Außergewöhnlicher Roman mit intelligenter Kritik am Wissenschaftsbetrieb und Themen wie Machtmissbrauch und toxischem Ehrgeiz
Es wurden so viele Themen intelligent miteinander verwoben: Kritik am Wissenschaftsbetrieb, Geschlechterrollen der 80er Jahre, Verklärung von Personen zu Idolen, toxischer Ehrgeiz, Überarbeitung, chronische Krankheiten und Suizidgedanken.Das Magiesystem mit Paradoxen und Logik war außergewöhnlich (sowas habe ich vorher noch nie gelesen). Die Idee der Hölle als Spiegelbild der akademischen Welt und auch den übertragenen "mentalen" Abstieg in die Hölle fand ich sehr gut.Mit am besten gefallen hat mir die Universitäts-Satire in Dis mit dem Einreichen von Abschlussarbeiten, Ablenkungen vom Schreiben, fehlendes Feedback von Dozenten, Diskussionen in Kolloquium etc. Das waren messerscharfe Beobachtungen und ließen sich so gut auf den echten Universitätsbetrieb übertragen. Auch die Überlegungen dazu, was das Leben lebenswert macht und die Frage, ob ewiges Ausharren in der Ewigkeit nicht die schlimmste Hölle wäre, fand ich sehr gelungen.Alice als Hauptfigur war unsympathisch und teilweise schwer nachvollziehbar. Vor allem dass sie Grimes so lange in Schutz genommen hat, fand ich anstrengend. Mein größter Kritikpunkt ist , dass ich einige Szenen wirklich überzogen eklig fand (vor allem in der zweiten Hälfte, Stichwort: Die Katze). Das hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen. Außerdem wurden mir die letzten Höfe der Hölle zu schnell abgehakt, wodurch mit dem Setting Potential verschenkt wurde. Generell war das Setting monoton und eher Kulisse für logische Abhandlungen, aber wer eine typische Fantasy-Höllen-Story lesen möchte, sollte eben nicht R.F.Kuang lesen.Für mich kommt Katabasis nicht an Babel heran, trotzdem ist es ein außergewöhnlicher cleverer Roman, der lange nachhallt.