Drei Fäden bringt Andreas Brandhorst in seinem neuen Science-Fiction Thriller zusammen, die jeder für sich lesenswert sind und über die gesamte Länge des Thrillers in bester Balance miteinander verknüpft werden. Zum ersten ist der Roman ein reinrassiger Thriller, in dem der Profikiller Nathan, ein echter Meister seines Fachs, mit einem letzten Auftrag seinen Ruhestand angehen will. Seit langen Zeiten ist Nathan im Auftrag der "Eminenz" unterwegs (ein mächtiges, reiches, hintergründiges Gremium, das für das "Who is Who" der Staaten- und Wirtschaftslenker Morde gehobener Preisklasse durchführt. Nun soll sein Abgang mit der Liebe seines Lebens in ruhige Gefilde vollzogen werden. Ein Abgang, den sich Nathan allerdings anders vorstellt, als die "Eminenz". Denn diese mag keine losen Fäden. Der Auftrag geht schief. Nathan wird selbst zur Zielschiebe, entkommt nur mit knapper Not und macht sich auf, seine Partnerin zu schützen und die Eminenz selbst das Fürchten zu lehren. Und muss doch feststellen, dass alle seine Sicherheitsmaßnahmen schon längst unterlaufen sind. Während ein anderer Mann seinem Leben erfolgreich ein Ende setzt. Nur um einige Augenblicke wieder von den Toten zurückzukehren und Simon, einer auf keinen Fall menschlichen Gestalt, gegenüberzustehen. Simon, der alles kann, was Jesus, was jedem Messias der Geschichte, einst zugeschrieben wurde. Der nun eine "Jüngerschaft" rekrutiert und eine neue Religion mit einem neuen "Garten Eden" erbaut. Aber ganz eigene Interessen damit verfolgt. Der selbst dem Papst einen Wunsch "wundersam erfüllt". Mit massiven Folgen (interessant, wenn so ein Wunder gar nicht aufhört, zu wirken). Eine neue, allumfassende Macht. Ein "Gott auf Erden"? Das ruft umgehend nach Bereinigung. Über die Eminenz. Und natürlich wird Nathan aus dem Fadenkreuz herausgenommen und mit einem neuen Auftrag versehen........ Wobei, als dritter Faden, wissenschaftliche und Institute in den Mittelpunkt rücken, die ein merkwürdiges Gebilde auf dem Mond entdecken und, was jenen "Simon" angeht, eine ganz andere Idee als die eines Gottes oder Messias vermuten. So liest sich der Romane einerseits als rasanter und spannender Thriller in Jason Bourne- Manier, bei dem man von Beginn an bis zum Ende mit Nathan mitfiebert.Führt hintergründig und bestens gestaltet in die "Glaubens-Sehnsucht" von Menschen hinein.Und bindet dies alles zusammen in Fragen der Moral, des reinen Vorteilsdenkens und der Ohnmacht des Einzelnen den Mächtigen und mächtigen Systemen gegenüber. Dabei geht es im Kern nicht um Strukturen einfacher "Sekten", sondern um eine Grundverfasstheit unserer Zeit. Diese mangelnde Klarheit angesichts sich auflösender gesellschaftlicher Rahmungen und dem Bedürfnis nach "Richtig-Falsch".Die, geschickt, einfach zu versprechen zu sein scheinen und nur den ebenso scheinbar geringen Preis der persönlichen Freiheit kosten. Eine hervorragende und bestens unterhaltende Lektüre.