In Wut und Liebe erzählt Martin Suter von Noah, Anfang dreißig, Künstler talentiert, aber finanziell ziemlich am Straucheln. Seine Freundin Camilla hält den Alltag für beide am Laufen, merkt aber irgendwann, dass ihr genau dieses Leben nicht mehr reicht. Die Trennung kommt nicht aus einem Streit heraus, sondern aus einer klaren, wenn auch schmerzhaften Entscheidung. Und genau das wirft Noah komplett aus der Bahn.
Aus Liebeskummer, verletztem Stolz und der Hoffnung, Camilla zurückzugewinnen, lässt er sich auf einen ziemlich fragwürdigen Deal mit einer älteren, wohlhabenden Frau ein. Was zunächst wie eine Chance wirkt, wird schnell moralisch heikel. Suter zeigt hier sehr fein, wie schnell man bereit ist, eigene Grenzen zu verschieben, wenn Gefühle im Spiel sind.
Besonders gut gefallen hat mir, wie nahbar die Figuren sind. Niemand ist eindeutig gut oder böse, alle treffen Entscheidungen, die man nicht immer gutheißen muss, aber trotzdem verstehen kann. Wut schleicht sich leise in die Geschichte, Liebe ist kein großes romantisches Versprechen, sondern etwas Zerbrechliches, das unter Druck gerät.
Der Roman liest sich leicht, ist oft ironisch, manchmal bitter und stellenweise richtig spannend. Und natürlich typisch Suter: Das Ende kommt anders, als man erwartet, und bleibt im Kopf. Wut und Liebe ist für mich ein kluger, unterhaltsamer Roman über Beziehungen, Geld und die Frage, wie weit man für die Liebe wirklich gehen würde.