Dieses Buch kommt nicht auf leisen Sohlen daher, es tritt eher die Tür ein, stellt den Aktenkoffer auf den Tisch und fragt: So, Deutschland, was ist hier eigentlich los?
Gabor Steingart nimmt sich in Systemversagen nicht weniger vor als den Zustand der Republik. Wirtschaft, Politik, Bildung, Verwaltung, Sozialstaat, alles wird einmal aufgeschraubt, durchgeleuchtet und mit ziemlich spitzer Feder kommentiert. Das liest sich nicht wie ein trockenes Sachbuch, sondern eher wie ein politischer Weckruf mit eingebautem Kaffeevollautomaten: stark, heiß und manchmal ein bisschen bitter.
Besonders gefallen hat mir, dass Steingart komplizierte Zusammenhänge verständlich macht. Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um mitzukommen. Viele Stellen haben bei mir dieses unangenehme Nicken ausgelöst, bei dem man denkt: Mist, ganz falsch liegt er da nicht. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass hier jemand bewusst zuspitzt. Manche Thesen wirken so knallig formuliert, dass man innerlich kurz die Augenbraue hochzieht und denkt: Na, Gabor, jetzt aber langsam mit den jungen Pferden.
Trotzdem hat mich das Buch gepackt. Es macht wütend, nachdenklich und stellenweise sogar hoffnungsvoll. Kein Wohlfühlbuch, eher ein Tritt gegen das bequeme Sofa. Aber manchmal braucht es genau das, damit man wieder gerade sitzt.
Für alle, die politische und wirtschaftliche Debatten mögen, ist Systemversagen eine spannende, unbequeme und sehr lesbare Lektüre. Nicht jede Pointe sitzt perfekt, aber der Weckruf hallt ordentlich nach.