Warenkorb
€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei
Tiere in Architektur als Buch
PORTO-
FREI

Tiere in Architektur

Texte und Fotos. 64 Fotoseiten, durchgehend 2-farbig. beiliegendes Thaumatrop.
Buch (kartoniert)
"Zoologische Gärten sind Schnittstellen, die von dem Leben der eigenen mit der je anderen Art zeugen. Ihre Gestaltung spiegelt das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die ihren Platz in der Evolution immer neu definiert. Beim Besuch eines Zoos verl … weiterlesen
Buch

19,90 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Tiere in Architektur als Buch

Produktdetails

Titel: Tiere in Architektur
Autor/en: Sabine Scho

ISBN: 3937445587
EAN: 9783937445588
Texte und Fotos.
64 Fotoseiten, durchgehend 2-farbig.
beiliegendes Thaumatrop.
Illustriert von Andreas Töpfer
Fotos von Matthias Holtmann, Sabine Scho
Kookbooks

1. Oktober 2013 - kartoniert - 128 Seiten

Beschreibung

"Zoologische Gärten sind Schnittstellen, die von dem Leben der eigenen mit der je anderen Art zeugen. Ihre Gestaltung spiegelt das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die ihren Platz in der Evolution immer neu definiert. Beim Besuch eines Zoos verlangt es uns heute längst nicht mehr nach einem Abbild symbolischer Ordnung, wie sie noch die Menagerie Ludwigs XIV. verkörperte. Dessen Baumeister Louis Le Vau ordnete die Gehege in sogenannten Logen an. Der absolutistischen Herrschaftsidee entsprechend, richtete er diese konzentrisch zum Betrachterstandpunkt des Sonnenkönigs aus. Gerechte Hege erbaut uns heute mehr als gebaute Hegemonie. Nicht positivistischer Bildungshunger treibt uns, eher schon suchen wir in den Landschaftskulissen nach Reservaten der Sehnsucht. So hat sich das Projekt Zoo gleichsam invertiert: Künstlich bauen wir en détail wieder auf, was wir en gros zerstören. Große Freigelände ersetzen einzelne Gehegebauten und versammeln Lebensgemeinschaften unterschiedlichster Klimazonen ... Der Zoo bleibt ein gerissenes Gelände, gleichermaßen zerrissen wie raffiniert reißerisch. Kulisse einer Menschensehnsucht, eingebettet in eine Urbanität, die er vergessen machen soll, obgleich sie ihn erst ermöglicht. Letztlich konkurriert er schon heute mit den Freigeländerevieren an den Rändern der Ballungsgebiete, die wiederum längst mit den angestammten Lebensräumen der letzten noch wild lebenden Tiere konkurrieren." Sabine Scho

Vorwort

"Das neue Projekt 'Tiere in Architektur', dem Sabine Scho eine eigene Website widmet, rückt unseren Umgang 'der eigenen mit der je anderen Art' in den Mittelpunkt. 'Künstlich', schreibt sie, 'bauen wir en détail wieder auf, was wir en gros zerstören', wenn sie über zoologische Gärten nachdenkt, deren Bedeutung sich von der Repräsentation symbolischer Ordnung zu der von Sehnsuchtsorten und eingehegten Paradiesgärten verschoben hat, deren 'Unterhaltungsarchitektur' die Theatralik und Verfügbarkeit der Tiere und ihrer Sichtbarkeit in den künstlichen Landschaften auf die Spitze treibt. In der Abbildung und Einhegung, in der Züchtung und Zurichtung, in der Berührung und Tötung, im Jagen und in der Liebe zu den Tieren geben wir uns selbst und unser Verhältnis zu dem kreatürlich Anderen, das uns ähnlich ist und sich doch fundamental von uns unterscheidet, in historisch sich wandelnden Prägungen zu erkennen. Tiere sind vertraute und doch rätselhafte Wesen, Ausdruck einer überbordenden Experimentierlust der Natur, die mitunter groteske Züge annimmt, und haben in ihrer in hohem Maße instinktgesteuerten und oft beschränkten Verhaltenspalette in einer immer durchstrukturierten Welt, in die sie oft nur noch als Erinnerung passen, manchmal etwas Komisches. Sabine Scho erinnert daran, dass Menagerien von Anfang an etwas praktiziert haben, das man heute Globalisierung nennt, und immer schon alles an Fauna versammelt haben, dessen man durch Reisen und Gastgeschenke aus aller Welt habhaft werden konnte. Zugleich entwickelt sich heute eine standardisierte Architektur zoologischer Gärten und Aquarien, die man als 'International Style' bezeichnen könnte. Das Tier ist zugleich Zentrum und Akzidens dieser Architektur und wird gelegentlich zur komischen Figur: 'Hat man die Kasse passiert, wird Architektur kaschiert und Natur simuliert. Schaut auch die Giraffe im Zoo von Santa Barbara von ihrem Gehege auf den Freeway. Fast möchte man glauben, der angeborene Knick in ihrem Hals rührt nur dah
er, dass sie an ihrem künstlichen Felsen vorbei nichts lieber tut, als den Fließräumen einer globalen Gesellschaft hinterherzuschauen, die eher sich als ihr natürliche Freiräume vorgaukeln muss. Oder lauscht sie versteckten Lautsprechern?' (...) Schos Gedichte sind darin auch von Anfang an politisch, dass sie Macht- und Herrschaftsdiskurse im Ensemble der Sprache, der instrumentellen, vorgestanzten Rede und damit der vorgestanzten Weltanschauungen, zitieren und zerlegen, geradezu schreddern und ironisieren, verlachen, zugleich ins Fragment zurückholen. Wenn das Erzählen, jedenfalls ein gewisser Strang des Erzählens, Übersicht zu schaffen verspricht, Kontrolle und planvolle Exekution einer Idee, wenn es Herrschaft und Geschlossenheit vermittelt, dann ist das Gedicht - das nun doch auch geformt und dessen Material geordnet ist - ein Ort für den 'Vorrang des Objekts', wie Theodor Adorno es in seiner 'Ästhetischen Theorie' nannte, das sich Einstellende, Überraschende der Objektwelt und der Zeichen, der Formeln und Redeweisen, der Stimmen und Eindrücke, der wimmelnden Bedeutungshaftigkeit der Welt, die noch nicht zur Weltanschauung, Meinung und Phrase geronnen ist. Das Gedicht kann als antihierarchischer Ort der Suspension von Herrschaft zugleich Bezüge deutlich machen, die das Geschichtliche und Überkommene unserer Zeichenwelt und ihrer Formeln für einen Moment kenntlich machen können, vielleicht so, wie die Dinge sich ja in gewisser Weise auch selbst immer zeigen, ohne dass wir sie recht zu sehen vermögen. Und an dem eingesperrten Tier wird abrupt deutlich, wie eingehegt wir selbst und unsere Weltwahrnehmung sind - 'gated', wie Sabine Scho es in einem jüngst verfassten Eintrag nennt." Martin Hielscher (aus der Laudatio zur Verleihung des Anke-Bennholdt-Thomsen-Preises an Sabine Scho, in: Sprache im technischem Zeitalter Nr. 204)


Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 18.02.2014

Nass in tuscheschwarzen Teichen

Von Rilkes Panther bis zur Sandburg von Jimi Hendrix: Sabine Schos anspielungsreicher und wenig handzahmer Gedichtband über Tiere in den Zoos dieser Welt.

Rainer Maria Rilkes "Der Panther" zählt zu den bekanntesten Tiergedichten der Moderne. Die lyrische Betrachtung der im Zoo gefangenen Raubkatze, die Rilke zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in streng rhythmisierte Verse gefasst hat, nimmt am Ende eine überraschende Wendung: Das angeschaute Tier wird zum Schauenden. "Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille / sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein, / geht durch der Glieder angespannte Stille - / und hört im Herzen auf zu sein." Mehr als überraschend, ja beängstigend die Vorstellung, ein Tier könne den Menschen beobachten und bewerten, kehrt sich doch in ihr die Annahme um, der Mensch sei dem Tier überlegen; literarisch zugespitzt findet sie sich in Hermann Hesses Erzählung "Ein Mensch mit Namen Ziegler", deren Protagonist verrückt wird, weil er nach dem Schlucken einer Pille die Sprache der Zootiere versteht.

Im Tier, insbesondere im Zootier, spiegelt sich der Mensch, in den überschaubaren Grenzen der Zooarchitektur, ihren Höllen oder paradiesischen Sphären, das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Solche Überlegungen liegen den in "Tiere in Architektur" versammelten Erkundungen der 1969 geborenen, nach Jahren in São Paulo heute in Berlin lebenden Sabine Scho zugrunde. Ihrem Gedicht- und Fotoband, der die Quintessenz zahlreicher Erkundungstouren der Autorin durch die Zoos der Welt versammelt, hat Scho einen Essay zur Geschichte und Phänomenologie des Zoos und zum Verhältnis des Menschen zum Zootier vorangestellt. Im Zoo sei die Hegemonie heute der Hege gewichen, hätten Konzepte der naturnahen und artgerechteren Haltung die beengte und nicht artgerechte Schautierhaltung weitgehend verdrängt. Dennoch könne es sich kein Zoo der Welt leisten, seine Tiere den Blicken der Menschen vorzuenthalten. Wer die bis heute übrig gebliebenen winzigen Käfige, die im 1752 von Maria Theresia angelegten Wiener Zoo zum Einsatz kamen, mit den riesigen Freiflächen aktueller Tiergärten vergleicht, kann Schos Überlegungen konkret nachvollziehen.

Ein Moment von Naturbeherrschung bleibt aber noch dem modernsten Zoo eingeschrieben. Es ist durchaus dem dichtenden Jagen und Sammeln, dem Anordnen sprachlichen Materials vergleichbar. Gegenüber Rilkes Gedicht ist bei Scho der Ordnungswille wesentlich weniger ausgeprägt, auch hier hat die Hege die Hegemonie zurückgedrängt. In ihren Gedichten, von denen sich viele erst bei genauerem Hinsehen als solche, nämlich als Prosagedichte, zu erkennen geben, schweift der Blick von der Betrachtung der Tiere ins Philosophische oder Assoziative. Das Sprachmaterial entfaltet sich spielerisch. Fremde Verse oder Zitate aus Popsongs mischen sich in die Verse, liefern Motti. "Castles made of Sand" von Jimi Hendrix steht dem Gedicht "Sanddollars" voran, das Verse über seltsame Quallen mit Bildern aus Andersens Märchen "Die kleine Seejungfrau" zu einem traumartigen lyrischen Tauchgang über Sterblichkeit und Vergänglichkeit werden lässt.

Einigen Gedichten hat Scho Bilder zugeordnet. Sie sind nicht nur Illustrationen, sondern werden durch die Texte mit zusätzlicher Bedeutung aufgeladen, wie sie umgekehrt den Gedichten einen erweiterten Deutungsraum eröffnen. Scho praktiziert ein vexierendes Verfahren, das sich auf dem Schutzumschlag in einem Kippbild andeutet, das, je nach Fokussierung, als Kamera oder Käfig erscheint.

In dem Gedicht "Otter im Eimer", dem zwei Fotografien solcher Tiere im Zoo von Santa Barbara nachgestellt sind, liest man: "Nass in nass gleich invertierten chinesischen Zeichen schwimmen wir in tuschschwarzen Teichen, Otter aus Grasschrift, wie Chinesen kalligrafische Schnellschriften bezeichnen und ganz im Bild aufgehen." Die angeschauten Tiere gehen ein ins Gedicht, das über die Beschreibungsebene hinaus Aufschluss gibt über Schos poetisches Verfahren: "Wir schreiben den Text in die Tiefe eines durchlässigen Elements und verwischen beim Schreiben bereits jede Spur, womit lässt sich das noch vergleichen?"

In "Ibis mit Kopftuch" heißt es durchaus ironisch: "Es wäre ganz still auf diesem Planeten, wenn nur die begabtesten Vögel sängen, darum muss es welche geben, die redlich kreischen." In Schos Gedichten, in denen sich sinnliche Konkretion und Reflexion klug mischen, kommt den Lesern die Sprache nicht unbedingt näher. Man sieht, wie sich die Wörter dieser wenig handzahmen Verse wie scheue Tiere zwischen Domestizierung und Entfesselung bewegen, und betrachtet sie nicht selten von fern, aber verwundert und verzaubert.

BEATE TRÖGER

Sabine Scho: "Tiere in Architektur". Gedichte.

kookbooks Verlag, Berlin 2013. 128 S., br.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
¹ Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche ge-
kennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben.
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.