Hollywood, Psychoanalyse und ein alter Mann, der eigentlich nur Schlaftabletten will. Klingt erstmal nach einem ziemlich schrägen Setup, aber genau daraus macht Charles Lewinsky einen Roman, der mehr kann, als nur hübsch historisch herumzublenden.
Curtis Melnitz liegt auf der Couch seines Psychiaters und erzählt. Widerwillig, bissig, manchmal eitel, manchmal bitter, oft so, dass man denkt: Mein Freund, du bist wirklich kein einfacher Zeitgenosse. Aber gerade das macht ihn spannend. Er ist kein Held zum Umarmen, eher einer, bei dem man mit hochgezogener Augenbraue zuhört und trotzdem nicht wegkommt.
Besonders stark fand ich diese Mischung aus altem Hollywood, Berliner Wirklichkeit und den dunkleren Kapiteln des 20. Jahrhunderts. Da flimmert auf der einen Seite noch die stumme Traumfabrik, auf der anderen Seite knallt einem die deutsche Geschichte ziemlich ungeschönt vor die Füße. Lewinsky erzählt das nicht trocken wie aus dem Geschichtsbuch, sondern über Erinnerungen, Ausflüchte, kleine Gemeinheiten und diese typische menschliche Fähigkeit, sich selbst die eigene Vergangenheit schönzureden.
Ganz ehrlich: Warm wurde ich mit Melnitz nicht immer. Dafür ist er zu sperrig, zu zynisch, zu sehr alter Grantler mit eingebautem Abwehrsystem. Aber langweilig? Keine Sekunde. Jede Sitzung fühlt sich an wie ein neues Stück Lebensbeichte, nur eben mit mehr Filmstaub, mehr Ego und deutlich mehr Schatten.
Eine andere Geschichte ist kein Roman zum schnellen Wegatmen. Eher einer, der sich langsam festsetzt. Klug, unbequem, elegant erzählt und mit genug Witz, damit man zwischen all dem historischen Gewicht nicht komplett untergeht.