Dieses ¿militärische Geklingel¿ möchte man in der heutigen Zeit eigentlich nicht mehr hören, zumindest nicht in dieser Bandbreite ...
Sich gleich bei seinem Erstlingswerk mit einem nicht so einfachen Thema zu befassen ist mutig und lässt zugleich auf einen persönlichen Hintergrund des Autors schließen. Zeit und Ort der Handlung (2. Weltkrieg) bedeuten für die Leser*innen dieses Buches allerdings ein wenig Entgegenkommen, um es einmal freundlich zu formulieren.Denn dieses "militärische Geklingel" möchte man in der heutigen Zeit eigentlich nicht mehr hören, zumindest nicht in dieser Bandbreite. Und so bedarf es schon einer gewissen Resilienz, um sich von diesen Militarismen nicht überfahren zu lassen - in der Hoffnung, dass es nicht dabei bleiben wird. Allerdings ist schon gut die Hälfte des Buches notwendig, bis man sich mit den Figuren so weit angefreundet hat, sodass das Zwischenmenschliche den befreienden Part übernehmen kann. Und hierfür wiederum sind die unmenschlichen Kriegsaktionen sicher ein guter Kontrast.Das Vaterthema ist dabei zunächst sehr eng mit der Hauptperson des Romans, den "Freiheitskämpfer" Pal, verbunden, der als Freiwilliger in einer geheimen Einsatztruppe des Secret Service bei der Befreiung seine Heimatlandes Frankreich mithelfen soll. Die Sehnsucht des Sohnes nach seinem Vater, der ihn als Bankier in Genf vermutet, einerseits, und die Sehnsucht des Vaters nach seinem Sohn (zunächst gekoppelt mit Angst über das Verschwinden seine 22-jährigen Sohnes) andererseits, begleiten einen durch das gesamte Buch. Wenn die beiderseitige Liebe so stark ist, gilt es natürlich zu fragen, warum jemand freiwillig in einen "Guerilla-Krieg" ziehen möchte. Die familiäre Bindung wird in dieser Zeit mehr oder weniger ersetzt durch Kameradschaft und Freundschaft ganz unterschiedlicher Charaktere, die in einem längeren Ausbildungsprozess zueinander finden, Stärken und Schwächen zeigen, die natürlich geeignet sind, das Positive wie das Negative im Menschen sichtbar werden zu lassen. Dies wechselseitige "Spiel", wird hier, kombiniert mit Liebe, "dankenswerterweise" ist auch eine weibliche Person in dieser Gruppe aktiv, oder der Sehnsucht nach ihr, mustergültig dargestellt. Der Schluss des Buches, es gibt nicht in jedem Fall ein Happyend, versöhnt insofern als er das Dämonenhafte eines jeden Krieges verweist: "Die Dämonen würden wiederkommen, das wussten sie. Denn die Menschheit vergaß schnell, Um sich zu erinnern, errichteten sie Denkmäler und Statuen, sie vertrauten ihr Gedächtnis den Steinen an. Steine vergaßen nie, doch keiner hörte ihnen zu, und die Dämonen kamen wieder. Aber immer würde es auch ein paar wahre Menschen geben, irgendwo."(3.8.2023)