fühl ich. hat mich genau da abgeholt, wo Worte oft zu laut und Gedanken zu voll sind. Carina Fiby schreibt in kurzen, klaren Sätzen, die sich wie kleine Atemzüge anfühlen: nichts Verkünsteltes, kein großer Posenur dieses ehrliche Da bin ich. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, neben jemandem zu sitzen, der nicht erklärt, sondern zeigt. Viele Zeilen habe ich zweimal gelesen, weil sie im ersten Moment leise und im zweiten plötzlich sehr groß waren.
Besonders mochte ich die Balance aus Zartheit und Klarheit. Da ist Raum für Unsicherheit, für Widerspruch, für heute so, morgen andersund genau das macht die Texte für mich so nahbar. Ich habe mich in einzelnen Bildern sofort wiedergefunden: Müdigkeit, die nicht nur Schlaf meint; Nähe, die tröstet und eng macht; das kleine Aufrichten zwischendurch. Das Buch ist kein Ratgeber und will es auch nicht sein, eher ein Begleiter, der sagt: Ich kenne das.
An ein, zwei Stellen hätte ich mir noch mehr Variation in der Form gewünschtein anderes Tempo, ein ungewohntes Bild, ein Bruch. Manchmal fließen die Stücke sehr ähnlich, was die Wirkung zwar sanft hält, aber gelegentlich etwas gleichförmig macht.
Unterm Strich ist fühl ich. ein warmes, tröstliches Buch zum Mitnehmen, Nachspüren, Weiterblättern. Eines, das nicht lauter wird als nötigund trotzdem lange nachklingt.