Achtung: Spoiler
TW: Krankheit/Tod/Pandemie
Der Roman beginnt damit, das Neffy, eine 27jährige Meeresbiologin in einer Londoner Klinik aufgenommen wird. Sehr schnell ist klar, dass dies kein normaler Klinikaufenthalt sein wird, denn die Sicherheitsbestimmungen in diesem Krankenhaus sind streng und erinnern sehr an die, welche wir während der Covid-19-Pandemie erfahren haben.
Tatsächlich ist auch eine neue Pandemie ausgebrochen, verursacht vom sogenannten Dropsy-Virus.
Corona war ein Spaziergang dagegen, denn Dropsy ist eine apokalyptische Pandemie, die beinahe die gesamte Menschheit auslöscht. Das Virus verursacht tödliche Entzündungen und Schwellungen im Körper, die gerade neu aufgekommene Variante packt noch absoluten Gedächtnisverlust obendrauf. Neffy ist Probandin für die Impfstoffstudie, die Dropsy außer Gefecht setzen soll. Sie nimmt gegen den Widerstand ihrer Mutter und Justin teil, aber Neffy ist auf der Flucht: vor etwas, das bei ihrer letzten Arbeitsstelle passiert ist und weswegen sie jetzt verschuldet ist die Impfstudie wird gut bezahlt und vor etwas schrecklichem, das vor Kurzem in Kalifornien passiert ist
Die Studie läuft allerdings total aus dem Ruder: sämtliches medizinisches Personal verlässt die Klinik Hals über Kopf und Neffy muss allein gegen das ihr injizierte Virus kämpfen.
Mit ihr befinden sich noch weitere Probanden in der Klinik, einer davon, Leon, besitzt ein Gerät das er Revisitor nennt und mit dem Neffy auf Erinnerungsreisen geht. Die Erinnerungen in denen sie landet, sind so echt, dass sie bereits Erlebtes noch einmal genau so durchlebt, wie es war. Gerüche, Temperatur und Gefühle inklusive. Anhand dieser Erlebnisse, die ich am ehesten mit einer Art Hypnose gleichsetzen würde, bekommen wir Lesenden die Rückblicke in Neffys Leben, die wir brauchen um uns ein vollständiges Bild von dieser jungen, klugen und sehr traurigen Frau machen zu können.
Als sich herausstellt, dass Neffy die einzige gegen das Virus immune Person in der Klinik ist, beginnen die anderen Druck auf sie auszuüben. Sie soll rausgehen und nach Essen und Wasser suchen. Und damit eskaliert die eh schon katastrophale Situation noch weiter, denn Neffy macht nicht nur eine schreckliche Entdeckung
Unterbrochen werden die Schilderungen von Neffys Klinikalltag eben von ihren Erinnerungsreisen UND kurzen Briefen, die allesamt mit H, Liebes, beginnen. Diese Briefe offenbaren nach und nach, was Neffy ihre Schulden eingebrockt hat und haben mich zutiefst berührt! Auch wenn ich mir erst überhaupt nicht vorstellen konnte, wie dieses Thema in einen Roman dieser Art passen soll.
Tatsächlich aber, macht dieser Erzählstrang die ganze Story aus
Claire Fuller hat es auf jeden Fall wieder getan: Sie hat mich absolut vom Lesesessel gehauen und ich habe Das Gedächtnis der Tiere an zwei Abenden regelrecht verschlungen.
Ihre wiederkehrenden Themen sind Krise, Isolation/Ausgrenzung und Erinnerung und diese Punkte hat sie hier tiefgehend und nachdenklich machend umgesetzt. Über allem, inmitten größter Trostlosigkeit, steht die Sehnsucht nach Freiheit - und der Glaube daran. Außerdem ist der Appell Mitgefühl für alles Lebende zu haben, mehr als dringlich und den zu überhören, können wir uns wahrlich nicht mehr leisten .
Großartig!! Unbedingt lesen ich bin Fuller-Fangirl forever!