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Der Teufel und seine Engel

Die neue Biographie.
Buch (gebunden)
Der Teufel stammt nicht aus Europa, sondern aus dem Orient. Aber jahrhundertelang lag sein Schatten auf dem Kontinent und nahm von da aus den Weg in die neue Welt. Die Europäer erlitten Satan (wie er auf Hebräisch heißt), aber sie verwandelten ihn au … weiterlesen
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Der Teufel und seine Engel als Buch

Produktdetails

Titel: Der Teufel und seine Engel
Autor/en: Kurt Flasch

ISBN: 3406684122
EAN: 9783406684128
Die neue Biographie.
Beck C. H.

1. September 2015 - gebunden - 462 Seiten

Beschreibung

Der Teufel stammt nicht aus Europa, sondern aus dem Orient. Aber jahrhundertelang lag sein Schatten auf dem Kontinent und nahm von da aus den Weg in die neue Welt. Die Europäer erlitten Satan (wie er auf Hebräisch heißt), aber sie verwandelten ihn auch, veränderten den Teufel nach ihrem Bild und Gleichnis. Er nahm die Form an, die gebraucht oder gefürchtet wurde. Er wechselte sein Gesicht und passte sich den Europäern an, die ihn riefen.

Kurt Flasch erzählt in zwanzig Kapiteln die Geschichte des Teufels. Das Buch beschreibt die biblischen Anfänge und die Ausgestaltung der Satanologie durch die Kirchenväter und im Mittelalter, die verhängnisvolle Verbindung von Satan und Sexualität und von Teufelsglauben und Hexenwahn, es macht einen Besuch in der Hölle und widmet sich dem dortigen Personal, den Engeln des Bösen, aber es geht darüber hinaus bis in die Gegenwart. Der Teufel hat sich gründlich in den Alltag der Menschen eingemischt, bis endlich im Zeitalter der Aufklärung seine Macht beschnitten wurde. Trotzdem nreden heute evangelikale Kreise, fundamentalistische Gruppen und das Römische Lehramt wieder viel und realistisch von Satan. Papst Johannes Paul II. hat das von 1614 stammende Ritual der Teufelsaustreibung (Exorzismus) anno 1998 überarbeitet und erneuert. Flaschs Sympathie gilt in seiner großen Erzählung besonders jenen Denkern, die die Herrschaft des Teufels nicht bestärkt, sondern an seiner Entmachtung mitgewirkt haben.

Portrait

Kurt Flasch gilt als der bedeutendste deutsche Historiker mittelalterlicher Philosophie. Er wurde u. a. 2000 mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa, 2009 mit dem Hannah-Arendt-Preis, 2010 mit dem Lessing-Preis für Kritik sowie mit dem Essay-Preis Tractatus und 2012 mit dem Joseph-Breitbach- Preis ausgezeichnet.

Pressestimmen

"Ein kenntnisreiches historisch Tableau, sehr lesenswert."
Hans Norbert Janowski, Zeitzeichen, August 2016

"In Kurt Flasch hat der Teufel seinen Meister gefunden."
Rudolf Neumaier, Süddeutsche Zeitung, 7. Dezember 2015

"Ein hochmodernes Buch und gleichzeitig ein fast klassisches Werk."
Alexander Wasner, Allgemeine Zeitung, 24. Oktober 2015

"Packende Kultur- und Kirchengeschichte, teuflisch rasant geschrieben und überraschend leicht zu lesen."
Südwestrundfunk, 17. Oktober 2015

"Eine faszinierende Geschichte des Teufels."
Marianna Lieder, Philosophie Magazin, Oktober/November 2015

"Die Freude überträgt sich auf den wissbegierigen Leser, auch weil sein Buch wie immer in feinsprachlichem Duktus gehalten ist."
Dirk Pilz, FR, 13. Oktober 2015

"Ein gelehrtes, dabei eingängig geschriebenes Buch."
Stephan Speicher, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Oktober 2015

"Eine formidable Geschichte des Teufels als Deutungsinstrument und Kampfbegriff."
Erich Klein, Falter, 7. Oktober 2015

"Flasch (...) zeigt, wie wandlungsfähig der Teufel war."
Manfred Dworschak, Der Spiegel, 2. Oktober 2015

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 27.09.2015

Wenn man vom Teufel spricht
Dann sollte man zuvor auf jeden Fall Kurt Flaschs Biographie über Gottes vielseitigen Gegenspieler gelesen haben

Der Begründer der Wissenschaft von der jüdischen Mystik, Gershom Scholem, hielt seinen ehemaligen Schüler, den Religionsphilosophen Jacob Taubes, für den Teufel. Für einen linken italienischen Intellektuellen ist der ebenfalls linke Philosoph Alain Badiou, wie er mit bedeutungsschwer gesenkter Stimme sagte: der Teufel. Wenn der Teufel aber schon unter Intellektuellen, die sich mit dem lebenden wie toten Gott sehr gut auskennen, so vielgestaltig auftritt, möchte man eigentlich gar nicht wissen, wie und wo der Dämon sonst noch so unterwegs ist.

Es sei denn, es kommt Kurt Flasch und erklärt gleich in den ersten Sätzen seiner neuen Biographie des Teufels: "Wer Europa kennen will, muß Gott und den Teufel erkunden. Beide haben dort lange geherrscht." Flasch, der es als der lebendigste Historiker der Philosophie des Mittelalters schafft, Denker wie Nikolaus von Kues, Meister Eckhart oder Machiavelli so hell in ihrer Zeit aufleuchten zu lassen, dass sie bis in die Gegenwart strahlen, verfährt auch mit dem Teufel nicht anders. Nur geschieht dies unter umgekehrten Vorzeichen. Während Flasch die Philosophen des Mittelalters vom Klischee der Finsternis befreien will, verfährt er beim Teufel anders. Flasch will den Teufel nicht nur in seiner Präsenz "schwächen", wie er zurückhaltend in richtiger Einschätzung seiner Kräfte sagt, sondern ganz aus dem Bild drängen. Eine Aufgabe, die bestimmt nicht leicht ist. Denn während Gott noch kein Mensch je gesehen hat, kann man das vom Teufel nicht sagen. Der Teufel drängt sich ins Bild, und das nicht erst, seit er aus der hebräischen Bibel mit Verve als Satan geboren wurde. Mit einer Kraft, die der Dämon, Satan oder Teufel, wie er synonym heißt, immer wieder mit erstaunlicher Selbstsicherheit wirken lässt. So ist es bis heute nicht nur unter Theologen, sondern auch für den Psychoanalytiker Jacques Lacan eine ungeklärte Frage, ob Gott sich selbst liebt. Für den Teufel stellt sich die Frage nicht, der findet sich super.

Womit man zwei Eigenschaften des Teufels hat - sich ins Bild rücken und sich selbst toll finden -, die verständlich machen, warum der heilige Paulus den Teufel für den "Gott dieser Welt" hielt und zugleich mit Nachdruck eine andere Welt wollte. Aber das greift vor, nicht zuletzt in die Gegenwart des Teufels, die es für Kurt Flasch nicht gibt. Für Flasch ist der Teufel tot, wie auch Gott tot ist. Aber was tot, gestorben ist, hat einmal gelebt. "Teufelslehren waren Theorien, aber zugleich Teil der gesellschaftlichen Praxis, des Gesundheitswesens und der Gerichte", schreibt Flasch. Sie bestimmten über Leben und Tod. Sie sind ein Teil der Realgeschichte Europas. Was Theologen über sie dachten, übertrugen Erzieher und Prediger ins tägliche Leben. In der frühen Neuzeit brauchten die zerstrittenen christlichen Konfessionen des Teufels viele Namen, um ihre Gegner als Gottesfeinde darzustellen, mit sehr realen Folgen. "Was Universitäten über Teufel und Dämonen lehrten, beschäftigte Regenten und Juristen. Sie wurden historisch real", fasst Flasch den Grund seines Interesses an den Teufelslehren zusammen. Und: "Sie waren nicht nur Gedankendinge. Satanskult und Teufelsmessen gibt es bis heute, auf Bühnen und in Filmen, aber nicht nur dort."

Und in diesem "aber nicht nur dort" liegt so etwas wie der nicht ganz feste Boden von Flaschs Behauptung, dass der Teufel zumindest in Europa tot sei. Flasch ist schon in seinen philosophiegeschichtlichen Büchern ein Meister der langsamen, weil gründlichen Zerstörung von Epochenbildern. Begriffe wie Mittelalter, Renaissance oder Reformation bezeichnen nie geschlossene geschichtliche Einheiten, in denen sich mehr oder weniger "stabile" Markierungen finden lassen, die dann für die Epoche als Ganze stehen können. So bilden dann auch weder Renaissance noch Reformation in Satanismus und Hexenverfolgung eine namhafte Zäsur. Die wildeste Hexenjagd fand nicht im Mittelalter statt, sondern in den darauffolgenden Jahren. Es sehe danach aus, meint Flasch, als müssten wir unsere Epochenbilder korrigieren.

Zu diesem Schluss kommt er auch, weil er weiß, dass es zu jeder Zeit, auch im Mittelalter, eine radikale Form der Skepsis gab, welche die Existenz von Teufeln und Konsorten bestritt. Für sie war alles, was über Teufel und Hexen erzählt wurde, volkstümliche Phantasie. Eine theoretische Position, die auch im Mittelalter bekannt war, was Flasch in einer genialen Stelle seines Gedankengangs mit einem einzigen Buch belegt: mit Ovids "Metamorphosen". Ovid wurde im Mittelalter gelesen. Im 15. Buch der "Metamorphosen" tritt der antike Philosoph Pythagoras auf, der seinen Vegetarismus mit der Seelenwanderung erklärt und alle Jenseitsängste für unbegründet hält. Keine Seele, meint Pythagoras, leide nach dem Tod; was ihr fürchtet, gibt es gar nicht. Die Unterwelten seien Erfindungen der Dichter. Dort brenne auch kein Feuer. Wer diese Position stärken wollte, konnte sich auf Aristoteles und Avicenna berufen, was Naturphilosophen und Ärzte auch taten. Die Welt vor 1700 war also nicht alternativlos, und es waren die Zweifler, die den für Europa so typischen Versuch der Verbindung von Glauben und Vernunft erzwangen, der schließlich die Grundlagen des Glaubens selbst zerstören sollte.

Man kann an dieser kurzen Passage zeigen, wie Flasch arbeitet. Es geht ihm um Aufklärung und Vernunft nicht nur im Umgang mit dem Teufel. Aber Flasch weiß auch, dass Aufklärung und Vernunft nicht nur dort zu finden sind, wo Aufklärung und Vernunft draufsteht. Das hat ihn sein tiefes Eintauchen in die Texte des Mittelalters gelehrt. Und er weiß auch, dass Bilder eine Faszination auslösen können, gegen die kein Kraut der Vernunft gewachsen ist. Auch deshalb ist seine Biographie des Teufels keine Faszinationsgeschichte, sondern der Versuch einer langsamen Trockenlegung des Sumpfes, aus dem der Teufel hervorkroch.

Flasch beginnt nicht mit der hebräischen Bibel, er fängt mittendrin an, mit einer Teufelsbegegnung im Jahr 1012. Mit einer Nachricht des Historikers und Bischofs Thietmar von Merseburg, der 1018 starb, in der es um König Heinrich I., verstorben 936, ging. Jener Heinrich, von Merseburg als äußerst tugendhaft beschrieben, hatte an einem Gründonnerstag betrunken und verbotenerweise mit seiner Frau geschlafen, obwohl die sich heftig gewehrt hatte. Urheber dieses Vergehens aber waren nicht Heinrich und der Alkohol, sondern der Satan, und das wusste man, weil Satan von seiner Tat nicht geschwiegen hatte. Das Entscheidende für Flasch an der Geschichte ist, wie gut sich der Bischof Thietmar mit dem Teufel auskennt. Satan ist nämlich zuerst intelligent, er hat den betrunkenen König beobachtet, und er kennt die Tage, an denen das Kirchenrecht auch Verheirateten den Geschlechtsverkehr verbot.

Thietmar nennt den Teufel sogar "allwissend" - wie sonst nur Gott. Dazu kennt der Teufel die Landesgewohnheiten und das Kirchenrecht, er denkt politisch, bewegt sich rhetorisch geschickt und sucht Untertanen. Fürchten tut er sich nur vor den Sakramenten, mit denen Bischöfe und Priester ihn bekämpfen. Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, die männlichen Geschlechtsorgane in sündige Bewegung zu versetzen und so das Teufelsreich zu mehren. Schafft er das nicht, versucht er politisch Unruhe zu stiften. Er provoziert dann Kriege und gibt sich auch mit diesem Teilerfolg zufrieden. Diese Zufriedenheit mit dem Teilerfolg versetzt ihn gegenüber Gott, dem es immer ums Ganze geht, taktisch in einen leichten Vorteil. Ein Vorteil, um den Thietmar ihn fast schon zu beneiden scheint und der, folgt man Flaschs Porträt, den Teufel auch weiterhin attraktiv erscheinen lässt. Denn verheiratet war er nie. Er war wie Gott zölibatär, und er verband in sich volkstümliche Bilder und hohe philosophisch-theologische Fragen. Er hinkte, stank nach Schwefel und strahlte Kälte aus. Mal trat er als Kröte auf, dann als Schlange oder Drache, ebenso wie als Schwein oder dunkelhäutiger zottiger Mensch. Er war das Böse selbst, galt als der Grund alles Schlechten, sah aber auch dem Gott Pan ähnlich. Er wirkte als Ankläger des Menschen, als Verleumder, Verwirrer und Erprober, als Vater der Lüge wie als Herr der Fliegen. Er wurde auch als komisch empfunden und als betrogener Betrüger verlacht. Er vereinigte in sich verschiedene geschichtliche Strömungen und widersprechende Eigenschaften, aber galt immer als äußerst ernst zu nehmender Feind und neiderfüllter Verderber.

Wobei man sich angesichts dieser noch unvollständigen Eigenschaftsliste des Teufels etwas neidisch auch fragt, warum man nicht ein paar dieser Fertigkeiten selber hat; sich andererseits aber auch nicht wundert, dass der Teufel, nachdem er im 18. Jahrhundert theologisch und lebensweltlich zu schwächeln begann, auf anderen Bühnen ziemlich große Auftritte hingelegt hat. Im Theater, in der Literatur und im Film kommt er von Dante bis Bulgakow, von Milton bis Lars von Trier, von E. T. A. Hoffmann bis zu Salman Rushdie zu unvergessenen Auftritten. Für Flasch ist es gerade die Vielseitigkeit des Teufels, die es den Europäern gestattete, ihn umzugestalten, bis er ihnen immer ähnlicher wurde und dadurch verschwand.

CORD RIECHELMANN

Kurt Flasch: "Der Teufel und seine Engel: Die neue Biographie". C. H. Beck, 462 Seiten

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