Twelve of Nights verbindet Mythologie rund um die Raunächte mit Themen wie mentaler Gesundheit, innerem Schmerz und emotionaler Abstumpfung. Besonders die Grundidee hat mich angesprochen: die Kalikanzari, Menschen, deren Herz nicht mehr ihr eigenes ist und die nur während der zwölf Raunächte im Jahr überhaupt noch etwas fühlen können. Eine starke Metapher für emotionale Leere und Verdrängung.Auch kleine Details bleiben positiv im Gedächtnis, z. B. der traditionelle Wunsch "Chronia polla" (Viele Jahre) gleich zu Beginn, die immer wieder eingestreuten Erklärungen zu den Ritualen der Raunächte, die der Geschichte eine besondere, fast ruhige Atmosphäre verleihen oder ein Dialog, der mir im Kopf geblieben ist: "Wovor hast du Angst?" "Vergessen zu werden."Gleichzeitig verliert die Geschichte im Verlauf an Klarheit. Ab einem gewissen Punkt wirkt die Handlung verschwommen, sodass mir ein klarer Anker fehlte, um emotional ganz in der Geschichte zu bleiben. Zudem wiederholen sich die Abläufe zu häufig, was das Lesen stellenweise langatmig macht.Insgesamt ist es ein Buch mit interessanten Ansätzen, melancholischer Stimmung und relevanten Themen, das sein Potenzial jedoch nicht durchgehend ausschöpft.