Bildung und ihre Intelligenz. Neben der Ausbildung kämpft Violet mit diversen Gegner:innen am College, die ihr das Leben schwer machen oder sie sogar umbringen wollen. Zum Glück kann sie sich auch ein paar Freundschaften aufbauen mit interessanten Nebencharakteren.Anfänglich sieht es so aus, als ob Xaden, der aktuell mächtigste Kadett an der Akademie, ebenfalls zu ihren Gegner:innen gehört: Violet ist die Tochter der Generälin, die Xadens Vater, einen Rebellenführer, zum Tode verurteilt hat. Es wäre nur natürlich, dass er sich an ihr rächen will. Im Gegenteil dürfen wir uns aber wundern, dass er ihr immer wieder kleine Hilfestellungen gibt. Daran mochte ich vor allem, dass er sie nicht verzärtelt. Anders als ihr Sandkastenfreund, der ebenfalls die Ausbildung absolviert und sie auf sehr übergriffige Art zu schützen versucht. Das gibt eine spannende Dreieckskonstellation. Ich mochte Xadens Skrupellosigkeit und Respektlosigkeit. Er ist absolut gnadenlos und direkt im Umgang, meistens grumpy. Zu einer Liebesgeschichte- auch wenn sie die ganze Zeit schon leicht mitschwingt - wird es erst im letzten Drittel der Geschichte, aber dann wird's ziemlich heiß.Die Drachen in diesem Buch sind furchterregend, stolz und ziemlich arrogant. Hier wird es sehr spannend, ob es Violet gelingen wird, einen Drachen für sich zu gewinnen und welche Art von Magie sie durch ihn bekommen wird.Das Buch ist in der Ich-Perspektive von Violet geschrieben. Bei allem, was sie erdulden muss und erlebt, hätte man durchaus mehr Emotionalität erwarten dürfen. Sie ist jedoch ein eher nüchtern-pragmatischer Charakter, der hart zu sich selbst ist und mutig in der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen. Somit stehen in diesem und den Folgebänden mehr die Handlung im Vordergrund als innere Reflexionen und Emotionen. Das gibt den Büchern eher einen leichteren Charakter.Gefallen hat mir, dass kein Unterschied zwischen Frauen und Männern gemacht wird und Diversität und Pansexualität normal sind.Es gibt eine ganze Reihe handwerklicher Dinge, die nicht so mega gravierend sind, die ich aber bei so einem krassen Hype-Buch nicht erwartet hätte: Im Laufe des Buches werden immer wieder kleine Fragen und Ungereimtheiten aufgeworfen. Da die Protagonist:innen aber nicht danach streben, diese zu klären, verpufft dieser Aspekt der Geschichte als Spanungsbogen und wird gegen Ende des Buches etwas unspektakulär einfach aufgedeckt. - Aber natürlich nicht alles, damit man dranbleibt, um nach dem zweiten Band zu greifen.Dann bewundert Violets Umfeld immer wieder ihre Intelligenz, aber es gibt erst ganz am Schluss Belege dafür - deutlich zu spät, um die Bewunderung zu rechtfertigen. Das wird in den folgenden Bänden aber besser.Zu Beginn wird man immer wieder mit ungeschickt eingebauten komplizierten Infos zu den Regeln in dieser Welt überschwemmt - anstrengend... Außerdem bin ich gemeißelte Gesichtszüge langsam etwas leid und bin erstaunt mit welcher Präzision ich vorhersagen konnte, wer bei der nächsten Prüfung drauf gehen wird. So eine große Vorhersehbarkeit habe ich lange nicht erlebt. Es gibt auch ein paar Logikbrüche und hin und wieder werden Informationen ein zweites Mal aufgedeckt, so als wenn es das erste Mal nicht gegeben hätte - das Buch ist also alles andere als perfekt geschrieben.Es wäre ansonsten toll, wenn noch mal ein Sack Kommas über dem Werk ausgeschüttet wird. Aber das nur am Rande.Kategorisierung¿ Romance-Sub-Genre: Dark, Romantasy¿ Altersgruppe der Hauptfiguren: New Adult¿ Plot-Trope: Afraid to commit, Break up to save him / her, Damsel in distress, Dark secret, Dude in distress, Emotional scars, Enemies to lovers, Forbidden love, Golden Retriever, Good girl-bad boy, Grumpy-sunshine, Morally grey, Slow burn, Sworn off a relationship, Tortured heroes, Ugly cry, Who did this to you¿ Setting-Trope: Dark academy, Military¿ Geschlechterkonstellation: Hetero¿ Beziehungsstruktur: Monogam¿ Spannung: Medium¿ Darkness: Grau¿ Emotionalität: Gering¿ Psychologische Tiefe: Oberflächlich¿ Glaubwürdigkeit: Teils teils¿¿ Sympathiefaktor der Hauptfiguren: Sympathisch¿ Humor: Wenig¿ Klassisches Rollenmodell: Teils teils¿ Anzahl Spicy Szenen: 2¿ Spielart Spicy Szenen: Vanilla¿ Explizitheit Spicy Szenen: Medium¿ Originalität der Erzählweise: Teils teils¿ Erzählperspektive: Ich-Erzähler:in