Der Einstieg inHaunting AdelinevonH. D. Carltonfiel mir leider schwer. Der Schreibstil war für mich von Beginn an gewöhnungsbedürftig und blieb es bis zum Ende. Einige Sätze empfand ich als sehr ungewöhnlich formuliert, sodass ich sie mehrfach lesen musste, ohne ihren Sinn wirklich zu erfassen. Ob dies an der Übersetzung liegt, kann ich nicht beurteilen, da mir die englische Originalfassung nicht bekannt ist. Dennoch hatte ich wiederholt das Gefühl, dass der sprachliche Ausdruck unnötig kompliziert oder unklar gewählt wurde.Zudem wurde in meinen Augen eine sehr vulgäre Sprache äußerst inflationär eingesetzt. Grundsätzlich können derbe Ausdrücke situationsbedingt passend sein, hier wirkten sie jedoch häufig überzogen und wenig zielführend. Der Zweck dieser permanenten Wortwahl erschloss sich mir nicht und minderte für mich den Lesegenuss deutlich. Ähnlich empfand ich die zahlreichen und sehr detailliert beschriebenen Spice-Szenen, die für mich keinen erkennbaren Mehrwert für die Handlung oder die Charakterentwicklung boten und stellenweise eher wie ein Seitenfüller wirkten.Auch mit den beiden Protagonisten konnte ich keine wirkliche Bindung aufbauen. Adeline empfand ich als anstrengenden Charakter. Sie wirkt häufig naiv und handelt unüberlegt, obwohl sie sich ihrer eigenen Fehlentscheidungen bewusst ist. Diese ständige Selbstreflexion ohne daraus resultierende Entwicklung ließ sie für mich eindimensional erscheinen. Eine spürbare Charakterentwicklung blieb aus.Zade hingegen fand ich etwas interessanter angelegt. Seine Rolle im Kampf gegen den Menschenhandel ist ein spannender Ansatz, und seine innere Zerrissenheit sowie sein Leid, insbesondere im Zusammenhang mit gescheiterten Rettungsaktionen, werden nachvollziehbar dargestellt. Gleichzeitig empfand ich sein Verhalten als widersprüchlich: Einerseits tritt er als Retter auf, andererseits überschreitet er im Umgang mit Adeline immer wieder Grenzen, was für mich eine deutliche Doppelmoral darstellt.Insgesamt halte ich die Grundidee des Buches für gelungen. Menschenhandel ist ein hochaktuelles und wichtiges Thema, das grundsätzlich viel Potenzial bietet. Die Umsetzung konnte mich jedoch nicht überzeugen. Vieles wirkte auf mich stark überzeichnet und übertrieben dargestellt. Spannung kam bei mir kaum auf; die Handlung zog sich stellenweise und wirkte eher ereignisarm.Lediglich der Cliffhanger am Ende konnte mein Interesse noch einmal wecken, insbesondere die Frage, welche Person Zade und Jay gegenübersteht. Die Geschichte rund um Adelines Urgroßmutter empfand ich hingegen als einen Nebenstrang, dessen Bedeutung für die Haupthandlung sich mir nicht vollständig erschlossen hat.Aufgrund des starken Hypes und des Bestseller-Status hatte ich mir deutlich mehr von diesem Buch erhofft. Leider konnteHaunting Adelinemeine Erwartungen insgesamt nicht erfüllen.