Ein einsames Mädchen mit dem eisernen Willen im besten Knabenchor zu singen, das damit ihren großen Schmerz bekämpft und ihren Weg geht.
"Per aspera ad astra" stammt womöglich von Seneca und besagt, dass man durch harte Arbeit seine Ziele erreicht. Man muss erst Hindernisse bewältigen und durch ein Tal der Tränen gehen, bis man seine Träume realisieren kann. Die dreizehnjährige Arkadia Fink, genannt Moll, hat große Ziele: Wie ihr großes Vorbild, "die größte Tondichterin aller Zeiten", Beethoven, wird sie eines Tages eine herausragende Persönlichkeit der Musikgeschichte sein. Ihre Mutter, die selbst eine - wenn auch wenig erfolgreiche - Musikerin und Komponistin ist, hat ihr das vorgelebt und sie angeleitet. Arkadia ist nicht nur mit einer guten Singstimme ausgestattet und hat durch die Mutter musikalische Früherziehung genossen, sie hat auch den unbeugsamen Willen, es weit zu bringen. Ihre Begabung, Fantasie und ihr schwieriger Charakter machen sie für andere Menschen schwer zugänglich. Außer zu ihrer Mutter hat sie nur Kontakt zu Bernhardina, einer alten Dame und ehemaligen Musiklehrerin, die im Altenheim lebt. Als Arkadias Mama "kurz weggeht" und Tochter und Vater traumatisiert zurücklässt, hat das Mädchen nur ein großes Ziel: Durch die Aufnahme in einen bekannten Münchner Knabenchor und die Teilnahme an einem großen Konzert ihre Mutter wieder zurück zu holen, denn sie wird kommen, um Arkadia singen zu hören, davon ist das Mädchen überzeugt. Und somit setzt sie all ihre Kraft und Energie daran, in dem Knabenchor aufgenommen zu werden, auch wenn dies bisher noch kein Mädchen geschafft hat.Christopher Kloeble ist ein wunderbares Buch gelungen, dass die Lesenden nicht nur in die Welt der klassischen Musik mitnimmt, sondern auch eine bittersüße Geschichte eines hochbegabten, fantasievollen Mädchens beschreibt, das nicht nur seine Träume verfolgt, sondern auch eine Traumatisierung verarbeiten muss. Dabei ist Arkadia auf den ersten Blick ein unhandlicher Charakter: Sie ist laut, egozentrisch, impulsiv. Sie hat außer Bernhardina keine Freunde, eckt in der Schule an. Als sie eine andere Frau mit beeindruckender Singstimme trifft, die Teil des berühmten Münchner Knabenchors ist, ist ihr Ziel klar, sie will dort singen. Während man beim Lesen Arkadias Weg, der nicht ohne Rückschläge bleibt begleitet, wird in Rückblicken das Zusammenleben mit ihrer Mutter beschrieben, was von tiefer Liebe und einer engen Verbindung geprägt ist, aber auch zeigt, dass die Mutter aufgrund ihrer Begabung und exzentrischen Art in dem kleinen bayrischen Dorf ebenso aneckte, wie die Tochter heute. Sie erscheint hochsensibel, musikbessen und psychisch krank, eine labile Seele, die gelegentlich Unterstützung von Medikamenten und Doktoren benötigt. Die geneigten Lesenden werden früh erkennen, was vor einiger Zeit geschah, als die Mutter kurz wegging. Diese Traumatisierung gilt es aufzuarbeiten, ein Stück Arbeit, das Arkadia durch das Singen, durch den Unterricht mit den unterschiedlichen Lehrern und der Auseinandersetzung mit ihren Kameraden im Chor zu bewältigen sucht. Nicht nur die harte Arbeit im Chor wird sich für sie letztlich auf besondere Weise auszahlen, auch die Arbeit an ihrer eigenen psychischen Verfassung weisen ihr einen zukunftsfähigen Weg.Der Roman ist dabei nicht nur eine Charakterstudie, er hat einen Schwerpunkt auf weibliche Protagonisten, alle von Musik begeistert, die sich ihre Stellung in der Musikszene hart erkämpfen müssen. Arkardias Mutter bekommt die Stelle als Organistin nicht, die Tochter des Chorleiters hat sich seinem Urteil zu beugen, Arkadia darf nur als Junge in dem Knabenchor singen. Die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Welt der klassischen Musik ist ein Thema, das das Buch subtil durchweht und zum nachdenken anregt.Trotz der schweren Themen liest sich der Roman leicht, er ist unterhaltsam ohne in Klischees und Klamauk abzudriften und er zeigt eine große Liebe für klassische Musik, die den Lesenden ohne erhobenen Zeigefinger nahegebracht wird. Ein eindrucksvolles Buch über ein besonderes Mädchen mit unbeugsamen Willen, die Magie der Musik und die Kraft, die in uns schlummert.