Was für ein Widerspruch
Unbezahlte Werbung. George Orwell ist vor allem bekannt für seine Dystopie "1984" und "Farm der Tiere". Aufgrund dessen war ich gespannt auf seine Essays, da ich mehr über den Autor erfahren wollte, ohne Wikipedia aufzuschlagen. Bereits nach den ersten zwei Texten dachte ich mir: Was für ein Widerling. Im ersten Essay, das sich wie eine Kurzgeschichte liest, erzählt er davon, wie er im Dienst der Polizei einer Hinrichtung beiwohnte. Danach ging er mit mehreren Amtsträgern frühstücken, wobei herzlich gelacht wurde. Der Text äußert bereits im letzten Teil seine Abneigung gegen den Kolonialismus, den er trotzdem tatkräftig mitgetragen hat. Im zweiten Text erschießt er einen Elefanten, obwohl es nicht nötig gewesen wäre, nur um sein Ansehen zu bewahren.Auch die folgenden Texte zeugen von einem Mann, der sich seinen Zeitgenossen überlegen fühlt. So zieht er nicht nur über seine Landsleute her, sondern auch über seine Schriftstellerkollegen, wie bspw H.G.Wells. Aber: Obwohl mir Orwell wie ein Unsympath erscheint, vertritt er vernünftige Ansichten. So seziert er den Antisemitismus in Großbritannien und widerlegt argumentativ die hetzerischen Aussagen von Nazis. Darüber hinaus fungiert diese Sammlung als interessante Quelle für die Jahre 1931 bis 1949. Amüsant fand ich vor allem die Thematisierung des Lesens, wobei er bemerkt, dass immer weniger Menschen lesen und als Grund den Preis für ein Buch angeben. Bis heute bleibt die Frage aktuell.Fazit Orwells Kampf gegen den Faschismus ist lobenswert und vermutlich DER Grund, weshalb er unbedingt gelesen werden sollte. Doch eine vernünftige Einstellung macht noch keinen Heiligen. Mir persönlich hat sich ein Mensch offenbart, den ich in seinem Willen zu töten (er meldete sich freiwillig für den spanischen Bürgerkrieg) nicht verstehen kann. Nichtsdestotrotz bleibt er eine Persönlichkeit, die sich für mehr Menschlichkeit einsetzt. Was für ein Widerspruch.