Für ein paar wenige Münzen bietet die junge Wahrsagerin Tao den Menschen an, ihre Zukunft vorherzusagen. Dabei schenkt sie keine großen Enthüllungen, sondern nur kleine Schicksale und reist so von Ort zu Ort, immer auf der Straße, immer allein. Das ändert sich plötzlich, als sie der etwas ungeschickten Bäckerin Kina und den geläuterten Wegelagerern Mash und Silt begegnet, die ein verloren gegangenes kleines Mädchen in den Weiten des Königreichs suchen. Aus Zufall entstehen eine bunte Reisegruppe und eine unerwartete Freundschaft, während die vier schon bald das Abenteuer ihres Lebens erleben...Julie Leong schenkt uns mit der Geschichte der einsamen jungen Wahrsagerin Tao ein Buch wie eine dampfende Tasse Tee oder eine warme Umarmung. Hier geht es nicht um große Abenteuer und Heldentaten, sondern um die kleinen Leute und ihre kleinen, aber doch bedeutsamen Schicksale. An der Seite von Tao lernen wir nicht nur diese, sondern auch gleich noch eine wunderbar chaotische Gruppe aus liebenswerten, grundverschiedenen Charakteren kennen, die sich gemeinsam auf ihre ungewöhnliche Reise begeben.Während Tao und ihre Freunde von Ort zu Ort ziehen, Tee kochen und Kuchen verkaufen (und nebenbei den Glückskeks erfinden), erzählt uns die Autorin ohne jede Hast eine leise Geschichte von Einsamkeit und dem Finden von Vertrauen, Freundschaft und Familie, vom über sich hinauswachsen und Mut finden, nicht im Großen, sondern jeden Tag aufs Neue. Sie thematisiert Intoleranz und Ausgrenzung, ohne dass es zu bedrückend wird, stattdessen schafft sie es, gekonnt einen Bogen zu schlagen zu Empathie und alltäglichen Weisheiten, sodass die Atmosphäre des Buches weiterhin gemütlich und freundlich bleibt.Die Handlung an sich hält natürlich nicht allzu viel Action bereit, schließlich ist das Buch im Cosy Fantasy Genre anzusiedeln und setzt dieses auch wirklich gut um. Auf ruhige, entspannte Weise lernen wir, immer nur in Auszügen und größtenteils durch seine Bewohner, das Königreich Esthera kennen. Es geht nie zu sehr ins Detail, aber das stört hier kaum, es passt zur Geschichte. Der Fokus liegt bei den Charakteren und ihrer Reise und damit einhergehenden Entwicklung. Das Buch ist auf genau die richtige Weise warmherzig emotional und schenkt uns zu guter Letzt auch ein wirklich fröhliches Happy End, das sich die Protagonisten redlich verdient haben. Dem Genre entsprechend muss man an mancher Stelle vielleicht ein Auge zudrücken, in der Realität lassen sich nicht alle Konflikte so feinfühlig und vernünftig lösen, doch vielleicht ist es genau das, was wir von Geschichten wie dieser in unruhigen Zeiten brauchen. Julie Leong schenkt uns mit diesem kleinen, niedlichen Buch eine kurze Auszeit von der Welt, eine freundliche Geschichte für zwischendurch und außerdem jede Menge Appetit auf Kuchen.