Von Athen bis Auschwitz als Buch (gebunden)
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Von Athen bis Auschwitz

Betrachtungen zur Lage der Geschichte.
Buch (gebunden)
Christian Meier gehört zu den wenigen deutschen Historikern, die sich über den engeren Rahmen ihres Fachgebiets hinaus einen Blick für das Ganze der Geschichte bewahrt haben. In seinem neuen Buch wagt er eine Bilanz der europäischen Geschichte an der … weiterlesen
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Von Athen bis Auschwitz als Buch (gebunden)

Produktdetails

Titel: Von Athen bis Auschwitz
Autor/en: Christian Meier

ISBN: 3406489826
EAN: 9783406489822
Betrachtungen zur Lage der Geschichte.
Beck C. H.

22. April 2002 - gebunden - 234 Seiten

Beschreibung

Christian Meier gehört zu den wenigen deutschen Historikern, die sich über den engeren Rahmen ihres Fachgebiets hinaus einen Blick für das Ganze der Geschichte bewahrt haben. In seinem neuen Buch wagt er eine Bilanz der europäischen Geschichte an der Wende zum 21. Jahrhundert. Dabei geht es ihm vor allem um die Frage, welche Beziehung unsere heutigen Gesellschaften überhaupt noch zu dem historischen Erbe von drei Jahrtausenden herstellen können. Wie können wir den Weg Europas von Athen bis Auschwitz verstehen? Was bedeutet die Geschichte Europas für uns, und was vermögen wir in ihr? Welche besondere Verantwortung haben wir als Zeitgenossen innerhalb historischer Prozesse? Der Versuch einer Antwort auf diese Fragen ist zugleich die geschichtsphilosophische Summe eines großen Historikers.

Portrait

Christian Meier ist Professor em. für Alte Geschichte in München und Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er hat den Untergang der Römischen Republik und die Eigenart ihrer Verfassung, die Herausbildung der griechischen Besonderheit sowie die attische Demokratie und ihre Kultur erforscht. Sein Interesse gilt aber auch der Darstellung von Geschichte heute. Seine Veröffentlichungen haben im In- und Ausland bei einem breiten Publikum Beachtung gefunden, vor allem sein Caesar und sein großes Buch über Athen. Bei C.H.Beck sind von ihm erschienen: Die politische Kunst der griechischen Tragödie (1988) und Vierzig Jahre nach Auschwitz (21990).

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 19.03.2002

Historiker als Bikini-Verkäufer am FKK-Strand?
Irgendwo zwischen Athen und Auschwitz: Christian Meier stellt eine gute Frage und bleibt die Antwort schuldig / Von Götz Aly

Hinter dem anspruchsvollen Titel "Von Athen bis Auschwitz" findet sich ein Sammelband, der 2500 Jahre in punktuellen "Betrachtungen" durchschreitet. Sie handeln von Europas Aufbruch in die Neuzeit um 1500, von der attischen und der römischen Kultur, von der Befindlichkeit des Historikers unter besonderer Berücksichtigung der "Verantwortung des Zeitgenossen" und von Auschwitz. Man entnimmt dem Büchlein in einer der hinteren Fußnoten Weisheiten wie diese: "Nach Aga Kahn ist der Tourismus von allen Ismen der verheerendste. Das ist wörtlich genommen völlig falsch - und trotzdem, einige Ismen abgerechnet, ist es so falsch?" In der Einleitung findet man die Klage, wie sehr sich der heutige Mensch in einer merkwürdigen Mischlage aus Schieben und Geschobenwerden, aus Beteiligung und Ohnmacht befinde - "wir machen mit, kaufen, legen Geld an, verschmutzen und erwärmen die Luft, verschandeln unsere Städte, lassen unsere Demokratie schluren, versäumen, uns um unsere Kinder recht zu kümmern etc."

Mag sein, doch dem Thema kommt man auf diese Weise nicht näher. Immerhin behauptet der Autor einen "großen historischen Bogen", der sich zwischen Athen und Auschwitz "spannt". Er versteht das nicht in einem deterministischen Sinn. Vielmehr sagt er, und dafür spricht manches, "das Ereignis Auschwitz könnte ,rückwirkende Kraft' auch in einem anderen Verständnis europäischer Geschichte seit der Antike entfalten". Meier interpretiert die Entwicklung als "europäischen Sonderweg", der sich in seiner unvergleichlichen entwicklungsgeschichtlichen Beschleunigung von der Beharrung anderer Hochkulturen unterschied - markiert durch die Entdeckung von Freiheit, Individualität, Wissenschaft, Naturbeherrschung und Kapitalismus. In mehreren Schritten riß dieses Europa die anderen Teile der Welt aus ihrem vergleichsweise trägen Lauf, um sie mit kriegerisch-kolonialen oder missionarischen, handelskapitalistischen oder kommunistisch-revolutionären Mitteln in den Wirbel der eigenen Hochgeschwindigkeit hineinzuziehen. Die Deutung folgt Max Weber und gelegentlich Reinhart Koselleck.

So gesehen könnten die, von der Völkerwanderung nur kurz unterbrochene Selbstmodernisierung Europas und die damit verbundene ständige Bürokratisierung und Rationalisierung eine "wesentliche Voraussetzung für den deutschen Massenmord an den Juden" bilden, meint Meier: Gesteigert hatten sich damit die "Möglichkeiten im Guten wie im Bösen". Der Autor zählt gewiß zu den Geschichtsoptimisten, und deshalb geht er davon aus, ein besonders schweres Verbrechen müsse eine besonders weitreichende und - im Sinne einer negativen Demonstration - lehrreiche Vorgeschichte offenbaren. Auch wer das für fragwürdig hält, kann sich dennoch mit Gewinn auf diesen Versuch einlassen, die Ermordung der europäischen Juden als einen der Fluchtpunkte europäischer Geschichte zu begreifen. Die Leistung des Buches besteht insoweit darin, die Suche nach den möglichen Voraussetzungen des Holocaust nicht mehr automatisch auf bestimmte angebliche oder tatsächliche Besonderheiten der deutschen Nationalgeschichte einzugrenzen. Schon damit ist der gängigsten Form von Erkenntnisvermeidung ein Ende gesetzt.

Wenn aber im Titel der Bogen von Athen bis Auschwitz geschlagen wird, und zwar von Christian Meier, dann darf der Leser eine Auseinandersetzung mit dem erwarten, was sich für diesen Autor mit Athen verbindet: Es ist die attische Demokratie des 5. vorchristlichen Jahrhunderts - die Entstehung des Politischen, die Entwicklung der Grundbegriffe von Öffentlichkeit, Verfassung, bürgerlicher Autonomie und Aufklärung. Daran aber schlösse sich sofort die Frage an, welche Elemente dieses geistesgeschichtlichen Urknalls zweieinhalbtausend Jahre danach für den Massenmord an sechs Millionen Menschen konstitutiv gewesen sein könnten. Eine solche Frage muß nicht beantwortet, aber sie müßte erörtert werden. Mit einem Sophokles-Zitat ("Vieles Ungeheure ist und nichts so ungeheuer wie der Mensch") ist es nicht getan. Bevor der Autor solche Fragen auch nur auf fünf zusammenhängenden Seiten ausbreiten, diskutieren, verwerfen oder weiterentwickeln würde, versackt er immer wieder im mal gelehrten, mal betulichen Irgendwo. "Man lernt ja auch von den Jüngeren", heißt es milde, gefolgt von der etwas strengeren Feststellung, langsam werde "der Homo sapiens vom Homo telephonans übernommen". Wenn das so weitergeht, droht nach Christian Meier eine vollständige geistige Entblößung mit der möglichen Folge, daß der Historiker als "Bikini-Verkäufer am FKK-Strand" endet. Womit vielleicht die Frage nach der Verantwortung des Zeitgenossen Meier geklärt wäre, nicht aber die nach der rückwirkenden Kraft von Auschwitz.

Christian Meier: "Von Athen nach Auschwitz". Betrachtungen zur Lage der Geschichte, vornehmlich anhand des europäischen Sonderwegs. C.H.Beck Verlag, München 2002. 234 S., geb., 22,90 <Euro>.

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