Eine tiefgründige Liebesgeschichte über die Jahre! Große Empfehlung!
¿ M E I N U N GDurch eine Zufallsbegegnung im Jahr 1978 am Pariser Sacre-Coeur kreuzen sich die Wege der Engländerin Erica und der Französin Laure. Trotz ihrer Gegensätze entwickelt sich eine Beziehung, die den ganzen Sommer über anhält, bis Erica zurück nach England geht. Danach treffen die beiden über mehrere Jahrzehnte immer wieder aufeinander und es steht die große Frage im Raum, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie damals in ihrem ersten gemeinsamen Sommer eine andere Entscheidung getroffen hätten. ¿Besonders beeindruckend fand ich die leise, beobachtende und atmosphärische Sprache, die mich beim Lesen gedanklich nach Paris befördert hat ¿ Paris wird in diesem Roman nicht nur mit der Liebe assoziiert, sondern auch als Herzschmerz- & Sehnsuchts-Stadt geprägt, in welcher zu viel Wein getrunken und zu viel geraucht wird, während über Kunst & Literatur diskutiert wird ¿¿ ¿Auch die Figuren, die dieser Roman enthält, sind durch die feinfühlige Erzählweise fast zum Leben erweckt worden und haben glaubhafte Entwicklungen erlebt.Durch Perspektivwechsel können wir in beiden Protagonistinnen hineinblicken und erleben so eine großartige Zeitreise durch eine Liebe, die ich auf diese Weise bisher noch nicht gelesen habe.Auch wenn ich sonst eher ein Freund von dünneren Büchern (max. 400 Seiten) bin, war die Seitenanzahl für mich hier stimmig. Durch die 570 Seiten konnten viele Thematiken (z.B. Alkoholabhängigkeit, Depression, die Entwicklung der gleichgeschlechtlichen Ehe etc.) in die Geschichte eingebaut werden, ohne dass es zu überladen wirkte.Zwei Mini-Kritikpunkte habe ich allerdings:-Die Kapitellängen: Manche Kapitel gingen über mehr als 50 Seiten, wodurch ich das Buch öfter mal zur Seite gelegt habe und erst dann weitergelesen habe, wenn ich bereit war (und genug Zeit hatte) um ein ganzes Kapitel zu lesen.-Im Text sind mehrere französische Phrasen, die ich zwar für die Pariser Kulisse ganz nett fand und auch ihren Teil zur Atmosphäre beigetragen haben, ich hätte mir jedoch eine Übersetzung (zumindest in der Fußzeile oder im Anhang) gewünscht.¿¿ F A Z I T Kiran Millwood Hargrave schafft es in "Fast ein Leben" Figuren zum Leben zu erwecken und über verpasste Chancen zu sprechen, indem sie den Leser auf eine leise, atmosphärische Zeitreise des Lebens zweier Frauen mitnimmt, welche auch nach Abschluss des Buches mit Sicherheit noch eine Weile in mir nachwirken wird ¿Autorin: Kiran Millwood HargraveÜbersetzung: Gabriele Werbeck und Andrea StumpfVerlag: Kein&Aber