Laura (26) ist eine selbstbewusste Protagonistin, die genau weiß, was sie will. Und, was sie nicht will: momentan Mutter zu werden. Als sie ungeplant schwanger wird und abtreiben möchte, hat sie sich durch einen Dschungel an Bürokratie und verbaler Abwertung zu kämpfen. Auch Menschen, die ihr nahestehen, scheinen sie plötzlich nicht mehr zu respektieren. Anstatt ihre selbstbestimmte Entscheidung zu würdigen, ist ihr Umfeld großteils darauf aus, ihr ungeborenes Kind doch noch zu retten und Laura von ihrem Plan abzuhalten.
Ich liebte es, wie die Autorin die Figuren kämpfen lässt. Laura kommt das Glück, für das sie sich selbst entscheidet, nicht einfach zugeflogen - im Gegenteil: Sie muss viele Hürden überwinden, sie zweifelt zwischendrin, stellt ihre eigene Motivation infrage. Dennoch finde ich es sympathisch, dass sie anderen gegenüber respektvoll bleibt und ihre Sichweisen aufzeigt ohne anzugreifen. Für mich eine Prota mit einer sehr reifen Haltung, auf die ich insbesondere was ihren mutigen Einsatz um ihre Familie betrifft, aufschauen kann. So scheut sie keine Auseinandersetzung, lässt ihre Lieblingsmenschen nicht einfach links liegen, obwohl sie anderer Meinung sind und sich alles andere als unterstützend zeigen. Aus Liebe zu ihnen stellt sie sich sämtlichen Unannehmlichkeiten so intensiv, dass auch alte Familiengeheimnisse an die Oberfläche kommen.
Das Beste: Ich mochte Laura und bin begeistert von dem Buch, obwohl ich ihre persönlichen Ansichten/Wertvorstellungen durchweg nicht geteilt habe. Tatsächlich stand ich eher ein bisschen auf der Seite der Antagonisten, haha. Ich wäre zeitweise am liebsten ins Buch gesprungen, um ein Gespräch mit Laura zu führen ein konstruktives, nicht so hitziges wie zeitweise im Buch, versteht sich.
Auch den Schreibstil fand ich unglaublich professionell aufbereitet die auktoriale Erzählperspektive passt prima, sodass ich mich als Leserin gut in sämtliche Personen hineinversetzen konnte.
Ein Buch, das mich definitiv aufgerüttelt hat und noch eine Zeit lang beschäftigen wird!