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Etwas Seltenes überhaupt

Erinnerungen. Mit zahlreichen Fotografien und Faksimiles. 21.
Buch (gebunden)
"Etwas Seltenes überhaupt" nannte der Journalist Rudolf Olden Gabriele Tergit, die mit ihrem Roman "Kasebier erobert den Kurfürstendamm" berühmt wurde. Zweifelsfrei gehort sie zu den bemerkenswertesten und mutigsten Frauen des 20. Jahrhunderts. Als e … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Etwas Seltenes überhaupt
Autor/en: Gabriele Tergit

ISBN: 3895614920
EAN: 9783895614927
Erinnerungen.
Mit zahlreichen Fotografien und Faksimiles.
21.
Herausgegeben von Nicole Henneberg
Schoeffling + Co.

22. Mai 2018 - gebunden - 417 Seiten

Beschreibung

"Etwas Seltenes überhaupt" nannte der Journalist Rudolf Olden Gabriele Tergit, die mit ihrem Roman "Kasebier erobert den Kurfürstendamm" berühmt wurde. Zweifelsfrei gehort sie zu den bemerkenswertesten und mutigsten Frauen des 20. Jahrhunderts. Als erste weibliche Gerichtsreporterin der Weimarer Republik machte sie anhand scheinbar unbedeutender Falle auf die großen Problematiken ihrer Epoche aufmerksam. Aus der Position einer sozialkritischen Beobachterin heraus beschrieb sie die Gewalt und den zunehmenden Einfluss der Nationalsozialisten. Diese setzten Gabriele Tergit ganz oben auf die Liste politischer Gegner, was sie schließlich, nachdem sie in der Nacht ihres 39. Geburtstags von einem SA-Trupp bedroht wurde, zur Flucht aus Deutschland zwang.

Ihr zweiter Roman "Effingers", der das Schicksal einer jüdischen Familie in Berlin schildert, erschien im Jahr 1951. Eine Sammlung ihrer Gerichtsreportagen wurde erst posthum publiziert, ebenso ihre eindrücklichen Erinnerungen "Etwas Seltenes überhaupt". Diese erschienen erstmals ein Jahr nach ihrem Tod - und nun in einer lang erwarteten, von Nicole Henneberg neu edierten und mit einem Nachwort versehenen Neuausgabe.

Portrait

Gabriele Tergit (1894 1982), Journalistin und Schriftstellerin, wurde durch ihre Gerichtsreportagen bekannt. Sie schrieb drei Romane, zahlreiche Feuilletons und Reportagen sowie posthum veröffentlichte Erinnerungen. Im November 1933 emigrierte sie nach Palästina, 1938 zog sie mit ihrem Mann nach London. Dort wählte sie 1957 das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland zum Sekretär, ein Amt, das sie bis 1981 innehatte.

Nicole Henneberg, geboren 1955 in Hof, Studium der Komparatistik und Philosophie in Berlin und Paris, schreibt als freie Autorin und Literaturkritikerin für Zeitungen und Zeitschriften, u. a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und den Berliner Tagesspiegel. Außerdem verfasste sie mit Fred Oberhauser den 'Literarischen Führer Berlin'.

Pressestimmen

"Keine deutschsprachige Journalistin der 20er Jahre beobachtete genauer und formulierte treffender... Ein weiblicher Alfred Polgar - nur leidenschaftlicher."
Michael Bauer, Focus

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 17.06.2018

Aus den Tempojahren

Gabriele Tergit war die erste Gerichtsreporterin der Weimarer Republik. Floh vor Hitler, kehrte zurück, schrieb mit. Ihre Erinnerungen erscheinen jetzt neu: ein lebendiges Buch von gestern

Die Viktoriastraße am Berliner Tiergarten gibt es nicht mehr. Wo sie einmal verlief, am Potsdamer Platz, steht heute die Philharmonie. Bis zum Zweiten Weltkrieg aber stand dort, in dieser feinen Gegend von Berlin, das Haus der Großeltern des Architekten Heinz Reifenberg. Dessen Frau Gabriele Tergit war in der Weimarer Republik zur Berühmtheit geworden. Sie schrieb, als erste Frau überhaupt, Gerichtsreportagen für Theodor Wolffs "Berliner Tageblatt", dann einen echten Bestseller, "Käsebier erobert den Kurfürstendamm" - und nach dem Krieg, da lebte die Exilantin Gabriele Tergit in London, noch einen Roman: "Effingers". Er handelt von einer jüdischen Handwerkerfamilie zwischen Kaiserreich und Nazizeit - und spielt in jenem Haus an der Viktoriastraße, die es nicht mehr gibt. Genau wie das Haus. Genau wie so viele, viele jüdische Familien, ausgelöscht im Holocaust.

"Etwas Seltenes überhaupt" hat Gabriele Tergit ihre Erinnerungen genannt, die jetzt erstmals ungekürzt erscheinen. Bücher wie dieses machen wieder sichtbar, was verschwunden ist. Oder langsam verschwindet aus dem kollektiven Gedächtnis: weil die Zeitzeugen, die noch auf der Viktoriastraße spaziert sind, die noch erlebt haben, wie Braunhemden prügelnd durch die Straßen zogen, wie Nachbarn abgeholt und deportiert wurden, immer älter werden. Wenn sie denn noch am Leben sind. Die Zeitzeugen sterben.

Deswegen sind Erinnerungsbücher wie das von Gabriele Tergit, die von enormer Unmittelbarkeit und Lebendigkeit sind, weil kleinster Alltag und größte Politik hier aufeinanderprallen, so notwendig. 1983, im Jahr nach ihrem Tod, hatte der Ullstein-Verlag noch eine inhaltlich und stilistische stark bearbeitete Ausgabe dieser Erinnerungen herausgebracht. Das Buch, das man jetzt lesen kann, spricht den unverfälschten Ton, sachliche Fehler und Verwechslungen hat die Herausgeberin Nicole Henneberg stehengelassen, aber im Anhang korrigiert. Eine kluge Entscheidung. Denn sie verstärkt, beim Lesen, nur den Eindruck nächster Nähe zur Autorin, die nicht etwa hastig oder flüchtig schreibt, die aber das Zuviel dieser größte Katastrophe der deutschen Geschichte aufzeichnen will, so hautnah es geht. So verwoben die Erzählerin mit den Ereignissen ist, so verwoben ist der Text mit diesen Ereignissen. Das macht die Lektüre zum Sog, das, was man den Puls der Zeit nennt, schlägt auch in diesem Buch.

Tergit, geboren 1894 als Elise Hirschmann, kann nach der Machtergreifung Hitlers 1933 über Prag nach Palästina, dann nach London fliehen. Und wie viel sie erlebt, wie viel sie registrieren muss, verstehen muss, wie viel da gleichzeitig geschieht, das fängt der Text in eleganter Atemlosigkeit auf. Von einer Anekdote geht es zur nächsten, Figuren tauchen auf, ziehen vorbei, Berühmtheiten wie Boten, Zeitungssetzer wie Ufa-Regisseure. Postkarten werden verschickt, Briefe auch, manche von ihnen sind als Faksimile abgedruckt.

Und weil aber die Autorin Tergit so ein wacher Kopf ist, hat sogar die unmittelbare Gegenwart, aus der heraus sie ihre Memoiren schreibt, Eingang gefunden: Nixon, Norman Mailer, die Olympischen Spiele von München 1972 und die Maoisten der Studentenbewegung kommen vor, sogar der Spion in Brandts Kanzleramt, Günter Guillaume, in beiseitegesprochenen Passagen, die einen Zusammenhang herstellen zwischen dem Gestern und Heute.

Man taucht ein in einen Strom aus Namen und Ereignissen und schreibt sich Details heraus, die sonst verlorengehen würden, wenn sie hier nicht noch einmal stünden. Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald schicken der amerikanische Kongress und das englische Parlament Delegierte nach Thüringen, einer von ihnen hieß Driberg. Sein Notizbuch, schreibt Tergit, "behielt noch wochenlang in London seinen Todesgeruch von Buchenwald". Man kann diesen Geruch nicht für die Nachwelt aufzeichnen, aber man kann aufzeichnen, dass es ihn gab - und sich fragen, wie weit in der Umgebung er wahrnehmbar war. Bis nach Weimar?

Tergit, die sich zeit ihres Lebens "Berlinerin" genannt hat, wenn man sie nach ihrer Nationalität fragte, kehrt bald nach dem Krieg in ihre Heimatstadt zurück. Und findet dort - Unverbesserliche genauso wie Überlebende. Und hört zu, wie die Täter die Schuld an der Katastrophe, in der sie jetzt leben müssen, langsam den Alliierten zuschieben. Eine Trümmerwelt, seelisch, städtisch: "Ich lief aufgeregt durch Berlin, der eigene Schritt das einzige Geräusch. Die Sonne schien. Alle Häuser in der Straße waren gebombt, warfen Schatten mit den Fenstern als viereckige Sonnenflecken, denn die Fenster waren Löcher in den Fassaden. Der alte Westen mit seinen klassizistischen Häusern, das Wohnviertel des begüterten Bürgertums der Kaiserzeit, bevor es nach dem Grunewald oder Schlachtensee gezogen war, war am 23. November 1943 in einem rasenden Sturm von Feuerbomben von der Gedächtniskirche bis zum Potsdamer Platz vernichtet worden. Es war eine grün bewachsene Wüste."

Aber Gabriele Tergit erzählt auch von den Tempojahren der Weimarer Republik, von den Zeitungsleuten wie Theodor Wolff (nach dem heute eine der renommiertesten deutschen Journalistenpreise benannt ist) und Walther Felix Kiaulehn, und wie sie, während die Schlägertruppen von rechts und links durch die Straßen zogen, mitschrieben. Erzählt ernste Dramen aus dem Alltag und gossip, erzählt, warum Walter Trier, der wunderbare Illustrator der Kinderbücher von Erich Kästner, mit dem sie auf Hiddensee Urlaub machte, so komisch kugelrund zeichnete: Sein Terrier, der sich ständig um sich selbst drehte und mit der Schnauze nach dem Schwanz jagte, habe ihm das beigebracht.

Und Lubitsch. Und Nurejew. Und Thomas Mann. Und Heinz, ihr Ehemann, und Peter, der gemeinsame Sohn: Tergit schreibt ihr Alltagsglück und ihre Tragödien (Peter wird mit 35 Jahren in den Dolomiten von einem Stein erschlagen) in den dichten Text mit hinein, als sei die Hochfrequenz ihres Lebens selbst ein historisches Phänomen, oder jedenfalls nicht von den historischen Phänomenen jener Jahre zu trennen: weil sie niemanden verschonten. Tergit schaut ihren Zeitgenossen und Freunden, einzigartige Persönlichkeiten vor 1933, in die Gesichter, und sie sind alt geworden, sie waren einfach nicht mehr schön: "Die großen Jahre des Lebens einer ganzen sehr wertvollen Generation waren nicht gelebt worden."

So einen Satz muss man erst mal schreiben. "Etwas Seltenes ist die Tergit überhaupt", hat der große Journalist Rudolf Olden über sie geschrieben. Daher der Buchtitel.

TOBIAS RÜTHER

Gabriele Tergit: "Etwas Seltenes überhaupt. Erinnerungen." Verlag Schöffling & Co., 424 Seiten

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