Und dann und wann ein weißer Elefant (eBook 24 %)
Worum gehts?
Jonas ist 19, Halbwaise, hat sein Germanistikstudium hingeworfen und soll eigentlich im Restaurant seines Vaters mit anpacken. Stattdessen träumt er davon, als Ghostwriter zu arbeiten. Als Stella Dor ihn engagiert, um ihre Autobiografie zu schreiben, ahnt er noch nicht, worauf er sich einlässt. Denn dieser Auftrag öffnet Türen zu Erinnerungen, zu Freundschaften, zu gelebten und verpassten Leben und zu der Frage, was am Ende wirklich bleibt.
Meine Meinung:
Carsten Sebastian Henn ist für mich seit jeher eine verlässliche Adresse für Pageturner mit emotionaler Tiefenwirkung. Und auch bei seinem Roman Sonnenaufgang Nr. 5 gilt: Taschentücher sollten griffbereit liegen. Sehr griffbereit. Sein Schreibstil ist erneut eindrucksvoll, intensiv und von einer Wärme durchzogen, die sich leise, aber nachhaltig unter die Haut schiebt. Henn schreibt nicht einfach Geschichten er malt Bilder, legt Gefühle frei und schafft Momente, die bleiben, lange nachdem die letzte Seite gelesen ist.
Wir begleiten vor allem Jonas, doch im Zentrum steht Stella, deren Leben er aufschreiben soll. Und mit ihr entfaltet sich ein ganzes Geflecht an Schicksalen: Nessa, Bente die alte Frau, die Tag für Tag an der Bushaltestelle sitzt Imke, Paul und viele andere. Jede Figur bringt ihre eigenen Erinnerungen, Verluste und Hoffnungen mit. Sie alle fühlen sich so lebendig, so echt an, dass es fast unmöglich ist zu sagen, wen man am liebsten begleitet oder ins Herz geschlossen hat.
Das Schönste an diesem Buch sind letztlich die Geschichten hinter der Geschichte. Bentes Grund, warum sie immer an der Bushaltestelle sitzt. Nessas Leben. Stellas Leben. Und nicht zuletzt Jonas selbst, der ebenfalls seinen eigenen inneren Kämpfen gegenübersteht. Mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit legt der Autor Herzenswärme zwischen die Zeilen, ohne je kitschig zu werden. Mehr als einmal saß ich mit feuchten Augen da so leise und zugleich so wuchtig sind diese Erzählungen.
Besonders berührend ist auch der Blick auf das Erinnern selbst: wie Erinnerungen sich verändern, wie verschiedene Menschen dasselbe Ereignis unterschiedlich abspeichern und wie Wirklichkeit und Erinnerung miteinander verschmelzen können. Genau darin liegt eine große Stärke dieses Romans. Ich hätte ewig weiterlesen können, habe das Buch förmlich weggesuchtet und freue mich jetzt schon auf den Moment, in dem ich das nächste Werk des Autors in den Händen halten darf. Carsten Sebastian Henn nimmt uns erneut mit auf eine emotionale Reise voller Erinnerungssplitter, leiser Wunder und Gefühlsspitzen, die noch lange bleiben.
Fazit:
Sonnenaufgang Nr. 5 von Carsten Sebastian Henn ist ein Roman, der unerwartet tief trifft. Eine Geschichte über Erinnerungen, über Menschen, die Spuren hinterlassen, und über das, was zwischen den Zeilen eines Lebens steht. Warmherzig, klug und voller Emotionen erzählt, ohne jemals kitschig zu wirken. Ein Buch, das berührt und zeigt, wie kostbar Geschichten sein können die erzählten ebenso wie die gelebten.
5 gefühlvolle Sterne von mir und haltet die Taschentücher bereit!