Wilhelm Dilthey (1833-1911), Sohn einer calvinistischen Predigerfamilie, besuchte in Wiesbaden das Gymnasium. In Berlin (1853) und Heidelberg (1852) studierte er Theologie, Geschichte und Philosophie. Im Jahre 1864 wurde er mit einer lateinisch geschriebenen Arbeit über die Ethik von Schleiermacher promoviert, habilitierte sich im selben Jahr über das moralische Bewußtsein und wurde Privatdozent an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. 1867 erhielt er einen Ruf auf ein philosophisches Ordinariat in Basel. Es folgten Anstellungen in Kiel (1868-71) und Breslau (1871 83). 1882 erhielt Dilthey einen Ruf nach Berlin als Nachfolge des plötzlich verstorbenen Rudolf Hermann Lotze, wo er von 1883 bis 1908 lehrte. 1883 erschien zugleich der erste Band der »Einleitung in die Geisteswissenschaften«. Dilthey engagierte sich um 1900 für die Frauenbewegung. So gehörte er der 1893 von Helene Lange gegründeten Vereinigung zur Veranstaltung von Gymnasialkursen für Frauen an, die sich für ein Recht der Frauen auf ein Universitätsstudium einsetzte. Für Gertrud Bäumer war Wilhelm Dilthey einer der wichtigsten Lehrer, und bei ihrer Promotion an der Berliner Universität 1904 gehörte er der Promotionskommission an. Ab 1900 nach Erscheinen von Edmund Husserls »Logische Untersuchungen« setzte sich Dilthey intensiv mit der Phänomenoligie auseinander. 1911 starb Dilthey in Seis nach Erkrankung an der Ruhr.