Die Gestaltung des Buches war ehrlich gesagt zunächst einmal der Hauptgrund, warum ich es unbedingt lesen wollte. Es sieht einfach nur wunderschön aus. Sowohl der Farbschnitt als auch der Schutzumschlag sehen sehr edel aus und passen einfach perfekt zu der Geschichte.
Diese hat mich fast ebenso sehr gereizt: Seit Jahrzehnten treten die Erbin des Taghofes und der Erbe des Nachthofes in einem magischen Turnier gegeneinander, in dem die Vorherrschaft über den dritten Hof entschieden werden soll. In den letzten Aufeinandertreffen konnte immer der Nachthof die Auseinandersetzungen für sich entscheiden, dies soll sich allerdings dieses Jahr ändern. Cass ist mit einer Delegation von Lichtkriegern an den Nachthof gereist, um dafür zu sorgen, dass der Taghof endlich wieder an die Macht gelangen kann. Doch sie hat nicht mit dem Erben des Nachthofes gerechnet: Prinz Nox ist ganz anders, als sie erwartet hat und als sie nach einem gefährlichen Zwischenfall zusammenarbeiten müssen, kommen sie sich unerwartet näher. Sie lernen mehr über einander und die Höfe des jeweils anderen und plötzlich ist es gar nicht mehr so leicht, den anderen als Gegner zu sehen. Doch die Tag-und-Nachtspiele stehen an und diese lassen keinen Raum für Gefühle zwischen Cass und Nox.
Ich war wirklich gespannt auf das Buch, weil ich zum einen die Gestaltung unglaublich schön fand und zum anderen extrem gespannt war, wie die Welt in dem Buch aussehen würde. Leider konnte es mich nicht komplett überzeugen, was auch am Schreibstil liegt. Dieser ist zwar leicht und fließend, aber ich habe trotzdem recht lange gebraucht, um richtig in die Geschichte finden zu können. Das liegt vor allem daran, dass man direkt in die Geschichte geworfen wird und sich erst einmal orientieren muss. Man bekommt dafür aber gar nicht so richtig die Zeit, weil schon auf den ersten Seiten so viel passiert, dass ich wirklich Schwierigkeiten hatte, hinterher zu kommen. Dadurch hatte ich lange nicht wirklich das Gefühl, die Welt und die Charaktere wirklich greifen zu können, sodass mir ein bisschen der Sog fehlte, der dafür gesorgt hätte, dass ich das Buch unbedingt weiterlesen wollte.
Leider hatte ich auch deswegen so ein bisschen meine Probleme mit den Charakteren. Ich mochte Cass und Nox dabei sogar recht gerne, aber bei den Nebencharakteren hatte ich ein paar Schwierigkeiten, sie richtig kennenzulernen und habe sie immer wieder verwechselt. Man hat kaum Zeit Cass und die übrigen Lichtkrieger kennenzulernen, bevor man Nox und seine Kämpfer trifft. Dadurch fehlte mir oft ein bisschen die Individualität, auch wenn das im Laufe des Buches etwas einfacher wird und sie mir zumindest zum Teil ans Herz gewachsen sind, aber bis zu diesem Punkt hat es dann doch ein wenig gedauert. Bei Cass und Nox war das ein wenig leichter, weil man durch ihre jeweiligen Sichtweisen schon früh einen guten Einblick in ihr Gefühlsleben bekommt. Ich mochte, dass besonders Nox ganz anders ist, als man zunächst vermutet hätte. Seine Freunde, sein Hof und sein Volk bedeuten ihm viel, sodass komplett verständlich ist, warum es ihm so wichtig ist, dass er die Spiele für sich entscheidet. Cass hat es mir ein bisschen schwerer gemacht, wahrscheinlich weil sie nie alles von sich zeigt. Mir war allerdings schon recht früh klar, was sie verbirgt, sodass der große Plottwist für mich ein bisschen ausblieb. Ich hatte die ganze Zeit ein bisschen gehofft, dass ich falsch liege und dass es vielleicht noch ein paar mehr Überraschungen im weiteren Verlauf der Geschichte geben würde, aber leider folgte es so ein bisschen den typischen Strukturen eines Fantasy Buchs. Das ist keinesfalls schlecht, aber mir fehlte dadurch das Besondere, das dafür sorgt, dass ich unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte weitergeht.
Ähnlich ging es mir auch mit dem Setting. Ich fand die Idee wirklich gut, dass es regelmäßig Spiele zwischen den Erben des Tag- und Nachthofes gibt, die entscheiden, wer die Macht über den dritten Hof bekommt. Allerdings kamen mir die Spiele fast ein bisschen kurz. Ich habe komplett verstanden, warum die Lichtkrieger schon früher an den Hof der Nacht reisen, um sich zu akklimatisieren und dass sie dadurch auch das Volk am Hof der Nacht kennenlernen, aber die Spiele wirkten gegenüber den anderen Herausforderungen fast ein bisschen nebensächlich. Vielleicht habe ich das auch so empfunden, weil ich nie so ganz greifen konnte, was genau der dritte Hof überhaupt ist. Es ist klar, dass der Nachthof dadurch mehr Macht bekommt und genau das für den Taghof vom Nachteil ist, aber ich hatte manchmal ein paar Schwierigkeiten, die Welt in ihrer Gänze greifen zu können, zumal man gar keine Möglichkeit hat, den Taghof kennenzulernen.
Alles in allem mochte ich das Buch und nachdem ich erst einmal in die Geschichte gefunden hatte, habe ich es auch recht schnell durchgelesen. Allerdings fehlte mir ein bisschen der Sog, das Besondere, das dafür gesorgt hätte, dass ich es mich komplett gefangen nimmt und ich kaum aufhören konnte zu lesen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass der zweite Teil genau das schaffen könnte, weil man jetzt schon einen Einblick in die Welt bekommen hat und dadurch im nächsten Teil tiefer in sie eintauchen könnte.