Science Fiction ist eigentlich nicht mein Genre, aber für Annie Robot von Sierra Greer habe ich einige Empfehlungen bekommen und bin froh, dass ich so auf dieses einzigartige Buch aufmerksam geworden bin!
Die Geschichte spielt in nicht allzuverner Zukunft in NewYork. Der frischgeschiedene Doug leidet sehr unter der Trennung, sein Ego ist im Eimer. Zum Trost kauft er sich die Traumfrau Annie: eine hoch entwickelte Androidin, die im Kuschelhasen- Modus eingestellt ist. Sie ist schlank und mit großen Brüsten, sie erfüllt jeden seiner Wünsche, ob im Bett oder am Herd - sie gehorcht jedem seiner Befehle. Alles scheint perfekt zu sein, bis Doug Annies Autodidaktmodus einstellt, damit das Zusammeleben etwas spannender wird. Annie lernt von nun an durch Erfahrungen aktiv dazu doch je ähnlicher sie einer normalen Menschenfrau wird, desto weniger perfekt verhält sie sich nach Dougs Ansicht. Je mehr Annie lernt, eigene Gefühle und Wünsche zu entwickeln, wächst Dougs Unzufriedenheit. Als er eine zweite Stella (Androidin) namens Delta anschafft, gerät alles immer mehr außer Kontrolle: Annie versucht, aus dieser missbräuchlichen Beziehung auszubrechen, um ein eigenständiges Leben zu führen
Annie Robot hat mich von Anfang an in den Bann gezogen; ich konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen. Das Thema KI polarisiert; und diese Zukunftsvision, mit Androiden eng zusammenzuleben, mag uns heute noch sehr fremd vorkommen. Dennoch ist Annie als Protagonistin sehr ans Herz gewachsen und die Entwicklung ihrer Gefühle und ihres eigenen Willens haben mich tief bewegt.
Die Frage zu beantworten, ob eine Maschine fühlen kann, rückt eher in den Hintergrund, während es vielmehr darum geht, die gesellschaftlich tradierten Erwartungen von Hingabe und Fürsorge bei Frauen zu dekonstruieren.
Sehr beeindruckt hat mich außerdem, wie die Autorin mit der Frage umgeht, was es bedeutet, ein Mensch zu sein: Nicht im biologischen Sinn, sondern bezogen auf seine Würde, seine Gefühle, Gedanken und Selbstermächtigung. Dies fand ich besonders in einer Szene bei der Therapeutin treffend dargestellt:
Doug runzelt die Stirn und schaut Annie an. Sie reden mit ihr, als wäre sie ein Mensch. Ich weigere mich, so zu tun, als wäre sie einer.
Niemand verlangt das von Ihnen, sagt Monica. Aber ich schlage vor, dass Sie das Menschliche in ihr anerkennen.
Wie bitte?, fragt Doug.
Monica spricht ruhig weiter: Sie hat menschenähnliche Eigenschaften. Sehr weitgehende sogar. Sie ist zu körperlicher und emotionaler Intimität fähig, oder? War das nicht der Grund, warum Sie sie überhaupt haben wollten?
Ich wusste nicht, dass sie mich betrügen und anlügen würde. Dafür habe ich nicht bezahlt.
Und doch ist es menschlich, oder?
Annie Robot ist weit mehr als ein Science Fiction Roman, es ist eine feministische Gesellschaftskritik sowie ein ungewönlicher, neuer Blickwinkel auf toxische Beziehungsdynamiken und ungleiche Machtverhältnisse.
Von mir gibt es 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung für dieses Buch, über das ich sicher noch lange nachdenken werde. Ein echtes Highlight!
Vielen Dank an den Liebeskind Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!