Rasend schnell, gnadenlos kosmeerlastig und visuell überwältigend ¿ kein Einstieg, aber ein elektrisierendes Geschenk für Sanderson-Fans.
<p data-end="513" data-start="0">Brandon Sanderson hat mit Das Herz der Sonne ein Buch vorgelegt, das weniger um Leser wirbt als vielmehr ein vertrauliches Gespräch mit ihnen sucht. Dieses Gespräch richtet sich eindeutig an jene, die ihm seit Jahren durch das Kosmeer folgen, die seine Welten nicht mehr betreten, sondern bewohnen. Wer hier einen höflichen Empfang erwartet, wird enttäuscht. Sanderson wirft uns ohne Umschweife in eine Geschichte, die sich anfühlt wie ein Sprint durch sengendes Licht, atemlos, kompromisslos, bewusst fordernd.<p data-end="1418" data-start="515">Der Roman spielt auf einem Planeten, dessen Sonne nicht Leben spendet, sondern es auslöscht. Die Bevölkerung überlebt nur, indem sie ständig in Bewegung bleibt, immer einen Schritt voraus vor dem tödlichen Licht. Diese Prämisse ist kein bloßes Schauwert-Gimmick, sondern das strukturelle Rückgrat des Buches. Alles ist Flucht, alles ist Dringlichkeit, selbst die Gedanken des Protagonisten wirken, als hätten sie keine Zeit, sich zu setzen. Nomad, ein Mann mit Vergangenheit und Schuld im Gepäck, ist eine Figur, die weniger erklärt als angedeutet wird. Seine innere Zerrissenheit speist sich aus Ereignissen, die Sanderson bewusst außerhalb dieses Romans belässt. Das ist riskant, ja gelegentlich frustrierend, aber es ist auch konsequent. Das Herz der Sonne verweigert die psychologische Vollausstattung und setzt stattdessen auf Resonanz. Wer weiß, hört mehr. Wer nicht, hört immerhin den Nachhall.<p data-end="2186" data-start="1420">Stilistisch ist das Buch ein Gegenentwurf zu den verspielteren Experimenten der anderen Secret Projects. Hier dominiert ein harter, direkter Ton, ein Erzähltempo, das kaum Raum zum Luftholen lässt. Action ist nicht Höhepunkt, sondern Grundzustand. Das erinnert stellenweise an klassische Westernmotive, den Fremden ohne Bleibe, der in eine unterdrückte Gemeinschaft stolpert und wider Willen zum Symbol wird. Gleichzeitig treibt Sanderson sein kosmisches Großprojekt entschlossener denn je voran. Die Verbindungen zwischen den Welten sind keine beiläufigen Anspielungen mehr, sondern tragende Balken der Konstruktion. Das kann überwältigend wirken, manchmal sogar überladen, doch es zeugt von einer erzählerischen Selbstsicherheit, die sich nicht mehr erklären will.<p data-end="2805" data-is-last-node="" data-is-only-node="" data-start="2188">Am Ende ist Das Herz der Sonne kein freundlicher Roman. Er nimmt seine Leser ernst, vielleicht ein wenig zu ernst, und verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und Vorwissen. Aber er belohnt diese Hingabe mit einer der visuell eindrücklichsten und thematisch dichtesten Geschichten, die Sanderson seit Jahren geschrieben hat. Als eigenständiges Leseerlebnis bleibt er sperrig, als Baustein im großen Mosaik des Kosmeers ist er von erheblicher Bedeutung. Dieses Buch ist kein Einstieg, sondern ein Versprechen. Und wie jede gute Verheißung entfaltet es seine Wirkung erst dann vollständig, wenn man bereit ist, ihm zu folgen.