Warenkorb
€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei
Wo wir zu Hause das Salz haben als Buch
PORTO-
FREI

Wo wir zu Hause das Salz haben

Nachdichtungen.
Buch (gebunden)
"Dichter und Angler gehen verborgenen Geheimnissen nach; dieser dem Fisch, jener dem Vers", schrieb Reiner Kunze 1974. Und da man weder "vom Dichten noch vom Angeln leben kann", angelte der Dichter Reiner Kunze auch immer in fremden Teichen und brach... weiterlesen
Buch

16,00*

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Wo wir zu Hause das Salz haben als Buch

Produktdetails

Titel: Wo wir zu Hause das Salz haben
Autor/en: Reiner Kunze

ISBN: 3100420233
EAN: 9783100420237
Nachdichtungen.
FISCHER, S.

25. Juli 2003 - gebunden - 370 Seiten

Beschreibung

"Dichter und Angler gehen verborgenen Geheimnissen nach; dieser dem Fisch, jener dem Vers", schrieb Reiner Kunze 1974. Und da man weder "vom Dichten noch vom Angeln leben kann", angelte der Dichter Reiner Kunze auch immer in fremden Teichen und brachte als Übersetzer so manchen Vers ans Land und entdeckte dem deutschen Leser so manchen fremdsprachigen Dichter.
Unter den Autoren, die so zu seinen Freunden wurden, stach vor allem Jan Skácel hervor, dessen "wundklee" Reiner Kunze kongenial übertrug. Über Jahre hinweg waren Kunzes Übersetzungen die einzigen Veröffentlichungen des in der Tschechoslowakei verbotenen Dichters. Dichten wie Übersetzen waren Formen des Widerstandes und der Rettung.

Portrait

Reiner Kunze wurde 1933 in Oelsnitz im Erzgebirge als Sohn eines Bergarbeiters geboren. Er studierte Philosophie und Journalistik in Leipzig. 1977 Übersiedlung in die Bundesrepublik. Für sein umfassendes lyrisches, essayistisches und erzählendes Werk erhielt er zahlreiche deutsche und internationale Literaturpreise, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Georg-Trakl-Preis und den Friedrich-Hölderlin-Preis. Seine Lyrik und Prosa wurden in dreißig Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen die Nachdichtungen »Wo wir zu Hause das Salz haben«, der Lyrikband »Lindennacht« sowie die Gedichte für Kinder »Was macht die Biene auf dem Meer?«.
Literaturpreise:
Übersetzerpreis des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes, 1968
Deutscher Jugendbuchpreis, 1971
Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 1973
Mölle-Literaturpreis, Schweden, 1973
Georg-Trakl-Preis, Österreich, 1977
Andreas-Gryphius-Preis, 1977
Georg-Büchner-Preis, 1977
Bayerischer Filmpreis, 1979
Geschwister-Scholl-Preis, 1981
Eichendorff-Literaturpreis, 1984
Bundesverdienstkreuz I. Klasse, 1984
Bayerischer Verdienstorden, 1988
Ostbayerischer Kulturpreis, 1989
Herbert und Elsbeth-Weichmann-Preis, 1990
Hanns-Martin-Schleyer-Preis, 1990
Kulturpreis deutscher Freimaurer, 1993
Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Dresden, 1993
Großes Bundesverdienstkreuz, 1993
Ehrenbürgerschaft der Stadt Greiz, 1995
Kulturpreis des Landkreises Passau, 1995
Weilheimer Literaturpreis, 1997
Europa-Preis für Poesie, Serbien, 1998
Hölderlin-Preis d. Stadt Bad Homburg, 1999
Christian-Ferber-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung, 2000
Hans-Sahl-Preis, 2001
Bayerischer Maximiliansorden für Kunst und Wissenschaft, 2001
Kunstpreis zur deutsch-tschechischen Verständigung, 2002
Ján-Smrek-Preis, Slowakei, 2003
Ehrenbürgerschaft der Stadt Oelsnitz/Erzgebirge, 2003
Premia Bohemica, 2004
Thüringer Verdienstorden, 2008
Memminger Freiheitspreis 1525, 2009
Thüringer Literaturpreis, 2009
America Award for lifetime contribution to international writing 2013
Franz-Josef-Strauß-Preis, 2015

Leseprobe

Mit hauchdünner peitsche hieb der frühlingsregen,

er fiel auf die stadt wie der schiefe turm

im niegesehenen Pisa.



In den fluren alter häuser,

wo's nach blut riecht,

wo sie vor dem morgengrauen eine taube töteten,

versteckten sich pärchen.

Sie sind jung, voller anmut, über die feuchten zäune der wimpern

pflücken sie einander in den augen äpfel

und glauben nicht,



glauben nicht den stiefmütterchen und stadtgärtnern,

nicht dem vielen gerede, dem fast nutzlosen,

nicht den wortwüsten, nicht der klinke an der tür,

nicht stadt noch welt,

sie glauben nicht,

alles ist erfunden und erlogen.



Nur der regen ist kalt und naß

und fällt von oben wie ein schöner turm.

Pressestimmen

Reiner Kunze, einer der sorgfältigsten Lyrik-Übersetzer aus dem Tschechischen, Slowakischen, Polnischen, versteht es, die Grenze zwischen dem Gedicht der Originalsprache und seiner Interpretation verschwinden zu lassen. Was er im Laufe der Jahrzehnte geschaffen hat, vereinigt dieser im Format kleine, innen jedoch zu tröstender Größe sich aufbauende graue Band mit der kleinen Bauchbinde:

"Darf ich bei euch bleiben
einen tag eine nacht
ich bin ein mensch" (S.25)

Hier gilt es, in jedem Gedicht die Kostbarkeit des Wortes zu schätzen zu lernen und das Glück, eines gefunden zu haben, das passen mag.

Wie großartig Kunzes Übersetzerleistung zu bewerten ist, erkennt man nur, indem man eine mittelmäßige Übersetzung seinen Meisterstücken gegenüberstellt. Ein einziges Beispiel:

"Herbst" (Podzim) von Ivan Blatný:

In einer Übersetzung von Radim Klekner lesen wir in dem Band "Landschaft der neuen Wiederholungen", Verlag C. Weihermüller, 1992:

Blätter in den Parks zusammenfegen welch ruhige Arbeit.
Auf und ab gehen und wieder zurückkehren,
wie die Zeit zurückkehrt, wie die Weite,
nostalgisch wie die Briefmarke auf dem Umschlag.

In fand einen Brief, nur mit dem Bleistift geschrieben,
vom Regen verwischt, halb zerrissen.

Oh Zeit der Briefe, wo bist du?
Wie Rilke schrieb ich lange,
jetzt schweige ich, adieu November kam.
Die Fuchsstuten fahren aus dem Tor.

Bei Reiner Kunze klingt dasselbe Gedicht so: (Man beachte die Reime, die das Original aufweist, und die wortgetreue Anspielung aus Rilkes berühmten Herbst-Gedicht ("Herr, es ist Zeit ..."), die dem obigen Übersetzer entgangen ist.)

Laub zusammenkehren in den parks, was für ein stilles tun.
Hin- und hergehn, selbst im tun ist schon ein ruhn,
so kehrt die zeit zurück, die ferne, die einst rief nostalgisch wie die marke auf dem brief.

Einen fand ich, bleistiftschrift, zerknittert,
regenausgewischt, schon halb verwittert.

O zeit der briefe, sag, wo deine blätter treiben!
Ich konnte, wie einst Rilke, lange briefe schreiben;
Ade, ich schweige, der november krächzt im ohr.
Rote rösser traben aus dem Tor.

Man darf darauf vertrauen, dass mit dieser Sorgfalt auch die anderen über 200 Gedichte übersetzt worden sind!

"Anstelle eines Nachwortes" gibt der Essay "Dasselbe, das ein anderes ist Über das Nachdichten" umfassend und präzise Auskunft über Kunzes Vorgehensweise beim Übersetzen. Selbst wenn sich - wegen der teilweise etwa fremden Bilderwelt der Originalautoren - manches Gedicht nicht sofort erschließt: in diesem Nachwort wird die atemlose Spannung spürbar, die notwendig ist, um für einen Kollegen (mit vielen der Autoren war und ist der Übersetzer befreundet) ebenjenes Andere, das Dasselbe ist, zu schaffen. Allein für dieses Nachwort lohnt sich Anschaffung und erst recht Lektüre dieses großen Büchleins.

Andreas Reikowski
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** im Vergleich zum dargestellten Vergleichspreis.