Mich fasziniert es immer, wie Autor*innen es schaffen, Fiktion mit Realität zu verbinden. So wie bei "Die Dolmetscherin" von Titus Müller aus dem Heyne Verlag.
Hier wird die fiktive Übersetzerin Asta als Dolmetscherin für die Nürnberger Prozesse eingesetzt. Natürlich wusste ich, was im Grunde in dieser Geschichte passieren wird, denn über diese Zeit und Ereignisse drum herum gibt es viele Berichte, aber für mich war es doch nochmal etwas anderes, das Ganze aus Astas Sicht zu erleben. Für mich war das genau das Richtige, denn dadurch hat man zum einen einen "Augenzeugen" zum anderen aber auch ein wenig Abstand, da Asta nicht real ist.
Trotzdem hat es mich erneut schockiert und verwundert, wie unterschiedlich die Reaktionen der Beteiligten doch waren. Die einen geben sich unwissend und weisen jede Verantwortung von sich, die anderen verteidigen sich oder sind immer noch der Meinung, das Richtige getan zu haben oder dass es doch gar nicht so schlimm war, wie behauptet. Titus Müller hat das in seinem Buch noch einmal gut herausgearbeitet und dem Leser*in nahegebracht. Mich hat es dabei wieder richtig geschüttelt und obwohl ich weiß, dass die Schilderung den Tatsachen entspricht, kann ich es trotzdem nie glauben. Wie konnten sie nur?!
Ich konnte Asta nur bewundern (auch, wenn sie selbst fiktiv ist, gab es doch wirklich Menschen, die bei den Nürnberger Prozessen übersetzt haben), wie kann man bei dieser Arbeit neutral bleiben? Aber es war auch sehr interessant bei ihrer Tätigkeit hinter die Kulissen zu schauen. Und obwohl ich schon so viel vom Inhalt des Buches wusste, war es durch die Protagonistin doch spannend und ich konnte das Buch kaum weglegen, weil ich so vereinnahmt wurde.