Viele Sprüche und Epigramme von Erich Kästner sind fast zu geflügelten Worten geworden. Sein wohl bekanntester Spruch Es gibt nichts Gutes, / außer: Man tut es. hing bei mir jahrelang gerahmt über dem Schreibtisch. Ansporn oder Mahnung?!
Nun hat der Züricher Atrium Verlag ein auf den März 1943 datiertes Manuskript mit Kästners eigenem Vermerk Sehr wichtig! Gut aufheben veröffentlicht. Es handelt sich um Epigramme, deren spezielle Reihenfolge und Zusammenstellung Kästner selbst vorgenommen hat. In seinen Sprüchen und Wohnsprüchen widmete sich Kästner den verschiedensten, meist menschlichen Themen von Trauer, Geduld, Mitleid oder Bescheidenheit. Mitunter gibt es auch einen Spruch zum eigenen Geburtstag. Manche haben auch einen wagemutigen Zeitbezug.
In seinem umfangreichen Nachwort beleuchtet der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Heinrich Detering die Entstehung des Bandes. Nachdem Kästners Werke Opfer der Bücherverbrennung 1933 waren, wurde über ihn ein Publikationsverbot verhängt. Später erhielt er eine Sondergenehmigung als Schriftsteller, trotzdem war es ein Wagnis, teilweise provokative Epigramme zu veröffentlichen. Daher balancierte Kästner eine Mischung von politisch riskanten und harmlosen Texten aus. Zur Irreführung der Behörden trugen Allerweltsweisheiten oder Kalendersprüche bei. Das informative Nachwort gibt neben der faszinierenden Geschichte des Manuskripts auch einen Überblick über Leben und Wirken von Erich Kästner während des NS-Regimes. Sehr empfehlenswert!