Düstere Mythen, akademische Intrigen und Magie im modernen Los Angeles ¿ nichts ist, wie es scheint.
Mit Alchemy of Secrets eröffnet Stephanie Garber ein neues erzählerisches Terrain jenseits ihrer bekannten Fantasywelten und verbindet Urban Fantasy, Mystery und Dark Academia zu einem atmosphärisch dichten Roman. Ausgangspunkt ist ein ungewöhnlicher Universitätskurs über urbane Mythen, der weniger als akademische Spielerei fungiert, sondern sich als Eintrittstor in eine Welt entpuppt, in der Legenden, Magie und historische Gewaltakte eng miteinander verflochten sind.Im Zentrum steht Holland St. James, deren akademisches Interesse untrennbar mit persönlicher Motivation verbunden ist. Ihre Recherche zu angeblichen Todesfällen des alten Hollywood entwickelt sich schrittweise zu einer existenziellen Suche nach Wahrheit, Schuld und Verantwortung. Die narrative Struktur folgt dabei bewusst keiner klaren Trennung zwischen Realität und Mythos: Garber inszeniert ein permanentes Schweben zwischen Fakten, Legenden und bewusster Täuschung. Dieses Spiel mit Unsicherheit bildet die zentrale Stärke des Romans.Besonders wirkungsvoll ist das Setting. Los Angeles erscheint nicht als glamouröse Metropole, sondern als palimpsestartige Stadt, unter deren Oberfläche sich jahrhundertealte Geheimnisse verbergen. Die magischen Elemente bleiben meist subtil und entfalten ihre Wirkung weniger durch spektakuläre Effekte als durch Atmosphäre, Andeutung und symbolische Verdichtung. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen moderner Gegenwart und archaischer Macht, das den Roman konsequent trägt.Figurenkonstellationen und potenzielle romantische Dynamiken werden bewusst ambivalent gehalten. Statt einer klaren Zuordnung von Loyalität oder moralischer Integrität konfrontiert der Text die Lesenden mit widersprüchlichen Motiven und unzuverlässigen Perspektiven. Holland selbst wirkt dabei stellenweise noch stark im New-Adult-Ton verankert; ihre Entwicklung bleibt im Auftakt bewusst offen und legt den Fokus stärker auf narrative Dynamik als auf psychologische Tiefenschärfung.Stilistisch zeichnet sich Alchemy of Secrets durch ein hohes Erzähltempo, zugängliche Sprache und eine starke Bildlichkeit aus. Gegen Ende verdichtet sich die Handlung stark, was auf Kosten einzelner Erläuterungen geht, zugleich aber den Charakter eines bewusst offenen Auftakts unterstreicht.Insgesamt präsentiert sich der Roman als gelungener Einstieg in eine urbane Fantasy-Reihe, die weniger auf romantische Erfüllung als auf Rätsel, Machtstrukturen und die Frage nach Wahrheit setzt. Garber demonstriert hier eindrucksvoll, wie wirkungsvoll sich mythisches Erzählen in ein modernes akademisches Setting übertragen lässt.