Atmosphärisch gemütlicher, aber inhaltlich flacher Cozy-Fantasy-Roman mit schwacher Figurenentwicklung, dünner Lovestory, logischen Brüchen.
Ein gemütliches Hexenhaus im herbstlichen Glanz verspricht Wallis Kinneys Debüt "A Dark and Secret Magic" eine bezaubernde Cozy Fantasy, die mit Halloween-Flair und verbotener Magie lockt. Die Autorin, eine aufstrebende Stimme im Indie-Fantasy-Bereich, webt hier eine Erzählung, die an gemütliche Hexenbücher erinnert.Doch hinter dem warmen Kürbisimpression lauern flache Figuren und logische Stolpersteine.Kate hat sich in ihrem abgelegenen Hexenhaus ein ruhiges Leben eingerichtet, umgeben von einem schön gestalteten Herbst-Setting mit knisternden Blättern und duftenden Kürbissen, das perfekt in die Cozy Fantasy passt. Doch als ihre Schwester sie bittet, das jährliche Halloween-Treffen ihres Zirkels auszurichten, beginnt ihr wohlgeordnetes Dasein zu wanken; dann taucht Matthew auf, ein Mann aus ihrer Vergangenheit, der ein dunkles Geheimnis verbirgt, da er ein Anhänger der verbotenen Magie ist. Als Kate ein rätselhaftes Buch mit einer verstörenden Nachricht ihrer verstorbenen Mutter findet, steht sie vor der wichtigsten Entscheidung ihres Lebens: Wem kann sie wirklich vertrauen?Die Handlung, als bewusste Hommage an Halloweenfilme, Hexengeschichten und zahlreiche popkulturelle Anspielungen angelegt, verzichtet auf lange Exposition undsetzt direktein, was für ein Cozy-Fantasy-Buch zunächst sehr passend wirkt. Trotz dieser reizvollen Ausgangslage bleibt die Geschichte jedoch eher an der Oberfläche: DieErzählspanne von nur einer Woche lässt wenig Raum für echte Tiefe, und wer sich auf die Atmosphäre statt auf komplexe Plotverästelungen freut, wird von der eher geradlinigen, schnell konsumierbaren Handlung nicht allzu enttäuscht sein.Kinney stellt Kate als typische moderne Heckenhexe vor, die sich nach Ruhe sehnt und widerwillig in eine größere magische Auseinandersetzung hineingezogen wird, und gerade diese Ausgangssituation hätte viel Potenzial für eine differenzierte innere Entwicklung geboten. Stattdessen bleibt Kate erstaunlich makellos und geradezu übermächtig: Ohne nennenswertes Training wächst sie innerhalb weniger Seiten zur Retterin auf, die den dunklen Gegenspieler mühelos bezwingt und damit jene Generationen an Heckenhexen übertrifft, an denen derselbe Feind - inklusive ihrer Mutter, die sogar schwarze Magie nutzte - gescheitert sein soll.Die Nebenfiguren, etwa Mitglieder des Zirkels oder Kates Umfeld, wirken wie angedeutete Skizzen: facettenarm, mit Handlungsweisen, die sich nur schwer nachvollziehen lassen und, überspitzt gesagt, eher funktional als organisch in die Geschichte eingefügt erscheinen.Die Liebesgeschichte zwischen Kate und Matthew knüpft an ein kurzes Aufeinandertreffen vor zehn Jahren an, das hier als lebensveränderndes Ereignis stilisiert wird. Kinney, die in Interviews gern die Macht der "zweiten Chance" betont, setzt auf die Idee einer romantischen Wiederbegegnung, doch im Roman selbst bleibt dieser Ansatz blass.Zwei gemeinsam verbrachte Tage in der Vergangenheit sollen als Fundament für eine tiefe, unerschütterliche Liebe genügen, deren Wiederaufflammen zwar dargestellt wird, für mich als Leser jedoch nicht vollkommen nachvollziehbar erschien.Dass Matthew in über einem ganzen Jahrzehnt angeblich nur an Kate denken konnte, bleibt emotional wie psychologisch ungenügend ausgestaltet und nimmt der Lovestory die Glaubwürdigkeit, die sie für ein wirklich berührendes Herzstück der Handlung gebraucht hätte.Sprachlich präsentiert sich "A Dark and Secret Magic" angenehm flüssig und gut lesbar,sodass man problemlos durch die Kapitel gleitet und sich das Buch in wenigen herbstlichen Abenden weglesen lässt. Kinney versteht es, ein stimmiges Cozy-Herbst-Setting zu zeichnen: knisternde Blätter vor der Tür, flackernde Kerzen, der Duft von Gewürztee, ein Hexenhaus mit angrenzendem Wald als Hauptkulisse.Gerade diese Nähe zu vertrauten Bildern sorgt dafür, dass die Leserschaft ohne lange Einführung in Welt und Magiesystem auskommt und die Geschichte schnell ins Rollen kommt.Allerdings bleibt Kinney beim Magiesystem meist im Ungefähren:Die Regeln rund um die verbotene Magie, den dunklen König und die Heckenhexen werden nur angerissen. Dass eine Hexe, die sich an den dunklen König bindet, ihm ermöglicht, ein halbes Jahr in der Welt der Lebenden zu wandeln und dabei ihre Magie anzapft, wird zwar erklärt, doch diese Prämisse wird nach meinem Verständnis am Ende nicht logisch zu Ende gedacht.So entsteht ein Bruch im Zusammenspiel von atmosphärischer, leicht zugänglicher Sprache und der inneren Logik der Handlung, die störender wirkt, je genauer man darüber nachdenkt.Im Kern liefert "A Dark and Secret Magic" das, was viele von einem Cozy-Fantasy-Roman erwarten: ein gemütliches Herbstambiente, ein charmantes Hexenhaus, eine Prise Romantik und eine Handlung, die eher begleitet als fordert. Das Buch funktioniert und unterhält streckenweise durchaus, vor allem, wenn man sich einfach zurücklehnen, das Setting genießen und nicht nach ausgefeilten Charakterbögen oder komplexen magischen Strukturen suchen möchte.Wer jedoch tiefgreifende Entwicklungen, ambivalente Figuren oder ein durchdachtes Magiesystem erwartet, könnte sich schnell unterversorgt fühlen, denn die Figuren bleiben flach, der Antagonist wirkt wie eine spöttische Verzerrung der Dunklen Seite und der finale Konflikt wird innerhalb weniger Seiten erstaunlich problemlos gelöst.Besonders enttäuschend ist der Umgang mit dem Ende. Wer keine Spoiler erträgt, sollte ab jetzt nicht weiterlesen.Wenn die Bindung an den dunklen König unverändert bedeutet, dass er sechs Monate im Jahr wandeln und dabei die Lebenskraft der Heckenhexe zehren kann, wirkt es wenig plausibel, dass ebendieses Arrangement wie ein glückliches Finale gefeiert wird. Die innere Logik des Systems wird hier zugunsten eines vermeintlichen Happy Ends geopfert, was die zuvor aufgebaute Bedrohung nachträglich entkräftet. Äußerlich punktet der Roman dagegen deutlich: Das ansprechende Cover fängt die cozy-herbstliche Stimmung hervorragend ein, und die Rezepte am Schluss des Buches, die sich perfekt für graue Herbsttage eignen, sind ein liebevolles Extra. Insgesamt bleibt der Eindruck eines Wohlfühlbuchs mit schönem Anstrich und einigen netten Ideen, dem es jedoch an erzählerischer Tiefe, überzeugender Figurenzeichnung und konsequent durchdachter Magie mangelt.Ein atmosphärisch gemütlicher, aber inhaltlich flacher Cozy-Fantasy-Roman mit schwacher Figurenentwicklung, dünner Lovestory und logischen Brüchen in der Gesamthandlung, der trotz hübschem Cover und netten Herbstrezepten nur eine Empfehlung von 2 von 5 Sternen erhält.