**** Mein Eindruck ****
Coverdesign, Titelwahl und Klappentext sind äußerst stimmig und einladend und spiegeln den Inhalt des Buches sehr gut wider. Obwohl ich wusste, dass die Handlung um das Jahr 1000 nach Christus spielt, war ich dennoch überrascht, wie intensiv sich diese Zeit beim Lesen anfühlte. Es ist eine Epoche, in die ich literarisch bislang kaum gereist bin, und die Atmosphäre wurde sprachlich so treffend eingefangen, dass ich mich schnell darin verlor.
Erst nach und nach offenbarte sich mir die Vielschichtigkeit der Handlung und die zunehmende Düsternis, die sich über die Geschichte legt. Die Komplexität der verschiedenen Handlungsstränge verlangt Aufmerksamkeit, dieses Buch liest man nicht nebenbei. Allerdings bin ich bei diesem anspruchsvollen Setting auch nicht von etwas anderem ausgegangen. Dennoch hätte ich mir zur besseren Orientierung gelegentlich kleine Hinweise gewünscht, da der Wiedereinstieg nach einer Lesepause nicht ganz leicht fiel.
Diese Geschichte fordert Zeit und Konzentration, doch sie verdient beides. Die Welt wirkt lebendig durch ihre Figuren, die klassische Rollenbilder aufgreifen und ihnen zugleich Ecken, Kanten und individuelle Tiefe verleihen. Sympathieträger sind durchaus vorhanden, auch wenn sich bei mir eine tiefe emotionale Bindung noch nicht vollständig eingestellt hat. Dafür brauche ich vermutlich weitere Bände und mehr Zeit mit den Charakteren. Mein Interesse und meine Aufmerksamkeit waren jedoch durchgehend geweckt, was ich als sehr positives Zeichen werte. Wenn die emotionale Nähe zugunsten der komplexen Verstrickungen etwas in den Hintergrund rückt, spricht das hier eher für die erzählerische Dichte als dagegen.
Sprachlich und handwerklich wird einem in diesem Buch definitiv einiges geboten. Es ist eine anspruchsvolle, vielschichtige Fantasy, atmosphärisch dicht erzählt und in ihrer Struktur durchdacht.
**** Empfehlung? ****
Wer komplex aufgebaute, historisch durchdrungene Fantasy mit dunkler Stimmung und erzählerischer Tiefe schätzt, sollte diesem Buch bewusst Zeit widmen. Es fordert seine Leserinnen und Leser, belohnt aber mit Intensität und Atmosphäre.