...lebte eine junge Frau mit einem Traum, den sie nicht hätte träumen sollen. Lorelei ist magiebegabt - entgegen aller Wahrscheinlichkeit. Sie will lernen und die Welt verstehen, die Natur erforschen, doch leider ist sie bloß die Tochter eines Schusters, ohne Mittel und ohne Zukunft. Doch das Schicksal bietet ihr einen Ausweg und so ist sie Jahre später Folkloristin auf einer Expedition, die den Ursprung aller Magie sucht. Während Lorelei noch mit ihrer Stellung zu kämpfen hat, droht der Unternehmung plötzlich mehr als ein Unheil: Die Expeditionsleiterin wird ermordet und ein Geheimnis nach dem anderen kommt ans Tageslicht. Wenn sie überleben will, muss Lorelei mit den anderen Forschern zusammenarbeiten, auch wenn sie ihre schlimmsten Rivalen sind... Die Handlung dieses Buches zusammenzufassen ist gar nicht mal so einfach. Während der Klappentext das Buch vorrangig als magische Liebesgeschichte verkauft, lässt er doch einen großen anderen Teil der Geschichte außer Acht. Allison Saft erzählt uns hier nämlich eine sehr vielschichtige Geschichte, die einem Märchen gleicht, düster und verworren, detailliert und atmosphärisch, auch romantisch, aber vor allem voller Magie. Sie vereint gekonnt die Mystik einer Welt, die langsam dem Mittelalter entwächst, mit dem Forschergeist früher Pioniere, die die Welt verstehen wollen. Dabei heraus kommt die Ruhigburger Expedition, die der der Welt eigenen Magie auf die Spur kommen will. Sechs begnadete Wissenschaftler wagen sich in die Wildnis, um der Welt ihre Geheimnisse zu entlocken, alte Mythen zu verstehen und die mächtigste Form von Magie zu erlernen. Auf den Seiten dieses Buches trifft man die verschiedensten Fabelwesen, das ganze Buch versprüht eine nebelverhangene, mysteriöse Atmosphäre voller lebendiger, tückischer Wälder, magischen Geschöpfen mit gespaltener Zunge und Geheimnissen, die in der Dunkelheit nur darauf lauern, entdeckt zu werden. Da die Autorin ihre Geschichte vor allem um deutsche Mythologie herum aufgebaut hat, kann es aber stellenweise auch (durch die Übersetzung) etwas verwirrend zu lesen sein. Auch hätte das Buch am Ende noch ein paar mehr Seiten haben dürfen, der Abschluss wirkte etwas überstürzt. Dennoch überzeugt die Reise der ungleichen Gruppe, weil lange kaum abzusehen ist, wohin sich die Geschichte entwickeln wird. Ein Hauch Krimi vermischt sich mit Dark Academia, einer etwas verdrehten, aber doch liebenswerten, queeren Liebesgeschichte, ein wenig Politik und natürlich Märchen und Magie. Man muss aufmerksam lesen, wenn man dranbleiben und allen Intrigen folgen will, man muss mit der ungewöhnlichen Denkweise der Protagonistin und ihren verdrehten Gefühlen zurechtkommen, dann kann dieses Buch, das nicht so wirklich in eine Schublade passen will, seine ganz eigene Faszination entfalten und dem Leser eine Geschichte von Unterdrückung, Sehnsucht nach Freiheit und der Macht von Geschichten erzählen.