Über vier Leben hat mich wirklich sehr beschäftigt. Es ist ein Roman über intergenerationale Traumata und vor allem darüber, was Frauen über Generationen hinweg mit sich tragen.
Beim Lesen musste ich immer wieder an meine Mutter und meine Großmütter denken. An ihre Leben, ihre Erfahrungen, ihren Schmerz und an all die Dinge, die Frauen oft einfach aushalten, weitertragen und vielleicht sogar an ihre Töchter weitergeben, ohne es bewusst zu wollen. Das Buch hat bei mir die Frage aufgeworfen, wie viel von dem, was wir heute fühlen und mit uns herumtragen, eigentlich schon vor uns da war. Was geben wir weiter? Und was können wir vielleicht irgendwann durchbrechen?
Ich fand es besonders spannend, wie die Geschichten der Frauen miteinander verbunden sind. Man bekommt zu jeder von ihnen schnell einen Zugang und kann vieles nachvollziehen, auch wenn ihre Leben ganz unterschiedlich sind. Gerade dadurch wird deutlich, wie sich Erfahrungen von Frauen über Generationen hinweg wiederholen können und wie stark gesellschaftliche Erwartungen, Verletzungen und Schweigen das Leben prägen.
Das Buch hat mich auch deshalb so berührt, weil es nicht nur von einzelnen Schicksalen erzählt. Es geht für mich um etwas viel Größeres: um Frauen, um Mutterschaft, um Rollenbilder, um Schmerz und um die Frage, was wir von den Frauen vor uns übernommen haben. Und vielleicht auch darum, was wir unseren Töchtern nicht mehr mitgeben wollen.
Die Sprache hat mir sehr gut gefallen. Sie ist intensiv, aber nicht überladen, und gerade die leisen Stellen sind mir im Kopf geblieben.
Ich habe nach dem Lesen noch lange darüber nachgedacht und meine eigene Familiengeschichte mit anderen Augen betrachtet. Für mich ist das ein Buch, das nicht einfach mit der letzten Seite endet. Es arbeitet weiter.
Sehr berührend, unbequem und absolut lesenswert.