Wenn die Vergangenheit einen immer wieder einholt ...
Bevor ich mit der Rezension beginne, möchte ich darauf hinweisen, dass es mir wahrscheinlich nicht gelingen wird, diese Rezension ohne Spoiler zu schreiben. Wer sich also überraschen lassen möchte, sollte besser nicht weiterlesen ¿Der zweite Band der "Lonely in London"-Reihe hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Nachdem Band 1 mit einem sehr fiesen Cliffhanger zu Ende ging, war ich sehr gespannt darauf zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht, vor allem was nach dem Unfall nun mit Wes passiert. Doch alles kommt anders als erwartet, denn hat man in Band 1 noch Wes als Protagonisten folgen können und einige Kapitel aus seiner Sicht erlebt, tritt nun sein jüngerer Bruder Adam quasi an seine Stelle, was mich anfangs überrascht und gleichermaßen irritiert hat. Wes wird ziemlich schnell aufs Abstellgleis in der Handlung geschoben, nachdem er aus dem Koma erwacht ist und alle Erinnerungen an Madelyn verloren hat. Auch wenn mich das Ganze ziemlich zum Stirnrunzeln brachte, versuchte ich mich dennoch auf die Story einzulassen und Adam eine Chance zu geben. Zudem muss ich sagen, dass es von der Autorin ein gewagter und mutiger Schritt ist, eine Hauptfigur aus dem ersten Teil einer Buchreihe mit einer weiteren Figur im Folgeband sozusagen auszutauschen. Das war für mich mal etwas ganz Neues, dennoch habe ich es mir anfangs schwer getan.Die Stimmung des Buches ist zu Anfang auch von schweren Gefühlen wie Wut, Angst, Zweifeln, Schmerz, Einsamkeit und Reue geprägt, was nach den Ereignissen auch sehr verständlich ist und auf jeden Fall Raum im Verlauf der Handlung benötigt. Allerdings ging es mir dann doch auf einmal zu schnell, nachdem Madelyn und Adam sich ausgesprochen haben und ziemlich schnell zueinander gefunden haben, auch im Hinblick auf Wes ging mir das alles einfach wie gesagt zu schnell. Madelyns und Adams Band der Verbundenheit ist nach all den Jahren, in denen sie sich nicht mehr gesehen haben, immer noch in Takt und an dieser Stelle ist es der Autorin auch gelungen, diese besondere Verbindung der beiden durch Rückblenden deutlicher zu machen, ebenso durch Blicke und Gesten. Hier konnte ich mitfühlen und auch spüren, dass Madelyn und Adam zwei Teile eines Ganzen sind und die beiden etwas ganz besonderes verbindet. Doch wo vorher eine große Distanz herrschte und die beiden nach den langen Jahren der Funkstille plötzlich nicht mehr voneinander lassen können, war mir die plötzlich eintretende Nähe zwischen den beiden doch zu schnell und abrupt vorgekommen, besonders was die expliziten Szenen zwischen den beiden angeht. Das hatte ich auch bei Band eins zwischen Madelyn und Wes ebenso verspürt und auch in meiner letzten Rezension erwähnt. Und auch hier für Band zwei hätte ich mir, gerade nach all den Ängsten, Enttäuschungen und Zweifeln, die beide erlebt haben, ein behutsameres Näherkommen gewünscht, um die tiefe Verbundenheit zwischen Madelyn und Adam auf ein emotionaleres und bewegenderes Level zu bringen. Nach allem, was die beiden durchgemacht haben, ihrer gemeinsamen Vergangenheit und ihrem Band, was nach aller der Zeit nicht gerissen ist, fand ich es sehr schade, dass alles dann so plötzlich kam.Irgendwie kamen bei mir die Gefühle dementsprechend nicht so rüber, beim Lesen ist mir an manchen Stellen alles so analytisch erschienen und ich konnte nicht richtig mitfühlen. Hier hat mir wirklich "Show, don't tell" gefehlt. Mein Leserherz wurde leider nicht ganz berührt. Dennoch gibt es auch Momente und Themen die außerhalb der Liebesgeschichte zwischen Madelyn und Adam behandelt werden. Beide haben familiäre Schwierigkeiten, die ihr Vertrauen tief erschüttert habeb und beide mit seelischen Verletzungen kämpfen müssen. Hier finde ich es gut, dass nicht nur die Liebesgeschichte im Vordergrund stand, sondern die Protagonisten auch seelische Hürden zu bekämpfen hatten, an denen sie wachsen und sich entwickeln konnten.Die Geschichte wird abwechselnd aus Madelyns und Adams Sicht erzählt und der Schreibstil der Autorin liest sich flüssig und angenehm. Dennoch sind mir einige Wortwiederholungen, wie auch in Band eins, aufgefallen.Was ich zudem auch sehr schade fand, ist, dass leider nicht viele Momente im Alltag der Verlagswelt Platz in der Story bekommen. Im ersten Teil hat mir gerade das sehr gut gefallen neben der eigentlichen Handlung hinter die Kulissen eines Verlags schauen zu können, doch leider kam das meiner Meinung nach in diesem Band zu kurz. Vor allem da Madelyn und Adam beide große Bücherfans sind, hätte ich mir persönlich mehr Augenblicke im Verlag gewünscht. Der abschließende Jubiläumsball des Verlags, in dem die beiden arbeiten, hat dann nochmal verlorenen Boden wieder gut gemacht und das Ende der Geschichte abgerundet, aber gerne hätte ich noch viel mehr aus der Welt des Verlags miterlebt und noch mehr Buchmomente genossen.Was ich unbedingt noch erwähnen möchte, ist die wunderschöne Covergestaltung des Buches mit dem himmlisch schönen Farbschnitt. Ein echter Hingucker in jedem Bücherregal ¿Auch wenn ich beim Lesen vor allem am Anfang der Geschichte ein inneres Battle mit den Ereignissen auszufechten hatte, hat mich die Geschichte stellenweise doch abholen können und ich werde mir den dritten und abschließenden Band der Reihe auch nicht entgehen lassen. Hier hoffe ich ganz fest für Wes, dass er auch noch sein Glück findet ¿¿¿Insgesamt gebe ich "Beyond Shattered Moons" dreieinhalb Sterne, denn auf der Gefühlsebene hat der Roman auf jeden Fall noch viel mehr Luft nach oben. Dennoch hat die Story eine wesentliche Kernaussage: Nicht alles verläuft im Leben nach Plan oder so wie man es sich erhofft. Es kann immer etwas Unvorhergesehenes eintreffen, eine plötzlich eintretende Veränderung, die das Leben völlig auf den Kopf stellt. Und genau dann ist es wichtig, den Mut zu finden wieder aufzustehen, sich den Veränderungen und Ängsten zu stellen und dabei über sich hinauszuwachsen. Meiner Meinung nach eine Botschaft, die sehr präsent ist und viele Menschen abholen dürfte.