Eva von Redecker Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus. Ffm. 2026
Die Philosophin Eva von Redecker, eine seit Jahren mit rigorosem Ehrgeiz agierende Linksideologin, hat nun eine neue Kampfschrift vorgelegt. Darin findet sich eingangs bereits folgender Schlüsselsatz: Faschismus ist liquidierende Phantombesitzverteidigung. (Von Redecker, 2026; S. 20)
Worauf etwa Besitzansprüche deuten sollen, die nur in der Fantasie derjenigen bestehen, die sie sich einbilden, wie die angeblichen Rechte von Männern, die meinen, ihre Frauen dominieren zu dürfen, oder brutalen Tierquälern, die ihre Schutzbefohlenen nicht als Lebewesen anerkennen. Eine Definition, die für sich genommen alles für sich hat.
Doch die Autorin positioniert sich nicht nur gegen Phantombesitz, sondern votiert auch für die Enteignung von Produktionsmitteln und opponiert zudem gegen all diejenigen, die ihren solcherart erworbenen Besitz nicht missen wollen. An dieser Stelle wird der Begriff des Phantombesitzes beachtlich ausgeweitet und als Aktionspotential gegen die liberale Eigentumsökonomie in Stellung gebracht, die von Redecker im Sinne von Adorno/Horkheimers Kritischer Theorie zum faschistischen Larvenstadium erklärt. Dass sich der originäre Liberalismus ausdrücklich gegen prätotalitäres Jakobinertum und die feudalen Korporationen Alteuropas wandte (Th. Nipperdey. Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat. München 2024 (2. Aufl.)), ist ihr allerdings keine Erwähnung wert.
Anmaßend sucht von Redecker, den Faschismusbegriff, ihn dabei obszön minimierend, auf die Verteidigung des Phantombesitzes` einzuschnüren, den sie Robert A. Paxtons und Umberto Ecos differenzierten Faschismusbetrachtungen mir nichts dir nichts überstülpt. Diesem Begriffs-Reduktionismus wird die kritische Betrachtung jeglichen Eigentumserwerbs entnommen, sollte ein marxistischer Syndikalismus die Macht erringen. In der Verbotszone einer solch überspannten Laientheorie ist jeder ein Feind, der dem Ökonomiebegriff der marxistisch inspirierten Jeanne dArc in die Parade fährt.
Als Anmaßungsperipetie lässt sich jedoch folgende Passage lesen, in der eine Demarkationslinie zwischen rechtem Willküranspruch und linksliberaler Verzichtforderung gezogen, womit die klecksende Pauschalisierung rechter als per se faschistischer Politik endgültig vollzogen wird. Perfide spricht sie rechten Positionen, zu denen auch konservative und liberalkonservative zählen, die Überzeugung ab, für alle Menschen eintreten zu wollen, da sie zur Verdinglichung und Entmenschlichung neigten. (Von Redecker, 2026; S. 117) In der Konsequenz dieser unbesonnen formulierten Unterstellung drohen rabiate Maßnahmen der Eigentumsvernichtung und Diebstahl` als faires Recht der Unterdrückten. Folgerichtig nutzt von Redecker die fragwürdige Besitzausweitung der Hightech-Oligarchen zur Begründung unseliger Ideen wie der Lancierung von Enteignungstheoremen, mit deren Hilfe und aus Gründen ausgleichender Gerechtigkeit die bürgerliche Gesellschaft zu konfrontieren ist.
Die späte Nachfahrin Pierre-Joseph Proudhons (Eigentum ist Diebstahl, 1841) und Georges Sorels (Über die Gewalt, 1908) animiert andernorts zur Plünderung von Supermärkten und Warenhausketten und ruft die Massen per Instagram zu neuen Revolutionsformen auf (Von Redecker. Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen. Ffm. 2020). Damit redet sie selbst einem Faschismus bzw. Anarchismus das Wort, der sämtliche Errungenschaften bürgerlicher Rechtsordnungen leichtfertig zugunsten eines dogmatisch aufgeblähten Protestes opfert. Denn für die Autorin ist Eigentum in grober Verkennung der Realität zuletzt das Recht auf Missbrauch der Objekte (Von Redecker, 2026; S. 26) und kein Schaffensgrund liberaler Freiheits(t)räume, der gegen die Zugriffsmacht des Staates schützen mag.
Dass sie sich damit außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft stellt (§859 BGB, §227 StGB), ist offensichtlich denen nicht bewusst, die ihre Autorin als erleuchtete Prophetin wähnen. Dieser (obsessive) Drang nach Härte`, den von Redecker faschistischen Systemen zu Recht nachsagt, steht auch bei ihr, einer Gegnerin liberaler Demokratien (Von Redecker, 2026; S. 25, S. 110ff.), zur Debatte und auf der Entscheidungsliste einer kruden Programmatik. Warum man dennoch deren polarisierenden Attacken huldigt (u.a. Denis Scheck), entzieht sich meinem Verständnis.