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Olga

Roman. Originaltitel: Olga.
Buch (gebunden)
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Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheiter… weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Olga
Autor/en: Bernhard Schlink

ISBN: 3257070152
EAN: 9783257070156
Roman.
Originaltitel: Olga.
Diogenes Verlag AG

12. Januar 2018 - gebunden - 311 Seiten

Beschreibung

Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert - wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.

Portrait

Bernhard Schlink, geboren 1944 bei Bielefeld, ist Jurist und lebt in Berlin und New York. Der 1995 erschienene Roman >Der Vorleser<, 2009 von Stephen Daldry unter dem Titel >The Reader< verfilmt, in über 50 Sprachen übersetzt und mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, begründete seinen schriftstellerischen Weltruhm.
Bewertungen unserer Kunden
Die Witwe einer Generation
von skaramel - 08.02.2018
Bernhard Schlinks Name klingelt noch aus Schulzeiten in meinen Ohren. Damals noch ohne filmische Stütze las ich "Der Vorleser" fast an einem Tag weg und schätzte Schlinks schnörkellose Art und Weise zu Schreiben und dem Leser eine Epoche durch eine Geschichte viel näher zu bringen. Als knapp fünfzehn Jahre später Olga auf dem Nachttisch lag, ging es ähnlich schnell. Schlink erzählt seine Geschichte über eine Waise aus Pommern, die sich durch alle Irrungen und Wirrungen des Lebens zu einer starken, wenn auch undurchsichtigen Person entwickelt. Vielleicht kein Publikumsliebling, aber jede Sturheit, jeder Starrsinn erklärt sich durch ihre Geschichte, die Schlink - in gewohnt guter Art - beschreibt. Olgas Eltern verstarben früh, so dass sie bei der Großmutter aufwuchs. In der Schule und ihrem näheren Umfeld, wächst sie als Außenseiterin auf, die nicht nur bei der Arbeitswahl sondern auch bei den sozialen Kontakten an ihre Grenzen stößt. Nur bei der Familie des Gutsherrn und deren Kindern kann sie sich frei entfalten. Trotz aller Widrigkeiten schafft Olga ihre Ausbildung zur Lehrerin. Die Liebe zu Herbert, dem Sohn des Gutsherrn scheint vor Hindernissen kaum standhalten zu können. Sie die angehende Lehrerin, er der Abenteurer mit der Sehnsucht nach der Ferne. Durch Schlinks Art und Weise die Geschichte in drei Teilen zu erzählen, kriegt der Leser einen unverbesserlichen Eindruck. Nicht, dass er so durch Olga Selbst, durch ihr Ziehkind und durch ihre Briefe an Herbert Olgas Charakter und Leben erklärt, so baut er selbst die Spannungen auf, erklärt und revidiert Entscheidungen. Jeder Teil ist ein kleines Puzzlestück mehr, das Olga, die zunächst harsch, bieder und hart wirkt, liebenswert und nachvollziehbarer macht. Es ist Olga, die ihren Werdegang erzählt, aber es ist Frederik, der ihr Tiefe und Gefühle verleiht und es sind die Briefe, die Olga erklären und als Liebende zeigen. Bernhard Schlink macht also das, was er so kann: Kurze, prägnante Sätze mit Wissen, Geschichte und Stärke zu füllen. Olga ist wahrlich ein dünnes Buch, schnell gelesen - doch trotzdem gefüllt mit viel Potential zum Nachdenken, mit vielen Szenarien, die nachwirken, kleinen Anekdoten, die erst Stunden später nachwirken. Er spannt eine Figur ein, die sich selbst als "Witwe einer Generation" tituliert und einer heutigen Zeit vor Augen führt wie es war zwei Weltkriege zu überleben, sich selbst hintenanzustellen und den Ansichten ihrer engsten Vertrauten kritisch gegenüber zustehen. Sei es die politische Haltung Herberts, der als Freiwilliger der Schutztruppe nach Deutsch-Südwestafrika geht oder auch Eik, der mit der NSDAP sympathisiert. Es sind viele Themen für eine kleine Frau, viele Themen für ein so kleines Buch, doch Schlink gelingt es den Bogen zu spannen und aus Olga mehr zu machen als nur einen kleinen Roman für zwischendurch.
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von Anonym - 14.01.2018
Olga ist wohl das was man im auslaufenden 19. Jahrhundert eine außergewöhnliche Frau nennt. Ihr wird Bildung verweigert, also verschafft sie sich diese in Eigenregie. Vielleicht könnte sie auch ein materiell unbesorgtes Leben führen nachdem sie in Armut aufgewachsen ist, denn es verbindet sie eine Liebesbeziehung zu Herbert, dem Sohn reicher Eltern. Doch nicht nur Herberts Eltern sind gegen eine Beziehung von Olga und Herbert, auch Olgas unangpasster Lebensstil und eine doch gegensätzliche Lebenseinstellung ermöglichen keine Heirat. Der Roman gliedert sich in drei Teile: Im ersten Teil wird uns im Wesentlichen von Olga erzählt. Von ihrer kargen Kindheit, ihrem Drang nach Bildung, ihrem Heranwachsen und ihrer Beziehung zu Herbert. Hier lernen wir Olga recht gut, wenn auch aus einer gewissen Distanz kennen, Herbert jedoch blieb für mich immer eine sehr diffuse Person. Völlig unklar blieb für mich, was das für eine Liebe ist, die Olga und Herbert verbindet. Olgas Leben als Erwachsene nach dem Krieg aus der Sicht eines junngen Mannes: Hier schreitet die Geschichte im Lauftempo voran, (historische) Ereignisse überschlagen sich teilweise, dieser Teil des Romans war schlicht und ergreifend zu kurz. Olgas Briefe an Herbert: Hier nun endlich lese ich das, was in den ersten beiden Teilen so schmerzlich von mir vermisst wurde. Mir kommt Olga nahe, das was sie umtreibt, was sie empfindet. In diesem Teil fügen sich die Olga aus dem ersten Teil und die Olga aus dem zweiten Teil zusammen, so dass Fragen, die im ersten und zweiten Teil offen geblieben sind beantwortet werden. Ich bin sehr gespalten, was meine Meinung zu diesem Buch angeht. Der Roman spielt während eines ganzen Jahrhunderts, in widrigen Zeiten, während zweier Weltkriege. Es wird von unterschiedlichen politischen Ansichten berichtet. Dann haben haben es mit einer interessanten Frauenfigur zu tun, deren Leben und Gedanken es zu entschlüsseln gilt. Und es ist auch noch eine außergewöhnliche Liebesgeschichte. Das alles auf knapp 300 Seiten? So gut das Buch auch geschrieben ist, aber hier wollte Schlink zu viel.
Eine starke Frau
von sommerlese - 03.03.2018
Olga Rinke lebt recht ärmlich bei ihrer Oma in Tilsit, Ostpreußen. Eine höhere Schulbildung wird ihr versagt, Mädchen werden nicht sonderlich gefördert. Also bringt sie sich vieles selber bei und kämpft bis sie Lehrerin ist. Mit den Kindern des Gutsherrn, ihrem besten Freund Herbert und dessen Schwester Viktoria, verlebt sie eine schöne Kindheit, doch als sie sich in Herbert verliebt, stehen die gesellschaftlichen Schranken gegen sie. Herbert zieht hinaus in den Krieg nach Afrika und später in die Arktis. Wird ihre Liebe doch noch siegen? Ich vermisse Dich bei allem, was wir gemeinsam gemacht haben und was ich jetzt alleine mache." Zitat Seite 165 Der Roman besteht aus drei Teilen. Zu Beginn erfahren wir relativ sachlich von Olgas Kindheit und ihrem weiteren Lebensweg, der geprägt ist von ihrer starken Willenskraft und ihrem Ehrgeiz, sich als Frau zu behaupten. Im zweiten Teil erzählt Ferdinand, wie er Olga als Näherin und Hilfe seiner Familie erlebt und gekannt hat. Im dritten Teil zeigen Briefe von Olga an Herbert von ihren starken Gefühlen, ihren Gedanken und unerfüllten Wünschen. Erst jetzt bekommt Olgas Charakter liebenswerte Züge und man kann sich ihr annähern. Dabei ist das Interessante an diesem Buch, wie Bernhard Schlink die historischen Hintergründe geschickt einflechtet und Olgas und Herberts Leben dadurch auf eine ganz andere Ebene gehoben werden. Die Figur der Olga ist eine kluge und menschliche Figur, bescheiden, unabhängig und kritisch und mit einem starken Willen ausgestattet. Aber vor allem lebt sie eine bedingungslose Liebe, die sie zeitlebens nie aufgibt. Herbert ist dagegen ein ruheloser Mensch, der als Soldat im Kolonialkrieg im heutigen Namibia kämpft. Olga ist gegen diesen Kampf und sieht auch später im nationalsozialistischen Deutschland keinen Sinn dahinter. Sie erlebt beide Weltkriege mit, wird vertrieben, findet eine neue Heimat und bleibt sich zeitlebens ihrer Ideale treu. Was anfangs nur als simple Liebesgeschichte erscheint, wird im Verlauf des 2. und 3. Teils immer klarer, fassbarer und immer intensiver und tiefer. Erst dann beginnt man zu ahnen, was hinter dieser Fassade von Olga verborgen blieb. Der Sprachstil des Autors ist genau wie in Der Vorleser in kurzen, aber prägnanten Sätzen gehalten. Trotzdem offenbahrt sich durch die Hintergründe und historischen Beziehungen darin eine Erkenntnis und tiefe Wahrheit, die unter die Haut geht. Beeindruckend durch die starke Frauenfigur, berührend durch die Hoffnung auf Liebe und erhellend durch den geschichtlichen Bezug. Ein Buch zum Nachdenken und zum Nacherleben der jeweiligen Zeitbezüge. Eine Hommage an all die Frauen Deutschlands, die unter dem Verzicht ihrer Hoffnungen gelebt haben.
Sehnsucht nach Größe, Sehnsucht nach Nähe
von jenvo82 - 06.01.2018
Sie sah, dass die Rolle, die sie in Herberts Leben spielte, an die Rolle der Geliebten im Leben eines verheirateten Mannes erinnerte. Der verheiratete Mann lebt in seiner Welt und geht seinen Dingen nach, und gelegentlich spart er aus seinem Leben ein Stück aus und verbringt es mit der Geliebten, die an seiner Welt und seinen Dingen keinen Anteil hat. Aber Herbert war kein verheirateter Mann, es gab keine Frau und keine Kinder, zu denen er zurückgekehrt wäre." Inhalt Am Vorabend des ersten Weltkrieges beginnt die Liebesbeziehung zwischen dem ambitionierten Herbert und der unangepassten Olga. Nachdem sie bereits in Kinderjahren gute Freunde waren, entwickelt sich nun eine echte Liebesbeziehung, die allerdings in Familienkreisen nicht gutgeheißen wird. Für Herbert wäre eine deutsche, tugendhafte Frau, die sich anpasst und ins Familienleben einfügt genau die richtige Partie, doch Olga besucht das Lehrerinnenseminar und meistert ihr Leben sehr konsequent. Auf einen Beschützer ist sie nicht angewiesen. Unbeirrt meistern sie gemeinsam ein Stück des Weges, überzeugt von der Funktionalität ihrer Beziehung und der Echtheit ihrer Liebe. Doch Herbert strebt nach Größerem und kann Olgas Sehnsucht nach Nähe nur spärlich erfüllen. Schon bald ist ihr klar, dass es mit diesem Mann kein normales Familienglück geben wird. Und als Herbert schließlich eine Expedition ins arktische Eis antritt, wird es für Olga immer schwerer, an ein glückliches Ende zu glauben ¿ Meinung Bernhard Schlink, der sich mit seinem beeindruckenden Debütroman "Der Vorleser" in die Herzen der Leserschaft geschrieben hat, greift auch in dieser Erzählung eine sehr ungewöhnliche, definitiv nicht alltägliche Liebesbeziehung auf und seziert sie auf ihre tatsächlichen Bestandteile. Die, je genauer man hinschaut, immer weiter zerfasern und wenig Substanz besitzen, dafür umso mehr Nachhaltigkeit und Beständigkeit. Eine Beziehung, die zwar auf Liebe basiert, in der die Gefühle aber nicht wirklich zum Ausdruck kommen, eine Paarbeziehung, bei der die starken Einzelcharaktere die Weichheit und Freude abschleifen und der es mehr um Durchhalten, als um Zusammenhalten geht. Während Olga die zentrale Figur der Geschichte ist und der Leser sehr genau in ihr Gefühlsleben aber auch in ihren Alltag Einblick gewinnt, bleibt Herbert, der männliche Part eine diffuse, eher blasse Figur, die zwar vom Ehrgeiz zerfressen aber gleichzeitig unfähig ist, eine zwischenmenschliche Beziehung zu führen. Sehr unterschiedlich wirken die beiden Menschen hier, bei denen der Leser nur hin und wieder spürt, warum sie in Liebe zueinander gefunden haben. Meist jedoch fragt man sich, welches Band die beiden tatsächlich miteinander verbinden konnte. Es bleibt ein kleines Mysterium, ein Fragezeichen im Raum und letztlich auch der Grund dafür, warum man als Leser sehr genau wissen möchte, welches Ende diese Liebe nimmt. Der Autor teilt sein Buch in drei Abschnitte, im ersten erzählt Olga von ihrer Liebe zu Herbert und den Schwierigkeiten eines gemeinsamen Alltags, im zweiten erfährt der Leser aus dritter Hand von Olgas Leben nach der Expedition ihres Geliebten und im letzten Teil kann man direkt die Liebesbriefe von Olga an Herbert lesen, die über einen Zeitraum von vielen Jahren schildern, welche Beweggründe die junge Frau für ihre Handlungen hatte und welche Wünsche in ihrer Seele schlummerten. Prinzipiell eine sehr gut gewählte, vielschichtige Perspektive, die hier jedoch etwas unter der Kargheit einer unterkühlten Liebe leidet. Stellenweise kam es mir so vor, die Protagonistin füllt den Raum mit ihrer eigenen Person, weil das Gegenüber schlicht und einfach niemals da ist und die kurzen Momente dieser Liebe nicht reichen, um über Jahrzehnte die gleiche Intensität zu bewahren. Zumindest dieser Punkt wirkt sehr glaubhaft für den Leser. Trotzdem fehlt der Erzählung einiges, um zum Lieblingsroman zu werden. Zunächst ist es die ständige Distanz, nicht nur zwischen den handelnden Personen, sondern auch zwischen dem Leser und der Geschichte an sich. Alles wirkt sehr sachlich, stellenweise zu glatt und trifft stets einen bedauernden Unterton, der kaum unterbrochen wird. Statt Liebe und Zuneigung findet man hier eher eine intellektuelle Auseinandersetzung mit zwei unterschiedlichen Menschen, die sich zwar alles bedeuten aber andererseits auch sehr gut allein leben können. Spürbar wird die Kluft allemal, auch der Wunsch nach Veränderung, im Wechsel mit dem Wunsch nach uneingeschränkter Akzeptanz - und das alles vor einem historischen Hintergrund, der mitnichten nach Verbindung und Lebensgestaltung schreit. Insgesamt wollte mir der Autor hier eindeutig zu viel. Er greift viele Fäden auf, verwebt Historisches mit Persönlichem und bleibt trotzdem irgendwo zwischen Können und Wollen hängen. Letztlich fehlt es mir an Aussagekraft, an einer runden Geschichte, selbst wenn es sich hier um ein Drama handeln sollte, so würde ich nicht einmal das richtig spüren. Erzählerisch mag ich die schlichte, wortschöne Erzählweise des Autors sehr, die Lesestunden vergehen wie im Flug und die Geschichte hat Potential, man ist interessiert und möchte gerne mehr erfahren. Doch letztlich überwiegt diese Ungewissheit, es scheint nur die Abbildung eines Menschenlebens zu sein, wie es eben passiert sein könnte. Jede andere Wendung wäre aber auch denkbar gewesen und so fehlt mir trotz einer schönen Erzählung das gewisse Etwas, vielleicht auch nur die Antwort auf die Frage: "Warum leben wir in Paarbeziehungen, die niemals so werden, wie wir sie erträumen?" Und wenn man schon in einer derartigen Situation ist, so muss es doch möglich sein, mehr Emotionen an die Leserschaft zu transferieren. Fazit Ich vergebe 3,5 (aufgerundet 4) Lesesterne für diesen Roman über unerfüllte Liebe, historische Ausnahmezustände, entschlossene Menschen und dem unabdinglichen Verlauf des Lebens. Vielversprechende Ansätze, deren Ausarbeitung mich nicht immer überzeugen konnte, dafür jedoch ein Buch mit viel Liebe zum schriftstellerischen Handwerk, mit einem unverwechselbaren Generalismus, der sich auf kleine Details ebenso wie auf weltbewegende Veränderungen konzentriert. Mit "Olga" trifft man eine starke Frau, die sich sehr bewusst war, was es heißt zu lieben, ohne gleichermaßen zurückgeliebt zu werden. Und im Nachhinein betrachtet, ist diese Erkenntnis doch ein bitteres Los.
Olga - Geschichte eines Lebens
von MrsAmy - 20.12.2017
Olga - ein Mädchen, das lieber schauen will, als herumzurennen und zu toben. Früh verliert sie ihre Eltern und wird von der preußischen Großmutter ohne Liebe großgezogen. Trost findet sie in der Schule. Bildung, das erkennt sie schnell, ist ihr wichtigstes Gut. So kämpft sie verbissen um ihr Recht zu lernen, kein einfaches Unterfangen im Deutschland der frühen Jahre des 20. Jahrhunderts. Sie bleibt Außenseiterin und lernt bald Herbert kennen und lieben. Er ist der Sohn des Gutshofbesitzers und gehört wie sie ebenfalls nicht dazu. Doch im Gegensatz zu Olga ist Herbert rastlos - egal wie alt er wird. Immerzu muss er rennen und träumt von der endlosen Weite. Ein Paar, wie es gegensätzlicher nicht sein kann und dessen Liebe nur im Verborgenen, zwischen Herberts Expeditionen und Kriegseinsätzen stattfindet. Kann so das Glück aussehen? "Olga" ist der neue große Roman Bernhard Schlinks. Er verwebt darin meisterhaft Erdachtes mit der Realität, denn Herbert hat es wirklich gegeben - sein historisches Vorbild ist Herbert Schröder Stranz, der seinerzeit die Nordostpassage in der Arktis erkunden wollte und sein tollkühnes Unterfangen letztlich mit dem Leben bezahlen musste. Und so wird Olga zum Warten verdammt. Ihr Leben zieht weiter, während Herberts stillsteht. Doch immer wieder kehrt sie in Gedanken zu ihm zurück. Ist ihm verbunden und bleibt ihm treu. Der Roman ist in insgesamt drei Teile gegliedert. Der erste Teil ist wie ein Film, er zeigt uns Olgas Leben bis ins hohe Alter. Der Stil ist schmucklos und doch tief berührend, fast so, wie Olga selbst. Der zweite Teil wird aus der Ich-Perspektive einer männlichen Figur erzählt, dessen junges und mittleres Leben stark von der älteren Olga geprägt wird. Als er sich selbst auf die Spur der Liebe von Olga und Herbert begibt, ist auch er schon in einem höheren Alter. Er beginnt die Suche nach Briefen und Postkarten, die Olga immer wieder postlagernd nach Tromsø geschickt hat, auf das sie Herbert erreichen, auf welche Art und Weise auch immer. Der dritte Teil ist gefüllt mit eben jenen Briefen, sie geben noch einmal einen anderen Blick, einen nahezu intimen Blick auf die Beziehung der beiden frei. Doch "Olga" ist nicht nur eine außergewöhnliche Liebes- und Lebensgeschichte. Es ist auch eine Geschichte darüber, dass uns (überzogene) Träume das Leben stehlen und Bildung ein extrem wichtiges Gut ist, um das es sich zu kämpfen lohnt. Eine gute Botschaft in unserer Zeit, in der Letzteres oftmals als Belastung und nur noch selten als Privileg empfunden wird.
Wald- und Wiesen-Liebe
von Kaffeeelse - 26.04.2018
Ein leise und schlicht geschriebener Roman über ein Mädchen/eine Frau, über ihr Leben und vor allem ihre überbordende Stärke, wenn man bedenkt in welcher Zeit dieses Buch angesiedelt ist. Dieser Roman besteht aus recht kurzen und ruhig erzählten Kapiteln und ist in drei Teile geordnet. Bernhard Schlink erzeugt aber trotzdem, oder gerade deshalb eine starke Anziehungskraft. Im ersten Teil wird Olgas Leben bis zu ihrer Ankunft in der Stadt am Neckar geschildert. Im zweiten Teil schildert Ferdinand, der Sohn der Familie bei der Olga zuletzt nähte, ihr Leben bis zu ihrem Tode. Und im dritten Teil erfährt man den Rest über Briefe, die Olga ihrem Herbert schrieb. Das Buch befasst sich mit der namensgebenden Olga Rinke. Eine starke Frau aus einer Zeit, in der es für Frauen nicht so leicht war, ihr Leben selbst bestimmt zu leben. Die aber einiges schafft, was sicher nicht jede hingekriegt hätte. Es geht um ihr Leben und ihre große Liebe, ihren Herbert. Beide sind Charaktere die anders sind, nicht dazugehören. Olga lebt in ärmlichen Verhältnissen in Breslau, verliert früh ihre Eltern und muss zur lieblosen Großmutter nach Pommern in ein kleines Dorf ziehen. Dort lernt sie dann Herbert kennen, den Sohn des reichsten Mannes im Dorf. Die Beiden machen viel zusammen, treffen sich oft, und nach und nach entsteht eine Liebe und sie kommen sich schließlich näher. Durch ihre Standesunterschiede und die Zeit in der sie leben, wird ihnen aber ein Zusammenkommen erschwert. Olga lernt viel und geht in ein Lehrerinnenseminar und wird auch Lehrerin. Herbert geht zur Armee, hat den Drang nach der Ferne/der Weite/dem Unendlichen, ist sehr rastlos. Geht als erstes nach Deutsch-Südwest, in den Krieg mit den Herero, später noch an viele andere Orte, ist der Getriebene. Zwischenzeitlich treffen sich die Beiden immer wieder, aber zwischen Ihnen fehlt auch etwas, und beide spüren das. Olga mochte, wenn Herbert etwas nicht verstand, nicht erklären, nicht ausdrücken konnte. Er war stark, ließ sich nicht einschüchtern und nicht unterkriegen, und so einen Mann wollte sie. Zugleich wollte sie zu ihrem Mann nicht nur aufschauen, sondern hatte ihm gerne etwas voraus. Aber er musste es nicht wissen und erst recht nicht sich darüber ärgern. Unsere Liebe ist eine Wald-und-Wiesen-Liebe, lachten sie. Sie sah das die Rolle, die sie in Herberts Leben spielte, an die Rolle der Geliebten im Leben eines verheirateten Mannes erinnerte. Der verheiratete Mann lebt in seiner Welt und geht seinen Dingen nach, und gelegentlich spart er aus seinem Leben ein Stück aus und verbringt es mit der Geliebten, die an seiner Welt und seinen Dingen keinen Anteil hat. Aber Herbert war kein verheirateter Mann, es gab keine Frau und keine Kinder, zu denen er zurückgekehrt wäre. Olga wusste, dass er sie liebte und ihr so nahe war, wie er einem anderen Menschen nur sein konnte. Herbert geht schlussendlich auf eine Arktisexpedition. Olga schreibt ihm noch eine lange Zeit postlagernde Briefe hinterher, weil sie ihn nicht vergessen kann/will. Olga, die Hauptperson des Romans ist für mich eine sehr starke Persönlichkeit, die die Widrigkeiten des Lebens tapfer erträgt. Aber auch oft das Ruder selbst übernimmt, was in dieser Zeit damals nicht unbedingt einfach gewesen sein wird. Der Autor schreibt mit wenig Emotion, aber trotzdem entstand diese bei mir beim Lesen doch recht stark. Dieser Roman hat noch einen langen Nachhall.
Eine starke Frau
von sommerlese - 03.03.2018
Olga Rinke lebt recht ärmlich bei ihrer Oma in Tilsit, Ostpreußen. Eine höhere Schulbildung wird ihr versagt, Mädchen werden nicht sonderlich gefördert. Also bringt sie sich vieles selber bei und kämpft bis sie Lehrerin ist. Mit den Kindern des Gutsherrn, ihrem besten Freund Herbert und dessen Schwester Viktoria, verlebt sie eine schöne Kindheit, doch als sie sich in Herbert verliebt, stehen die gesellschaftlichen Schranken gegen sie. Herbert zieht hinaus in den Krieg nach Afrika und später in die Arktis. Wird ihre Liebe doch noch siegen? Ich vermisse Dich bei allem, was wir gemeinsam gemacht haben und was ich jetzt alleine mache." Zitat Seite 165 Der Roman besteht aus drei Teilen. Zu Beginn erfahren wir relativ sachlich von Olgas Kindheit und ihrem weiteren Lebensweg, der geprägt ist von ihrer starken Willenskraft und ihrem Ehrgeiz, sich als Frau zu behaupten. Im zweiten Teil erzählt Ferdinand, wie er Olga als Näherin und Hilfe seiner Familie erlebt und gekannt hat. Im dritten Teil zeigen Briefe von Olga an Herbert von ihren starken Gefühlen, ihren Gedanken und unerfüllten Wünschen. Erst jetzt bekommt Olgas Charakter liebenswerte Züge und man kann sich ihr annähern. Dabei ist das Interessante an diesem Buch, wie Bernhard Schlink die historischen Hintergründe geschickt einflechtet und Olgas und Herberts Leben dadurch auf eine ganz andere Ebene gehoben werden. Die Figur der Olga ist eine kluge und menschliche Figur, bescheiden, unabhängig und kritisch und mit einem starken Willen ausgestattet. Aber vor allem lebt sie eine bedingungslose Liebe, die sie zeitlebens nie aufgibt. Herbert ist dagegen ein ruheloser Mensch, der als Soldat im Kolonialkrieg im heutigen Namibia kämpft. Olga ist gegen diesen Kampf und sieht auch später im nationalsozialistischen Deutschland keinen Sinn dahinter. Sie erlebt beide Weltkriege mit, wird vertrieben, findet eine neue Heimat und bleibt sich zeitlebens ihrer Ideale treu. Was anfangs nur als simple Liebesgeschichte erscheint, wird im Verlauf des 2. und 3. Teils immer klarer, fassbarer und immer intensiver und tiefer. Erst dann beginnt man zu ahnen, was hinter dieser Fassade von Olga verborgen blieb. Der Sprachstil des Autors ist genau wie in Der Vorleser in kurzen, aber prägnanten Sätzen gehalten. Trotzdem offenbahrt sich durch die Hintergründe und historischen Beziehungen darin eine Erkenntnis und tiefe Wahrheit, die unter die Haut geht. Beeindruckend durch die starke Frauenfigur, berührend durch die Hoffnung auf Liebe und erhellend durch den geschichtlichen Bezug. Ein Buch zum Nachdenken und zum Nacherleben der jeweiligen Zeitbezüge. Eine Hommage an all die Frauen Deutschlands, die unter dem Verzicht ihrer Hoffnungen gelebt haben.
Die Witwe einer Generazion?
von Beust - 10.01.2018
Bernhard Schlink kann es mir nicht recht machen. Oder ist es Olga? Jedenfalls hinterlässt die Lektüre von "Olga" bei mir den faden Geschmack eines zu lange offenen Weines: Auch wenn die Idee "Südhang" ist (um im Bild zu bleiben), die Reben erste Wahl und der Winzer ein Könner, ist am Ende das Produkt ein in drei ungleiche Teile zerfallendes Stückwerk. Olga ist Ende des 19. Jahrhunderts geboren, wächst als Waise ungeliebt von der Großmutter bei ebendieser im schlesischen Nirgendwo auf, verbringt die Jugend mit Herbert Schröder, dem Sohn des neureichen Gutsherrn, wird seine Geliebte und heimliche Verlobte, kämpft sich gegen die widrige Rückständigkeit der gestrigen Männerwelt durch höhere Schule, Studium und Schuldienst, verliert Herbert als Arktisforscher im ewigen Eis, um ertaubt als Näherin die Nachkriegszeit am Rhein zu erleben. Hier inspiriert sie den jungen Ferdinand mit ihren Erzählungen vor allem ihres geliebten Herberts in ähnlicher Mentorschaft wie den Jungen Eik in ihrer Lehrerstelle bei Tilsit. Sie stirbt mit einem Knalleffekt, den Schlink uns am Ende des Romans beschert. Wem diese Zusammenfassung zu nüchtern erscheint, der lese den ersten Teil des Romans: Der Tonfall ist ähnlich distanziert, verknappend, deskriptiv. Ich hatte das Gefühl, das Exposé zu einem Roman zu lesen, nicht aber einen Roman. Schlink lässt uns nicht nah an die Figuren heran, weder an Olga noch an Herbert Schröder noch an dessen eifersüchtige Schwester. "Die Angst, schwanger zu werden, können sich Menschen heute nicht vorstellen", lese ich auf Seite 51 und kann es mir auch nicht vorstellen, weil Schlink uns diese Angst nur bezeichnet, aber nicht vorführt. Das ist schade, denn Olgas Leben ist außergewöhnlich, ich hätte gern mit ihr gefühlt. Übrigens ist ihr Herbert auch außergewöhnlich, denn es handelt sich um den tragischen deutschen Arktisforscher Herbert Schröder-Stranz, dessen Leben einen eigenen Roman wert wäre und dessen Schicksal im ewigen Eis vielleicht sogar am Anfang von Schlinks Idee zu "Olga" gestanden haben mag. Aber die Geschichte eines gescheiterten Arktisforschers im Spiegel der zurückbleibenden Geliebten zu schreiben, mag zwar pfiffig sein, bleibt aber eine Arktisforschergeschichte ohne Arktis ¿ Der zweite Teil des Romans wird von Ferdinand bestritten, dem Olga eine Mentorin gewesen ist, indem sie ihm als Näherin in der Familie mit Literatur und den Geschichten aus ihrer Zeit und ihrem Leben eine Richtung gegeben hat. Hier wird Olga zu "Fräulein Rinke", und jetzt erst wird klar, dass der erste Teil Olgas Leben referiert hat, sozusagen wie Ferdinand es sich aus den Erzählungen Fräulein Rinkes zusammengebastelt hat. Ferdinand erzählt nun den letzten Teil von Olgas Leben, den er miterlebt hat. Ferdinand selbst ist zwar der beste Olga-Kenner seit Herberts Tod, aber sein ganzes Leben passt auf die Seiten 168 bis 170: vom Ende des Studiums bis zur Pensionierung. Irgendwie ¿ fad. Im dritten Teil spürt Ferdinand Olgas Leben nach und hebt findig den Schatz ihrer Briefe an den verschollenen Herbert. Diese Briefe bilden den dritten Teil des Buches und schließen die Lücke zwischen der jungen Olga und dem alten Fräulein Rinke. Diese Briefe klingen in dem emotionalen Ton, dem liebevollen Detail und der persönlichen Nähe des Romans, wie ich sie zuvor so vermisst habe. Nun aber werfen sie die Frage auf, wie die drei Olgas eigentlich zusammengehören? Passen sie eigentlich? Will Schlink uns sagen, dass unsere Persönlichkeiten so facettenreich sein können, dass wir einander nie ganz kennen können? Wenn ja, dann habe ich das schon deutlich raffinierter gelesen, wenn nein, dann ist die ganze Figur so eine Art Unfall. Schlink will mit dem Roman, der mehr als ein Jahrhundert überspannt und in seinen Figuren von Bismarck über Wilhelm II., die Nazis, Adenauer bis hin zu Rudi Dutschke berührt, offenbar aber auch große deutsche Fragen klären, womöglich sogar großdeutsche. Olga schreibt über ihr Leben, sie sei nicht Herberts Witwe, nicht die Witwe eines möglichen Heiratsaspiranten unter ihren Kollegen in Tilsit, sondern "die Witwe einer Generation". (S. 289). Das ist dann doch ein wenig zu groß - und zu Großes hat Olga an den Deutschen, den deutschen Männern immer gehasst. Zu recht. Zu große Ideen in einem zu kleinen Roman in drei ungleichen Teilen - das gefällt mir nicht.
Olga
von A.M. - 02.01.2018
Olga verliert sehr früh ihre Eltern und muss zu ihrer Großmutter ziehen, von der sie notgedrungen erzogen wird. Das wissbegierige Mädchen freundet sich mit Viktoria und ihrem Bruder Herbert an, die so wie Olga eher eine Außenseiterrolle innehaben. Mit dem Alter entwickelt sich zwischen Olga und Herbert eine Liebelei, die allerdings immer wieder über einen längeren Zeitraum unterbrochen werden muss. Zum einen, weil Herbert sich verpflichtet hat und zum anderen, weil er viele entfernte und abenteuerliche Reisen unternimmt, die die beiden Liebenden über Monate von einander trennen. Olga bleibt Herbert stets treu und ergeben und konzentriert sich in seiner Abwesenheit vorzugsweise auf ihr Lehramtsstudium und ihren späteren Beruf der Lehrerin. Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges bricht Herbert zu einer waghalsigen Expedition in die Arktis auf und lässt Olga wieder einmal zurück. Die junge Frau bangt Tag und Nacht um ihren Liebsten, schreibt ihm regelmäßig Briefe und muss doch um ihr eigenes Wohl in Kriegszeiten kämpfen. Glücklicherweise überlebt Olga den Krieg, doch eine heimtückische Krankheit fordert ihr Hörvermögen und so muss sie sich beruflich und psychisch umorientieren. Als fähige Näherin lernt sie in einer Familie Ferdinand kennen. Von klein auf bis ins hohe Alter verbringen beide regelmäßig Zeit miteinander und führen anregende Gespräche über die Politik, Geschichte, Kunst, Filme und die Gesellschaft. Auch Olgas große Liebe Herbert kommt zur Sprache. Ferdinand, Olgas engster Vertrauter, ist es schließlich, der sich auf die Suche nach den von Olga an Herbert geschriebenen Briefen macht und so ihm fehlende Informationen zu der Lebens- und Liebesgeschichte einer einzigartigen Frau einholen möchte. Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen, weil es so vielschichtig ist. In den drei Abschnitten lernt der Leser eine starke und mutige Frau kennen und begleitet diese über die Jahrzehnte hinweg, erhält einige geschichtliche Informationen und fühlt mit Olga mit, als sich ihre Liebe in ein Drama umwandelt. "Olga" ist ein tragisches Buch mit viel Gefühl, interessanten Wendungen und voller Liebe einer Frau, die trotz allem nie aufgegeben hat zu lieben.
Olga bleibt sich treu
von denise - 08.02.2018
Das Buch Olga von Bernhard Schlink ist in drei Teile und viele kurze Kapitel unterteilt. Es handelt vom Leben von Olga und dem Wunsch geliebt zu werden. Zunächst ist es die Großmutter, die ihr nicht die gewünscht Liebe geben kann. Dann versuch die Schwester ihres Freundes Herbert sowie seine Eltern die junge Liebe auseinander zu bringen. Auch die Sehnsucht von Herbert nach Freiheit und Raum wirken sich negativ auf Olgas Leben aus. Olga trotz der zwei Klassengesellschaft und tut alles für Ihre Wünsche. Leider stehen ihr auch gesellschaftliche Zwänge im Weg. Sie überlebt zwei Kriege, allerdings hat sie mit den Männern und ihrer Familie wenig Glück. Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben, die verschiedenen Charaktere werden sehr gut dargestellt und der Leser erhält einen tiefen Einblick in das Leben und die Gefühlswelt von Olga. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, allerdings liegt mir die teilweise verwendete ältere Ausdrucksweise nicht, so dass ich dem Buch vier gute Sterne gebe.
Konnte nicht durchgehend fesseln!
von takabayashi - 09.01.2018
Ein Buch, das in drei - recht unterschiedliche - Teile geteilt ist. Im ersten Teil lernen wir die Titelfigur Olga als Kind kennen. Zeit: Irgendwann in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. Sie kommt aus einer armen Familie und wächst zunächst in Breslau, später dann, nach dem frühen Tod der Eltern, bei ihrer Großmutter in Pommern auf. Dort verbindet sie bald eine Freundschaft mit Herbert und Viktoria, den Kindern des wohlhabendsten Mannes des Ortes. Olga und Herbert werden beide ausführlich beschrieben, aber auf eine irgendwie distanzierte Weise. Olga ist extrem lernbegierig und wissensdurstig, Herbert liebt die Weite des Landes, er geht nie, er rennt immer. Die beiden verlieben sich ineinander, aber Herberts Eltern, die Olga in Kindheitstagen als Spielkameradin geduldet hatten, könnten sie nie als Herberts Ehefrau akzeptieren. Außerdem ist Olga sehr beschäftigt damit, ihre Ausbildung zur Lehrerin abzuschließen und Herbert gibt seinem Bewegungsdrang nach und unternimmt Reisen und Expeditionen in unterschiedliche Teile der Welt. Trotzdem verbindet die beiden eine innige Beziehung und sie verbringen so viel Zeit wie möglich miteinander. Am Ende des ersten Teils wird klar, wer der Erzähler ist, nämlich ein Mann, in dessen Familie Olga später als Näherin gearbeitet hat. Damit beginnt der zweite Teil, in dem der Mann - damals noch ein Kind - über seine Beziehung zu Olga (für ihn zuerst noch Fräulein Rinke ) bis zu ihrem Tod als Neunzigjährige berichtet. Er weiß viel über Olga, aber es bleiben doch Geheimnisse, die ihm keine Ruhe lassen. Dann, im dritten Teil, gelingt es ihm, alte Briefe von Olga an Herbert zu finden und nun hören wir endlich Olga selbst sprechen. Dieser Teil ist erheblich emotionaler und die Puzzleteile fügen sich für den Leser zusammen. Natürlich kann Bernhard Schlink gut schreiben, keine Frage. Aber obwohl es sich um durchaus interessante Lebensgeschichten vor dem Hintergrund von fast 100 Jahren deutscher Geschichte handelt, kamen die Figuren mir nicht nahe. Dies ist kein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte, im Gegenteil, beim Mittelteil habe ich irgendwann eine Pause eingelegt und zwischendurch einen Krimi gelesen ... Erst im letzten Teil des Romans wurde ich emotional involviert, da hat mich das Buch gepackt, und ich konnte Anteil nehmen am Schicksal dieser Frau. Der Roman ist nicht schlecht, aber insgesamt doch etwas unbefriedigend.
Eine Liebeserklärung an starke Frauen!
von Connie Ruoff - 04.04.2018
"Olga" von Bernhard Schlink 2. Zum Inhalt Bernhard Schlink gehört zu meinen Lieblingsautoren und ich habe mich sehr auf den neuen Roman "Olga" gefreut. Der Roman ist dreigeteilt. Der erste Teil wird aus der Perspektive eines allwissenden (auktorialen) Erzählers geschrieben und schildert Olgas Leben bis zu ihrer Flucht. Der Autor beschreibt mit wenigen nüchternen Worten, geradezu wohltemperiert das Geschehen. Olga ist eine Frau, Autodidaktin, die immer auf sich selbst gestellt war und ist. Herbert bildet dazu eine Kulisse, die nichts mit dem Alltag zu tun hat. Es sind gemeinsame Stunden, die der Liebe und nicht der Auseinandersetzung miteinander dienen. Allerdings nehmen Herbert und das Leben ihr oft die Entscheidungskompetenz ab und sie kann nur noch das Beste in der Situation suchen. Im zweiten Teil stellt uns Ferdinand Olga aus seiner Perspektive vor, so wie er sie kannte. Bernhard Schlink liebt starke Frauen. Er beweist es immer wieder. Wie schon in "Der Vorleser" sehen wir hier einen jungen Mann, der eine große Nähe und Bewunderung zu einer älteren Frau empfindet. Wenngleich in der Beziehung zu Olga die erotische Komponente fehlt. Dennoch ist es eine prägende Beziehung. Besonders gut gefallen mir folgende Worte des Autors: "Meine Großeltern waren gestorben, bei denen ich die glücklichsten Ferien verbracht hatte. In meinem Leben war ein Platz frei." Olga S. 138 Der dritte Teil besteht aus Olgas Briefen an Herbert. Um welche Fragen geht es? Bernhard Brink zeigt mit Olgas Leben, eine erzählte Zeit von über 90 Jahren. Er zeigt auch, wie diese Zeit den Menschen prägte. Der Kolonialismus,  Nationalsozialismus, die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der Frau sind nur drei Themen daraus und natürlich geht es, wie bei fast allen Büchern von Schlink, um die Frage der Schuld. Es ist aber auch ein Buch, das sehr viel Mut macht oder mit meinen eigenen Worten: Du bist selbst deines Glückes Schmied. Wenn du etwas mit aller Kraft möchtest, erreichst du es auch. 5/5 Punkten 3. Protagonisten Olga ist eine Frau, die etwas im Leben erreichen möchte.  Sie kämpft mit aller Kraft, um die Ausbildung zur Lehrerin. Sie liebt Herbert, erkennt aber zugleich, dass er ein Träumer und ein Suchender ist, der mit dem Erreichten nie zufrieden sein wird. Dasselbe denkt sie über Deutschland und den deutschen Mann . Olga ist aber zugleich auch sehr unerbittlich und verbannt Eik, wegen seiner nationalsozialistischen Gesinnung und seinem Festhalten daran, aus ihrem Leben. Sie ist traurig darüber, dass sie ihm nicht vermitteln konnte, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie schreibt Herbert regelmäßig Briefe, in denen sie ihre Entscheidungen begründet und erklärt. Es ist für sie nicht wichtig, dass Herbert tot ist und die Briefe niemals ihren Adressaten erreichen. Es ist für sie persönlich eine Aufarbeitung ihres Lebens. Durch einen letzten Paukenschlag begehrt sie noch einmal gegen das Schicksal auf und der Kreis schließt sich. Auch Bernhard Schlink schließt durch Ferdinands Begegnung mit Adelheid den Kreis. 5/5 Punkten 4. Sprachliche Gestaltung Bernhard Schlink schreibt nüchtern und dennoch mit Metaphern durchzogen. Er zeigt Eckpunkte, die der Leser selbst mit Inhalten füllt. 5/5 Punkten 5. Weiterführende Links Lesereise Bernhard Schlink Hörprobe Weitere Informationen und Leseprobe bei Diogenes.  6. Cover und äußere Erscheinung "Olga" von Bernhard Schlink hat 320 Seiten, einen festen Einband und ist am 12.01.2018 unter der ISBN 9783257070156 bei Diogenes im Genre Romane erschienen. Das Buch hat eine leserfreundliche Größe und das integrierte rote Lesezeichenband. Also das perfekte Mitnahmebuch. Der Schutzumschlag zeigt einen Ausschnitt des Ölgemäldes von "A Dark Pool" von Laura Knight. Das Motiv gefällt mir gut. Die Weite des Meeres und die Frau auf den Felsen, die bodenständig zuschaut. 5/5 Punkten 6. Fazit Bernhard Schlink hat Olga, und somit vielen Frauen aus dieser Generation, die in ihrer Rolle als Frau, männliche Aufgaben übernehmen mussten, aber keineswegs die entsprechende Anerkennung erhielten; Frauen denen eine akademische Bildung aufgrund ihres Geschlechts versagt wurde. Ich hätte Olga gerne kennengelernt. Olga, die kühl Frederik als langweilig bezeichnet und vernarrt Herberts Träumereien nachsieht. Eine Olga, die selbst nur am Ende ihres Lebens vom "richtigen Weg" abweicht und sich dennoch nie verbiegt. Sie bleibt sich immer treu. Eine starke Frau! Für mich eines der beeindruckendsten Bücher, die ich bislang gelesen habe. Leseempfehlung Ich bedanke mit herzlich beim Diogenes Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.
Olgas Entscheidung
von Bibliomarie - 20.01.2018
Olga weiß schon sehr früh, was sie im Leben erreichen möchte, egal welche Schwierigkeiten das Schicksal ihr auch beschert. Früh zur Waise geworden, lebt sie bei einer gefühlskalten Großmutter, die dem Kind keine Zuneigung zeigen kann. Mit unglaublicher Energie und Willenskraft gelingt ihr trotz vieler Widerstände die Ausbildung zur Lehrerin. Schon als Kind freundet sie sich mit den Geschwistern vom Gutshof an, obwohl Viktoria die Standesunterschiede sehr betont, aber mit Herbert verbindet sie bald mehr. Ihre Liebe überdauert die Kinder- und Jugendzeit und findet doch nie eine echte Erfüllung, denn Herbert kann und will sich nicht über die elterliche Ablehnung dieser Verbindung hinwegsetzen. Auch Pommern ist ihm zu eng, er sucht das Abenteuer, die Weite, die Entdeckung der Welt. Wenn Herbert auf Schwierigkeiten stößt, dann flieht er, denn anders kann ich seine Reisen nicht interpretieren. Er liebt Olga, aber es macht ihm auch nichts aus, monate- ja jahrelang fernzubleiben und seine Liebe aus der Ferne zu leben. Ein interessantes Zitat auch auf Seite 80: "Nichts was er geben konnte, versagte er ihr. Was sie vermisste, war er zu geben nicht fähig." Schon nach einigen Seiten fällt der Ton des Erzählens auf. Eine unaufgeregte, zurückhaltende Stimme aus dem Hintergrund, die Olga und Herberts Geschichte erzählt. Das liest sich leicht, aber manchmal auch zu beschaulich und fast eintönig. Erst im zweiten Teil bekommt der Erzähler Kontur. Es ist Ferdinand, ein stiller Pastorenjunge, der mit der alten Olga, die inzwischen nach zwei Kriegen und Vertreibung im Westen der jungen Republik lebt, Freundschaft schließt. Der dritte Teil des Romans gibt dann auch Olga eine Stimme, Briefe die sie an ihre Liebe Herbert schreibt. Mir gefällt die Hauptfigur, eine starke Frau, lebensklug und intelligent, die sich nie von äußeren Umständen beeindrucken lässt und in ihren Lebensentscheidungen erstaunlich souverän ist. Ich habe das Buch von Bernhard Schlink gern gelesen, aber es fehlte mir das gewisse Etwas. Ich möchte es nicht auf fehlende Spannung oder Dramatik reduzieren, aber der Ton des Romans war mir - wie schon gesagt - zu beschaulich.
Liebe und Leben zwischen wirklichkeit
von Kirsten - 17.12.2017
Durch Irrwege in die Liebe  Das Mädchen Olga kommt aus einer armen Familie, in der sie schnell Lernen musste das Mädchen keine Chance auf eine gute Berufung haben und die Eltern es nicht für nötig halten das Olga eine gute Bildung erhält. Auf der anderen Seite ein Junge Herbert, der aus einer reichen Wohlhabende Familie kommt und eine gute schulausbildung erhält. Eines Tages beschließt Olga das sie mehr will als nur eine normale Ausbildung in der Schule. Eine Lehrerin erklärt sich bereit ihr alle das Wissen für die Mädchenschule zu geben damit sie die Internatsprüfufng besteht. Dadurch lernte sie auch Herbert kennen, er geht mit sein Hund immer spazieren und sie lernt in den Wäldern damit es keiner rausfinden. Monate vergehen und der Schnee kommt.. Herbert fragt nach jeden Treffen immer andere merkwürdige Fragen, sie fand dies hohl, trotzdem war sie in ihn verliebt. Auch wenn sie sich so lange kannten, ließen sie sich damit Zeit miteinander zu schlafen. Dies nicht, aber schmusen und entdecken fahren sie ohne Ende. Das Jahr vergeht..  Die Autorin verdeutlicht sehr genau in den Buch wie es ist, zwei ganz unterschiedliche Familien zu haben. Die eine etwas Wohlhabender und die andere die keinen Wert auf eine Schulbildung der Mädchen liegt. Trotzdem versucht sie die beiden Familien auf eine Liebe des jungen paars Olga und Herbert zubassieren. Hier wird deutlich das beide Kinder es nicht einfach haben, Olga die mittels ist und Herbert entgegen darf schöne Tanzbälle besuchen und in der erste Reihe sitzen. Die abtrennung wird hier von der Autorin deutlich dargestellt, trotzdem versucht sie aber auch durch eine Liebe auf Irrewegen eine Zusammenführung zu finden. Das Buch beginnt ohne ein Vorwort, es startet gleich mit einzelnen Kapitel dir durch Zahlen gekennzeichnet sind. Die Kapitel bestehen nur aus 2-3Seiten, ein Rythmus. Der Schreibstil ist schlicht gehalten, ohne Auffälligkeiten. Die Zeilen verfasst sie voller Lebenslust der beiden Menschen die sich Lieben, aber auch mit Spannung durch die Hindernisse der unterschiedlichen Familien.  Hauptcharakter  Olga ist eine sehr starke Frau die weiß was sie will, die Autorin bringt sie auf den Punkt zum Vorschein. In ihr finde ich mich wieder, dadurch das sie willensstark ist zu Lernen, weiß sie ganz genau das sie das erreicht was sie schaffen will- Prüfung mit 1 bestehen. Zudem kann sie sich von ihre Tante los reißen und geht ihren Weg als Lehrerin alleine. Besonders stark zeigt sie sich in ihrer Liebe, sie gibt Herbert nicht auf trotz das sie sich so selten sehen. Sie glaubt ganz stark daran das sie es schaffen, hingegen Herbert ein paar Zweifel hat. Herbert der andere Hauptcharakter ist eher der ruhige, der viele Fragen stellt die er beantwortet haben möchte. Er lässt sich nicht beeinflußen von seiner Familie was Olga betrifft- Er zeigt sich stark in seiner Persönlichkeit und steht zu der großen Liebe. Leider plagen Ihn Zweifel ob das alles so klappt, zeitweilig sehen sie sich sehr selten. Trotzdem macht er seine versprechen war und versucht sie oft zu besuchen. Er hält an der Liebe fest. Beide sind ganz verschiedene Charaktere, aber durch die Liebe kann sie nicht trennen - zumindest die ersten paar Jahre.  Nebencharakter  Viktoria eine verwandte von Herbert, versucht dauert Herbert wegen Olga zu beeinflussen. Sie ist neidisch und kann nicht sehen wie Glücklich er ist. Sie wird durch die Autorin nur kurz dargestellt, aber als hinterhältig und flink diese Beziehung nicht zu akzeptieren. An Tag eines Festes macht sie einen auf Traurig mit Tränen damit Herbert nicht zu Olga geht, durch Olga die kauf ihn ein redet, macht er der Familie eine Freude und Viktoria bekommt ihren Willen. Danach wird sie nicht weiter zum Wort kommen.  Mein Fazit, das Buch hat ganz viele starke Persönlichkeiten in den ich mich wieder finde, alleine durch Olga und das Lernen. Viele Geschichten von früher sind nicht so spannend, langweilig verfasst. Das Buch bekommt durch die kleinen Kapitel und durch das Aussage kräftige Liebespaar einen starken Ausdruck. Man muss es gelesen haben, wenn man Romane gerne liesst, auch gerne mal auf eine andere Art der Romane.
Ein interessantes Leben
von Buecherfreund - 11.01.2018
Olga kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Sie ist ein besonderes Kind, das sich nicht mit den anderen Kindern vergleicht und ihren eigenen Weg geht. Als sie Herbert kennen lernt, findet sie einen Seelenverwandten. Als sie älter werden, wird aus ihrer Freundschaft Liebe. Doch Herbert ist ein Abenteurer und immer auf Reisen, während Olga ehrgeizig ihre Schul- und Berufslaufbahn verfolgt. Die beiden sehen sich nur selten und halten über Briefe Kontakt. Von einer seiner Expeditionen in die Arktis kommt Herbert nicht wieder. Doch Olga schreibt ihm weiterhin, obwohl sie nicht weiß, ob ihre Briefe ihn jemals erreichen werden. Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Während im ersten und zweiten Teil ihre Lebensgeschicht ein chronologischer Weise erzählt wird, gibt es im dritten Teil eine unerwartete Wendung und einen Bruch in der Erzählweise. Der dritte Teil besteht fast ausschließlich aus den Briefen, die Olga geschrieben hat. Durch diese Briefe erfährt der Leser, was wirklich passiert ist. Dadurch dass Olga ihre tiefsten Gedanken und Gefühle niederschreibt, ist dieser Teil sehr emotional. Man kommt sehr nach an Olga ran und kann ihr früheres Handeln besser nachvollziehen. Dieser Teil hat mir am besten gefallen. Insgesamt lässt sich das Buch gut lesen. Durch die Frage, was aus Olga nach all den Schicksalsschlägen werden wird, was mit Herbert passiert ist und ob er jemals zurückkommen wird, bleibt das Buch bis zum Ende hin spannend. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen und kann es nur weiterempfehlen.
Eine Frau die kämpft
von Ele - 18.02.2018
Olga, Roman von Bernhard Schlink, 320 Seiten, erschienen im Diogenes Verlag. Die Geschichte der Liebe von Herbert und Olga, im Hintergrund von annähernd 100 Jahren deutscher Geschichte. Die Waise Olga kommt Ende des 19. Jahrhunderts zu ihrer Großmutter nach Pommern. Dort verliebt sie sich in Herbert, den Sohn eines Gutsbesitzers. Doch ihre Liebe trifft auf Widerstand von Herberts Schwester und seinen Eltern. Olga will im Leben etwas erreichen und wird Lehrerin. Herbert sucht währenddessen Abenteuer, fremde Länder und Heldentum. Für Deutschland will er die Arktis erobern, aber seine Expedition scheitert. Wird Olga Herbert jemals wiedersehen? Das Buch ist aufgeteilt in 3 Teile. Kindheit und Jugend bis zum Ende des 2. Weltkriegs beinhaltet den ersten Teil. Die Geschichte beginnt wenig spannend und der Spannungsbogen bleibt flach. Hölzern und emotionslos beschreibt Schlinck, Olgas Streben nach Wissen, Herberts Suche nach der Weite und wie er sich von der Großmannssucht des Kaiserreiches anstecken lässt. Nichts was er geben konnte versagte er ihr. Was sie vermisste, war er zu geben nicht fähig. Im Hauptteil erlebt der Leser Olga als ertaubte ältere Frau, weshalb sie als Lehrerin nicht mehr arbeiten kann. Die nach den Kriegen, im Westen bei einer Familie als Näherin unterkommt. Dort befreundet sie sich mit Ferdinand dem jüngsten Sohn der Familie. Diese Freundschaft und Verbundenheit bleibt bis zum Tod Olgas und darüber hinaus bestehen. Dieser Teil, war für mich eher langweilig und ich habe das Buch immer wieder zur Seite gelegt. Auch die Liebesgeschichte fand ich nicht besonders romantisch. Der 3. Teil, m. M. nach der beste, zeigt wie Olga wirklich war. Bis dahin dachte ich Olga ist "nur" eine starke Frau, die alle Schicksalsschläge, Enttäuschungen und Verluste stoisch über sich ergehen lässt. Erst durch ihre Briefe erfährt der Leser von ihrem Leid und über ihr Unglück. Dieser Teil versöhnte mich durch überraschende Wendungen wieder etwas mit der Geschichte. Die Protagonistin war meine Lieblingsfigur in der Erzählung. Ihre Entwicklung von Kind bis zur reifen Frau faszinierte mich. Olga eine beeindruckende starke Frau, die immer wusste was sie will und sich von Nichts und Niemand selbst von ihrer Krankheit nicht aus der Bahn werfen lässt. Ferdinands Verhalten konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen. Der, nur um an die verschollene Briefe einer "guten Bekannten" zu kommen, nach Norwegen reist und auch noch Unsummen dafür ausgibt. Allen anderen Figuren fehlte es an Charaktertiefe, sie blieben stets blass für mich, selbst Herberts Beweggründe konnte ich nicht nachvollziehen, es hätten mich z.B. auch Viktorias Intrigen brennend interessiert. Insgesamt ein mäßig unterhaltsamer Schicksalsroman mit historischem Hintergrund, Schlink konnte damit an sein Werk "der Vorleser" m.E. nicht anknüpfen. Geeignet für Leser die sich für Schlinks Werke, bzw. Romane dieses Genres begeistern können. Von mir dafür 3 Sterne.
Was für eine Frau!
von Marosch - 15.01.2018
Schon mit dem ersten Satz ist man mitten im Leben von Olga. Detailliert und dennoch zügig beschreibt Bernhard Schlink die Umstände, unter denen Olga aufwächst: die Eltern, die wenig mit Olga sprechen, die Nachbarin, die sich um Olga kümmert und von der Olga vieles lernt, die Armut. Nach dem Tod der Eltern muss Olga von Breslau zu ihrer Großmutter nach Pommern ziehen. Hier erfährt Olga wenig Herzenswärme und Unterstützung und lernt früh, dass sie für sich selbst sorgen muss. Im Dorf lernt sie Herbert und seine Schwester Viktoria kennen, die Kinder des Gutsbesitzers. Herbert ist das genaue Gegenteil von Olga: während Olga oft steht und schaut, bewegt sich Herbert laufend durchs Leben. Trotz ihrer Verschiedenheit verlieben sich Herbert und Olga ineinander und werden ein Paar. Nach der Schule ist es Olgas größter Wunsch Lehrerin zu werden und dank ihres Fleißes und ihrer Hartnäckigkeit schafft die das auch. Herbert reist hingegen durch die Welt, immer auf der Suche nach neuen Abenteuern und Herausforderungen. Die beiden sehen sich nur selten und genießen die raren gemeinsamen Momente. Von einer Expedition kehrt Herbert dann nicht mehr zurück. Olga glaubt immer an die Rückkehr Ihres "Mannes", führt aber dennoch ihr Leben so gut wie möglich weiter. Als sie ihr Gehör verliert und nicht länger als Lehrerin arbeiten kann, beginnt die als Näherin ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So kommt sie auch in die Familie des Erzählers Ferdinand. Über ihn und seine Beziehung zu Olga erfährt der Leser im zweiten Teil des Buchs. Für Ferdinand ist Olga eine wichtige Bezugsperson, die fürsorglich und liebevoll in seiner Kindheit für ihn da ist und im Verlauf seines Lebens eine wichtige Freundin für ihn wird, mit der er viel gemeinsam unternimmt. Für Ferdinand ist es ein Schock, als Olga an den Verletzungen, die sie bei einer Explosion erleidet, stirbt. Im Nachlass von Olga stößt Ferdinand auf einen Stapel Briefe, die Olga Herbert jahrelang postlagernd nach Norwegen geschickt hat. Der dritte Teil des Buchs gibt den Inhalt dieser persönlichen Briefe wieder und der Leser erfährt, warum Olga Zeit ihres Lebens mit Herbert verbunden war. Der Roman ist gekennzeichnet durch die verschiedenen Erzählweisen in den drei Teilen: detailliert und nüchtern im ersten Teil, so dass der Leser eine gewisse Distanz zu Olga und ihrer Geschichte erfährt. Durch die persönliche Sichtweise des Erzählers im zweiten Teil wird Olga einem vertrauter, was im dritten Teil durch die Schilderung der Ereignisse aus Olgas Sicht noch verstärkt wird. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich mag Olga, die von Anfang an sehr zielstrebig ihr Leben führt und sich nie unterkriegen lässt - egal welche Schwierigkeiten sich ihr in den Weg stellen. Sie macht immer das beste aus allem.
Das nächste Meisterwerk von Bernhard Schlink
von Danion - 21.01.2018
Meine Entdeckung von Bernhard Schlink fing 2010 mit dem Roman "Der Vorleser" an, der eines der ersten deutschsprachigen Büchern im Original war, das ich gelesen hatte, und der bis heute zu meinen Lieblingsbüchern gehört. So waren die Erwartungen an "Olga" sehr groß. Ich liebte den Schreibstil dieses Autors, die Gedankentiefe und das Dramatische, was klug formuliert den Leser zutiefst trifft. Als ich anfing, "Olga" zu lesen, war ich nicht begeistert. Die beiden Hauptfiguren entwickelten sich auf den Seiten, aber die Handlung war mir ein bisschen zu trocken, zu linear. Außerdem suchte ich nach den Emotionen, die in mir "Der Vorleser" vor knapp 8 Jahren ausgelöst hatte. Und ich fand sie, allerdings erst im zweiten Drittel des Romans. Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil erfährt der Leser die Geschichte der beiden Hauptprotagonisten: Olga, die schon als Kind durch ihre Fähigkeit auffällt, zu beobachten, das Mädchen, das sich zu einer weisen Frau entwickelt, die am Ende ihres Lebens feststellen muss, sich nie geliebt gefühlt zu haben. Und dann Herbert, der schon bei seinen ersten Schritten versucht zu rennen, was sein ganzes Leben charakterisiert: ein ständiges Rennen, ohne klares Ziel, ein Rennen ins Nichts, ein Wegrennen, das Olga so unglücklich macht. Die beiden sind ein Paar, ohne es sein zu dürfen, ohne es sein zu können. Ein Paar ohne Zukunft. Weil Herbert weiter rennen muss, weil es ihn ständig in die Ferne zieht. Im zweiten Teil lernen wir Olga als eine reife Frau kennen, die die beiden Weltkriege überlebt hatte, die allein lebt und immer noch innig auf ihren Herbert wartet. Ihre Liebe schenkt sie nun Ferdinand, einem Jungen, in dessen Familie sie als Näherin arbeitet und sich allmählich zum Familienmitglied entwickelt. Sie versucht, die besten Eigenschaften in Ferdinand zu fördern und ihn von dem Unsinn abzuhalten, der ihren Herbert und später ihren Schüler (eigentlich mehr als nur Schüler - das Geheimnis wird später gelüftet) Eik ins Verderben führt. Gerade in diesem Teil kommen immer wieder Sätze vor, die mich mit ihrer Aussagekraft besonders beeindruckt hatten, Sätze, die man als Aphorismen benutzen könnte. Die Weisheiten des Lebens, die Olga aus ihrer eigenen Erfahrung formuliert. So wie zum Beispiel "Das Leben ist eine Kette von Verlusten, und man muss beizeiten lernen, seinen Frieden damit zu machen". In diesem Teil findet sich auch mein persönlicher emotionaler Höhepunkt - der Tod von Olga. Als hätte ich sie gekannt, als wäre ich Ferdinand, so lebendig wurde für mich die Hauptfigur des Romas. Im dritten Teil darf der Leser einen Einblick in Olgas Briefe an Herbert bekommen, die der Empfänger nie gelesen hatte. In diesen Briefen offenbaren sich noch ein paar Geheimnisse, die die Bewunderung für diese Frau noch weiter hochtreiben. Eine richtig faszinierende Lebensgeschichte und eine unglaublich beeindruckende Figur. Mit "Olga" hat Bernhard Schlink ein weiteres Meisterwerk geschaffen, das bereits seinen Ehrenplatz im Regal meiner Lieblingsbücher eingenommen hat.
Olga
von Birgit Becker - 12.01.2018
Die Aufmachung des Buches ist eher schlicht. An der Aufmachung des Buches erkennt man sofort den Verlag. Das Cover gefällt mir sehr gut, ich liebe das Meer. Das Buch ist in 3 Teile gegliedert. Erzählt wird das Leben von Olga und Herbert am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben beginnt in unterschiedlichen Familien. Olga kommt aus ärmlichen Verhältnissen, während Herbert ein reiches Elternhaus hat. Trotz dieser Unterschiede werden sie Freunde. Das Leben der beiden ist mit viel Geschichte gespickt, Herr Schlink hätte manche Passagen besser heraus arbeiten können, meist wird alles nur kurz angerissen. Der Schreibstil gefällt mit sehr gut. Kurze Sätze und eine einfache Sprache passen gut in die Zeit der Protagonisten. Die Kapitel sind recht kurz, sodass schnell die Perspektive wechselt, was das Buch auflockert. Schön zu lesen, wenn man wenig Zeit hat und das Buch schnell wieder weglegen muss.
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von Gisela Block - 14.02.2018
Wieder einmal beweist Bernhard Schlink, dass er zu den bedeutendsten Erzählern Deutschlands gehört. Und mit Olga hat er wieder einen ganz wunderbaren Roman vorgelegt. Der Leser begleitet Olga von Kindheit an, vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts, auch aus der Sicht eines jungen Mannes, den Olga als Kind betreute. Ein so liebenswertes Porträt und hinreissendes Buch! Unbedingte Leseempfehlung!
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