Vom Aufstehen

Ein Leben in Geschichten - Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse.
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Ein Jahrhundertleben - verwandelt in Literatur

Helga Schubert erzählt in kurzen Episoden und klarer, berührender Sprache ein Jahrhundert deutscher Geschichte - ihre Geschichte, sie ist Fiktion und Wahrheit zugleich.

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Produktdetails

Titel: Vom Aufstehen
Autor/en: Helga Schubert

ISBN: 3423282789
EAN: 9783423282789
Ein Leben in Geschichten - Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse.
dtv Verlagsgesellschaft

18. März 2021 - gebunden - 224 Seiten

Beschreibung

Ein Jahrhundertleben - verwandelt in Literatur

Drei Heldentaten habe sie in ihrem Leben vollbracht, erklärt Helga Schuberts Mutter ihrer Tochter: Sie habe sie nicht abgetrieben, sie im Zweiten Weltkrieg auf die Flucht mitgenommen und sie vor dem Einmarsch der Russen nicht erschossen. In kurzen Episoden erzählt Helga Schubert ein deutsches Jahrhundertleben - ihre Geschichte, sie ist Fiktion und Wahrheit zugleich. Als Kind lebt sie zwischen Heimaten, steht als Erwachsene mehr als zehn Jahre unter Beobachtung der Stasi und ist bei ihrer ersten freien Wahl fast fünfzig Jahre alt. Doch vor allem ist es die Geschichte einer Versöhnung: mit der Mutter, einem Leben voller Widerstände und sich selbst.

Portrait

Helga Schubert, geboren 1940 in Berlin, studierte an der Humboldt-Universität Psychologie. Sie arbeitete als Psychotherapeutin und freie Schriftstellerin in der DDR und bereitete als Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches die ersten freien Wahlen mit vor. Nach zahlreichen Buchveröffentlichungen zog sie sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, bis sie 2020 mit der Geschichte ¿Vom Aufstehen¿ den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann.

Pressestimmen

»Ein Buch wie ein Fest. Das literarische Comeback des Jahres. Ein brillanter Geschichtenband von einer Frau, die wirklich etwas zu sagen hat. Geschichten, die trösten.«
Denis Scheck, ARD Druckfrisch 25.04.2021

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 18.03.2021

Zum Frühstück Kuchen mit Muckefuck
Als Helga Schubert den Bachmann-Preis gewann, kannten viele sie noch nicht oder hatten sie vergessen: Jetzt kann man sie besser kennenlernen

Als Helga Schubert im vergangenen Jahr für ihre Erzählung "Vom Aufstehen" den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt, war die Überraschung groß. Denn die 1940 geborene Autorin, die nach einer Flucht am Kriegsende in der DDR groß wurde und als Psychologin arbeitete, hat ein uneinheitliches Werk hervorgebracht, das aus Erzählungen, Kinderbüchern und Sachtexten besteht. Vielen war sie gar nicht bekannt, auch weil sie innerhalb der DDR-Literatur zu keiner Gruppierung gehörte. Weder verließ sie nach der Biermann-Ausbürgerung die DDR wie etwa ihre Weggefährtin Sarah Kirsch, noch war sie wie die befreundete Christa Wolf bereit, das System bei allen Mängeln zu idealisieren, weil es im Gegensatz zum Westen immerhin auf einer großen Idee beruhe. Mit dem Rücken zur Gesellschaft versuchte Helga Schubert ein ihr gemäßes Leben zu führen. "Ich habe die Regeln des Ostens begriffen und sie beachtet", so charakterisiert sie es, "aber zu Hause lebte ich im Westen, mit Ironie und Jazz und den Schlagern der Woche erholte ich mich vom Pathos draußen."

Jetzt kann man sie genauer kennenlernen, denn ein Band mit knapp dreißig neuen Erzählungen liegt vor. Manche davon sind sehr kurz und eher als Momentbeschreibungen oder Meditationen zu charakterisieren, andere umspannen den gesamten Lebenslauf. Am Eröffnungsstück "Mein idealer Ort" lässt sich Schuberts erzählerische Methode gut erfassen: "Mein idealer Ort ist eine Erinnerung: An das Aufwachen nach dem Mittagsschlaf in der Hängematte im Garten meiner Großmutter und ihres Freundes (mein alter Freund, sagte sie) in der Greifswalder Obstbausiedlung am ersten Tag der Sommerferien. Immer am ersten Tag der langen wunderbaren Sommerferien." Dann werden die Großmutter und ihr Freund beschrieben, einige Aktivitäten wie das Verkaufen von Äpfeln auf dem Markt geschildert, ein Rückblick auf den letzten Schultag eingeflochten, um wieder in der Hängematte zu enden, in der die Erzählerin einschläft. Beim Aufwachen gibt es Kuchen und Muckefuck. So ging es "bis zum Ende des Sommers. So konnte ich alle Kälte überleben. Jeden Tag. Bis heute." Das Erzählte beschwört eine Atmosphäre herauf, Bilder und Wiederholungen ziehen die Leser in die Situation hinein, die Wirkung ist eine psychische: Literatur bringt einen Wärmestrom hervor.

In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur steht Schubert mit einem solchen Konzept eher am Rand, aber das hat wenig zu sagen, denn die Vorstellung einer stabilisierenden oder reinigenden oder auch therapeutischen Wirkung von Literatur ist so alt wie die Literatur selbst. In den besten Momenten des Bandes beglaubigt Schubert sie eindrucksvoll: Siehe, es gelingt! Das gilt für die Titelerzählung "Vom Aufstehen", die auf einer einfachen und wirkungsvollen Konstruktion ruht. Die Erzählerin liegt am Morgen wach, hat noch etwas Zeit, bevor sie aufstehen muss, wird gleich zu ihrem Mann gehen, den sie pflegt, und das Frühstück zubereiten. Eingebettet in die innere Vorbereitung auf den Tag sind Schübe von Erinnerungen, die bis in die frühe Kindheit zurückreichen und immer wieder die Mutter erfassen. Zu ihr besteht ein Verhältnis, in dem Nähe, Ablehnung, Abhängigkeit und Verletzungen untrennbar gemischt sind. Der Vorgang des Erzählens dient in diesem Fall einer inneren Versöhnung mit der Mutter und einer Akzeptanz des eigenen holprigen und steinigen Lebenswegs.

In der Jurydiskussion in Klagenfurt hat Insa Wilke überzeugend auf die christlichen Wurzeln dieses autobiographischen Erzählens hingewiesen. Seit den "Confessiones" von Augustinus sind die Schilderung des Lebenswegs und die Suche nach einem höheren Sinn miteinander verbunden. Auch Helga Schubert schreibt Bekenntnisse, will ihre Handlungen und Entscheidungen rechtfertigen und sich als Teil eines großen Ganzen verstehen. Dazu passt auch die Bedeutung von Liedern, die genannt und zitiert werden. Auch wer nicht an das Gesungene glaubt, kann sich darin geborgen fühlen. Die Mutter konnte grausam sein, aber sie hat dem Kind auch vorgesungen.

Nicht viele Erzählungen erreichen dieses Niveau. Manche Texte stellen überlange und absatzreiche Protokolle dar ("Eine Wahlverwandtschaft"), andere sind thematisch weniger ergiebig (Fastenwochenenden mit Freundinnen), und ganz gelegentlich schlägt die Psychologie sprachlich ungut durch ("Denn das Märchen stärkt das Kind in mir"). Mitgenommen wird man als Leser immer dann, wenn Schubert erzählt, gestaltet, erfindet und eben nicht nur berichtet. Dann entsteht zum Beispiel eine gedankenreiche Miniatur mit dem Titel "Dämmerungen eines einzigen Tages", die auch lyrisch anspricht.

Wer autobiographisch und kunstvoll schreibt wie Schubert, setzt Schwerpunkte in der eigenen Lebensgeschichte, aber lässt manches aus. Eine dieser Auslassungen ist auffallend, denn Schubert schweigt ausgerechnet über die Künstlerkolonie Drispeth in ihrer mecklenburgischen Heimat, die sie in den siebziger Jahren mit Christa Wolf und anderen teilte (F.A.Z. vom 1. August 2020). Wolf hat darüber eine Erzählung mit dem Titel "Sommerstück" geschrieben. Auch in kulturgeschichtlicher Perspektive ist dieses Experiment des Rückzugs interessant. Später stellte sich heraus, dass die Künstlergruppe von der Stasi unterwandert war, was zur Beendigung mancher Freundschaft führte. Die Geschichte dieser Lebensphase Helga Schuberts möchte man unbedingt lesen, sei sie versöhnlich oder im Zorn geschrieben, in jedem Fall mit den ihr eigenen Mitteln einer ästhetisch suggestiven Autobiographie.

DIRK VON PETERSDORFF

Helga Schubert:

"Vom Aufstehen". Ein Leben in Geschichten.

Dtv, München 2021. 224 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Erinnerungen
von liesmal 50 - 09.05.2021
¿Vom Aufstehen¿ heißt das Buch der Autorin Helga Schubert, das im Verlag dtv erschienen ist. Es enthält nicht nur Geschichten aus ihrem eigenen Leben, sondern für mich ist es auch ein interessantes Stück deutscher Geschichte, erzählt in kurzen Episoden und mit einem lebendigen, bildhaften Schreibstil. Für mich ist es das erste Buch, dass das Alltagsleben einer Autorin in der DDR beschreibt, ungeschönt, mit allen Schwierigkeiten, aber auch mit einigen Vorteilen, wie sie zum Beispiel über Reisen einer Schriftstellerin ins Ausland zu berichten weiß. Zu ganz verschiedenen Themen gibt es kurze Erzählungen, manche davon umfassen nur zwei bis drei Seiten. Helga Schubert bewegt sich in ihren Geschichten zwischen Fiktion und Wahrheit. Jede einzelne ihrer Geschichten ist interessant und beeindruckend, aber sie berühren mich unterschiedlich stark. Ein ganz besonderes Bedürfnis war es der Autorin wohl, über das nicht ganz einfache und selten innige Verhältnis zu ihrer Mutter zu sprechen. Der Wunsch nach einer harmonischen Beziehung ist manchmal nur zwischen den Zeilen zu lesen. Die Unterschiede zwischen Nähe und Distanz sind genial beschrieben, wenn Helga Schubert von meine Mutter und ihre Tochter schreibt. Eine meiner Lieblingsgeschichten ist ¿ihre¿ Ostergeschichte, das, was Helga Schubert darin sieht und die Lehre, die sie daraus zieht: ¿In dieser einen Woche passiert alles¿¿: ¿Wie schnell sich das Schicksal für einen Menschen ändert, dass man verraten werden kann. Dass es immer unvermuteten Beistand gibt und einen Ausweg.¿ Sie hat den Sinn erkannt und will jedes Jahr hoffnungsvoll erinnert werden.¿ Das ist für mein Verständnis so genau auf den Punkt gebracht, dass ich davon ganz überwältigt bin und diese Geschichte ¿ wie auch einige andere ¿ bereits mehrmals gelesen habe. Sehr gern empfehle ich das Buch, das für mich, in kleinen Häppchen genossen, zu einem besonderen Leckerbissen geworden ist.
Die Kälte überstehen
von amara5 - 04.05.2021
Dieser fragile Moment beim Aufwachen, der manchmal entscheidet, wie man in den Tag startet: noch halb im Traum, halb in Gedanken, noch ruhevoll - mit so einem Moment startet und endet der berührende, atmosphärische und lebenskluge Episoden-Roman von Helga Schubert. Anfangs an dem idealen Ort, einer Erinnerung, bei der fürsorglichen Großmutter im Garten unter dem Apfelbaum. Am Ende mit 80 Jahren beim Aufwachen zuhause, Reflektionen über das vergangene Leben, über die Gegenwart mit einem geliebten, pflegebedürftigen Ehemann, den liebgewonnenen Ritualen und einer verstorbenen Mutter, der die Autorin und Bachmannpreis-Trägerin Helga Schubert verziehen hat. Dazwischen liegt ein bewegtes Leben, dass Schubert assoziativ in 29 unterschiedlich langen, literarisch dichten Schlaglichtern der Erinnerung poetisch, weise, aus vielen Blickwinkeln und mit einer präzisen, klaren und sinnlichen Sprache festgehalten hat. "Ich bin ein Kriegskind, ein Flüchtlingskind, ein Kind der deutschen Teilung." S. 25 Auf diesen drei zerbrechlichen Pfeilern steht das Leben von Helga Schubert. Ihre Mutter ist traumatisiert vom Krieg und der Flucht vor der Roten Armee - das hat sie nicht nur gefühlskalt werden lassen: Von ihrer Tochter verlangt sie dafür, dass sie sie bei der Flucht nicht vergiftet oder vorher abgetrieben hat, lebenslange Dankbarkeit und Heldenverehrung. Es fallen auch Sätze wie "Wenn du doch damals bei der Flucht gestorben wärst". Mutter und Tochter werden sich nie mehr annähern und erst nach dem Tod der Mutter beginnt Schubert darüber zu schreiben. Ein weiteres Trauma ist der Verlust des Vaters, den Schubert nie kennengelernt hat. Sehr jung hat ihn eine Granate an der Ostfront getötet. Die Erfahrungen der Autorin mit Glaube und der Arbeit als klinische Psychotherapeutin fließen subtil in das autobiografisch-autofiktional Erzählte mitein. In der Erzählung "Eine Wahlverwandtschaft" kommen die Traumata, Sprachlosigkeit und tief liegenden Wunden zwischen Mutter und Tochter deutlich heraus, die Schubert literarisch mit einer kunstvollen Perspektive verdeutlicht: "Die Tochter meiner Mutter". Zudem ist Helga Schubert eine pointierte Chronistin über ihr Leben unter dem DDR-Regime. Lakonisch und doch nachdenklich fängt sie zeithistorische Episoden deutsch-deutscher Geschichte ein, schildert beispielsweise ihre schriftstellerische Tätigkeit unter Repressalien wie das Ausreise-Verbot im Jahr 1980, um am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teilzunehmen. Aber auch absurde DDR-Situationen wie das Vorstellungsgespräch mit ihrem Sohn zu einer Förster-Ausbildung verweben sich in die Erinnerungen. Im Leben von Helga Schubert war nicht immer "alles gut" - mehrmals musste sie immer wieder nach schwierigen Situationen Aufstehen, aber ihr Schlusssatz in der letzten, prämierten Titel-Geschichte "Vom Aufstehen" wird dies reflektieren: " Es stimmte: Ich hatte von allem genug." Sie hat vergeben, ist bei sich angekommen, kann sich Geborgenheit schenken - fast scheinen alle vorherigen Erzählungen auf diese finale Erinnerung, die nochmal alle Lebensthemen zusammenführt, zuzulaufen. Die ruhevolle Auslotung eines schmerzhaften Mutter-Tochter-Verhältnisses, fein arrangierte Alltagsbeobachtungen vom Alt-Sein, Schreiben, Heimatgefühl und von der Freiheit, umwoben mit deutsch-deutscher Geschichte sowie Traumata und alles eingepackt in einer wunderschönen Sprache, die ohne Groll oder Larmoyanz, sondern mit viel Dankbarkeit, Ruhe und Authentizität auskommt - das alles macht "Vom Aufstehen" zu einem wunderbaren Kleinod. Nicht jede Geschichte ist gleich stark - aber die Starken sind gewaltig und von einer intimen, persönlichen Schönheit und Weisheit, die lange nachhallen und universell auf unser Leben übertragbar sind. "Am gedeckten Kaffeetisch. Bis zum Ende des Sommers. So konnte ich alle Kälte überleben. Jeden Tag. Bis heute." S. 10
Ein Leben
von Annafrieda - 28.04.2021
Helga Schubert ist ein Flüchtlingskind und in der DDR aufgewachsen. Es gibt eine Mutter, die sie zeitlebens nicht geliebt hat, der Vater ist im Krieg geblieben, als sie zwei Jahre alt war. Nur die Ferien bei ihren Großeltern in Mecklenburg waren geliebte Highlights, denn dort begegnete man ihr mit Liebe und Fürsorge. Frau Schubert nimmt uns mit auf die Reise hinter die Kulissen ihres Lebens. Und bei dem, was man da erblickt, stockt mir teilweise der Atem. Wie kann ein kleiner Mensch aufwachsen mit einer Mutter, die einem den Tod wünscht? Unbegreiflich. Bei allem Verständnis auch für das schwere Leben der Mutter im Hinblick auf den Krieg, auf Vertreibung und Flucht, gibt es nichts, was so etwas verzeihen könnte. Und ganz schlimm finde ich, dass sie dieser Linie bis zu ihrem Tod treu blieb - ich konnte kein Bedauern, keine Entschuldigung finden. Da Frau Schubert sehr neutral schreibt, kann ich nicht genau einschätzen, ob sie ihrer Mutter jemals verziehen hat oder ob sie sich nur in eine neutrale Position begeben hat. Besonders angesprochen hat mich die Geschichte Wahlverwandtschaft , sie ist toll geschrieben. Durch die gewählte Perspektive erzählt die Autorin sehr distanziert. Ich musste sehr bewusst lesen, um immer mitzukriegen, wer da eigentlich gemeint ist. In meinen Augen passt das absolut zu ihrem Verhältnis ihrer Mutter gegenüber. Die Geschichte hat eine außerordentliche Aussagekraft. Vielleicht schafft man eine so kühle Mutter nur zu überstehen, wenn man innerlichen Abstand schafft. Das hat mich berührt! Als studierte Psychologin und Schriftstellerin genoß Frau Schubert gewisse Privilegien in der DDR, sie konnte reisen, stand aber immer unter Beobachtung. Wir erfahren in den Geschichten ihr Erleben vor und nach dem Mauerfall. Am Ende dieses Buches glaube ich verstanden zu haben, was die Autorin mit ihren Geschichten zum Ausdruck bringen will: Es geht ums Verzeihen. Egal, was das Leben für einen bereithält, egal, wie tief die Narben sind, die uns zugefügt wurden - am Ende werden wir verzeihen müssen, um unser Leben selbstbestimmt und frei von selbstzerstörenden Mechanismen leben zu können. Ich finde es sehr berührend, dass die Autorin viele Stationen ihres Lebens vor uns Lesern ausbreitet. Immer ohne Effekthascherei oder Gefühlsduselei. Die Realität findet man zwischen den Zeilen. Frau Schubert findet wunderbare Worte, die berühren. Es gibt die eine oder andere Geschichte, die mich sehr berührt haben, aber ich habe hier in jeder Geschichte betrachtenswerte Aussagen gefunden. Das ganze Buch eine runde Sache, es wird noch lange in mir nachhallen. Daher von mir die verdiente volle Punktzahl.
vom feinsten
von Milagro - 27.04.2021
Ein Blick aufs Cover, die Beschreibung, die ersten Sätze....ein Buch ganz nach meinem Geschmack. Ein Leben in Geschichten fasst es gut zusammen , was für Geschichten aber, Kindheit, Erwachsenwerden, Alter, eingebettet in Literatur vom feinsten, einfach großartig. Für die 220 Seiten habe ich mir reichlich Lesezeit genommen, bei den kurzen Episoden kommt man in Versuchung gleich zum nächsten Abschnitt zu eilen, aber man hat deutlich mehr davon, wenn man das Buch nach jedem Abschnitt zur Seite legt. Dann überdenkt man die einzelnen Sätze, Bilder tauchen plötzlich vor dem inneren Auge auf, Gedanken zu der eigenen Vergangenheit tauchen auf. Das Buch ist mehr als ein Platz auf einer sogenannten shortlist , es ist berührend, umwerfend, traurig, es ist echt. Es ist einfach ein großartiges Buch.
Was vom Leben bleibt
von lisbethsalander - 27.04.2021
Eins vorweg, ich schreibe dies nicht oft, dieses Buch werde ich noch so manches Mal zur Hand nehmen, und immer wieder darin lesen! Ein Leben in einzelnen Geschichten, diese Idee hatte mich neugierig gemacht, und doch hatte ich vorher nicht gedacht, dass mich das Leben von Helga Schubert, ihre Biographie in vielen kleinen Episoden so sehr bewegen würde. Ich habe viele Passagen mehrmals gelesen, es sind leise Ereignisse, so persönlich, und dadurch entwickeln sie solche Schlagkraft, die man immer wieder auf sich wirken lassen muss. Helga Schubert hat zwei Diktaturen erlebt in diesem unseren Deutschland, sie war ein Flüchtlingskind, nirgends und doch eigentlich überall zu Hause, wo sie sich oder ihre Familie niedergelassen hat. Die eigene Mutter sagt ihr einmal, ach hätte ich dich doch auf der Flucht vergiftet .....wie muss sich das anfühlen, so etwas zu hören? Gerührt hat mich die mehr als enge innige Beziehung zu Urenkelin Millie, die ihr eigentlich fast der wichtigste Mensch ist. Wir lesen über den Krieg, die Flucht, über Alltagsgeschichten in der DDR, kleine Freuden im wiedervereinigten Deutschland. Oftmals klitzekleine Banalitäten, zusammengefügt (für mich) zu etwas ganz Großem. Die poetische Sprache der Autorin hat mich berührt, man fliegt nur so über die Zeilen, und blättert dann doch zurück, weil man das Bedürfnis hat, einiges nochmal zu genießen, zu überdenken. Ganz ganz großes Kino, fünf Sterne sind eigentlich zu wenig, eine absolute Leseempfehlung!!!
Eine in Literatur verwandelte Lebensgeschichte
von Sagota - 26.04.2021
Helga Schubert lässt uns in ihrem autobiografischen Roman Vom Aufstehen durch ihr Leben in Episoden wandern; der UT lautet Ein Leben in Geschichten . Das Buch ist (HC, gebunden) 2021 im dtv-Verlag erschienen. Die Autorin nennt sich selbst eine Formbeachterin - und das ist sie m.E. par excellence. Ich habe selten einen solch geradlinigen, schnörkellosen, interessanten und etwas spröde zuweilen, andererseits mit einer unglaublichen Tiefe behafteten Schreibstil gelesen, in den man sich einfinden muss, der jedoch dennoch einfach zu lesen ist. Die Episoden ihres Lebens beginnen federleicht und die Szene in Großmutters Garten in der Hängematte, in der Helga Schubert als Kind in den Sommerferien las, fand ich wunderschön erzählt: So konnte ich alle Kälte überleben. Bis heute. (Zitat S. 10) Und an einer großen Kälte mütterlicherseits mangelte es im Leben der Autorin nicht: Die Texte der einzelnen Lebensstationen erreichten mich mal mehr, mal weniger, da meine eigene Sozialisation so wenig mit der von Helga Schubert gemein hat: Sie war ein Kriegskind, ein Flüchtlingskind und ein Kind des geteilten Deutschland. In der DDR aufgewachsen, wurde sie Schriftstellerin und musste sich dem System anpassen (ihre politischen Äußerungen sind spärlich; finden aber dennoch kritische Worte im Roman). Relativ priviligiert, durfte sie zuweilen ins Ausland reisen, stand jedoch unter Stasi-Beobachtung und musste zuvor eine Erlaubnis einholen. Auffallend war für mich die Aussage, dass sie nach der Wende die Reiselust verlassen hat, da sie nicht mehr um Erlaubnis fragen musste . Sie lässt den Leser teilhaben an ihren Betrachtungen und Gedanken zum Winter, zur Familie, zum Älterwerden bzw. alt sein (sie ist heute 80 Jahre alt). Für die Geschichte Vom Aufstehen erhielt sie 2020 den Ingeborg-Bachmann-Preis und ist vollkommen zurecht nominiert für den Buchpreis der LBM. Fassungslos folgt man dem immer wieder aufflackernden Unvermögen ihrer Mutter, ihr Kind, also die Autorin zu lieben und diese erfahrene Ablehnung und Kälte verfolgt Helga Schubert bis zum Tod der Mutter, letztendlich ist eine Aussöhnung möglich. Die Mutter wird in Streiflichtern beschrieben und was ich las, passte überhaupt nicht zu deren Gefühlskälte, die sich allerdings bei der Enkelin wiederum eher in liebevollem Umgang zeigte. Helga Schubert arbeitete als Psychologin und ich fand die Art und Weise, wie sie mit dem Stapel Briefe ihrer Mutter umging, unglaublich gut beschrieben und die Achtsamkeit dokumentierend: sie (die Autorin) stapelt die Briefe der Mutter unter orientalischen Tüchern wie in kostbaren farbigen Meereswellen - ihre Schatzkammer - in der sie nicht ertrinken muss, in der auch alles versinken kann - so der Text, der mich sehr beeindruckte. Die letzten Geschichten im Buch, in denen Helga Schubert u.a. das Älter werden bzw. alt sein beschreibt, konnten mich persönlich am ehesten erreichen, da auch ich nicht mehr ganz jung bin. Hier wurde auch deutlich, dass sie ihren Lebenspartner betreut, der nicht mehr reisen kann und man erlebt sie als liebevollen Menschen. Was mich jedoch am meisten beeindrucken konnte, ist ihre Willenskraft und ihre Unbeugsamkeit; sowohl im eigenen Leben als auch im schriftstellerischen Wirken. In den elementaren Beobachtungen ihrer Texte, die sehr authentisch und schonungslos offen auf mich wirken, gibt sie dem Leser Raum zum Nachspüren und Nachdenken. Durch die sprachliche Dichte und Formbeachtung ein außergewöhnlicher Lebensroman, dem auch ein außergewöhnliches Leben zugrunde liegt. Ich wünsche Frau Schubert viel Glück bei der Preisvergabe der Leipziger Buchmesse, auch wenn mich der Roman nicht in allem erreichen konnte. 3,5 *
Ein langes Leben zwischen Ost und West !
von Pia Keller - 13.04.2021
Das Buch handelt vom Leben der Autorin Helga Schubert. Mittlerweile ist sie 80 Jahre alt und lässt ihr Leben zwischen der damaligen DDR und dem Westen Revue passieren. Sie erlebte den 2. WK als Flüchtlingskind. Sie erzählt mit welchen schrecklichen Erlebnisse die Menschen in dieser schlimmen Zeit konfrontiert wurden. Immer wieder erwähnt sie das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter. Bis zu deren Ende konnte sie ihre Mutter nicht lieben. Ich glaube, dass sie zum Schluss ein wenig Verständnis für ihre Mutter aufgebaut, sie zwar nicht geliebt aber akzeptiert hat. Ich fand, dass ihre Mutter oft sehr unfair Helga gegenüber war. Ganz klar, dass sich diese Ungerechtigkeiten bei einem Kind wie ein roter Faden durch das ganze Leben zieht. Als Schriftstellerin konnte sie öfters in den Westen reisen. Für eine kurze Zeit das Eingesperrt sein im Osten vergessen und ein klein wenig auch den neuen Westen kennenlernen. Die gravierenden Unterschiede der beiden deutschen Staaten waren ihr bekannt, doch sie ging immer wieder in den Osten zurück. Sie erzählt in einem sehr nüchternem Schreibstil, obwohl sie in ihrem Leben viel schweres erlebt hat. Dies fand ich sehr bemerkenswert. Nicht jeder könnte bei diesen schlimmen Erlebnissen so gelassen schreiben. Ihre Erzählungen wurden in viele kurze Abschnitten eingegliedert. Einmal erzählt sie von der Gegenwart, im nächsten Kapitel schweift sie in die Vergangenheit. Manchmal hätte ich mir Jahresangaben neben den verschiedenen Überschriften gewünscht. Aber es wurde schnell klar in welcher Zeit man sich befand und ich kam mit den verschiedenen Zeitsprüngen sehr gut zurecht. Ein bemerkenswertes Buch indem die Autorin versucht mit der Vergangenheit abzuschließen. Unter anderem ist die Liebe zu ihrem pflegebedürftigen Mann förmlich zu spüren. Eine etwas andere Biografie und sehr spannend zu lesen. Eine beeindruckende, herzergreifende Geschichte, die mich an vielen Stellen sehr berührt hat und die auch zum Nachdenken anregt.
Ein Kriegskind, Flüchtlingskind und ein Kind der deutschen Teilung
von claudi-1963 - 11.04.2021
Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus. (Marie von Ebner-Eschenbach) Die erst kürzlich mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet Autorin beschreibt in 29 Geschichten aus der Sicht ihres Lebens. Dieser Preis hätte ihr schon 1980 zugestanden, doch die DDR Regierung wollte, dass sie ihn ablehnt. Ihre Geschichten erzählt die Autorin hier in der Ich-Form, in knappen kurzen Sätzen und mitunter wiederholen sich einzelne der Begebenheiten. Die Geschichten sind nicht chronologisch angeordnet, sondern ich habe eher den Eindruck, als wenn sie das niedergeschrieben hat, was ihr gerade in den Sinn kam. So schildert sie von der Nachkriegszeit und dem viel zu frühen Tod ihres Vaters, den sie selbst nie kennenlernen durfte, da er im Krieg gefallen ist. Und auch wenn sie ihn nicht kannte, bleibt sein Verlust doch immer ein Trauma für sie. Weil sie nie erfahren wird, ob wenigstens er sie geliebt hätte. Den ihre kaltherzige und lieblose Mutter vertraut lieber der eigenen Mutter ihr Kind an, als sich selbst um sie zu kümmern. Dort jedoch erlebt Helga meist ihre schönsten Zeiten. Besonders, wenn sie in den Ferien zwischen zwei Apfelbäumen in der Hängematte liegt und den Duft von Großmutters frischem Streuselkuchen ihr in die Nase steigt. Zumindest bei ihr fühlt sie Liebe und Geborgenheit, die ihr die eigene Mutter nie geben konnte. Die Mutter dagegen vermittelt ihr bei jeder Gelegenheit, das sie Helga eigentlich erst abtreiben, auf der Flucht zurücklassen und vor den Russen fast vergiften wollte. Was müssen solche Aussagen bei einem Kind für Spuren hinterlassen? Es muss für sie doch jedes Mal wie ein Stich gewesen sein, mitzuerleben, dass die eigene Mutter sie nie haben wollte. Lag diese Ablehnung daran, weil Helga ihrer Schwiegermutter und ihrem Vater so ähnlich war? Selbst mit dem vierten Gebot hadert sie, weil sie ihre Mutter ebenfalls keine Liebe zeigen konnte. Doch eine Theologin kann sie diesbezüglich etwas beruhigen. Und erst als die Mutter stirbt, beginnt sie ihre Leben mit diesem Buch aufzuarbeiten. Bei vielen Geschichten schreibt sie über den Alltag und das Regime der ehemaligen DDR, unter dem sie ebenfalls zu leiden hatte. Sie berichtet von ihrem ehemaligen Nachbarn, der sich erhängt hat, genauso wie über ihren Ehemann, dem Sohn der Enkelin, dem Altwerden und der Pflege, so wie den Vorlieben für gute Gerüche. Da schreibt sie z. B. über ihre Erinnerung an den Duft nach Nelkenseife, das Lavendelsäckchen neben dem Kissen und der Duft ihrer Bettwäsche, der in einem diese Gerüche widerspiegelt. Sie lässt den Leser in ihren Geschichten die Erinnerungen nicht nur fühlen, sehen, schmecken, sondern ebenso riechen. Leider kam ich nicht immer mit ihrem Schreibstil klar, der doch mitunter sehr anspruchsvoll war. Oft musste ich Sätze mehrmals lesen und sogar herausfinden, über wen sie gerade in der Geschichte erzählt. Doch die Emotionen, Tragik, mitunter Humor und insbesondere die Traurigkeit, die sich darin widerspiegelt, die spüre ich auf alle Fälle in ihnen. Und trotzdem sie mit so wenig Mutterliebe gesegnet wurde, habe ich das Gefühl bei ihren Geschichten, das sie mit ihrem Leben glücklich und zufrieden ist. Was sie sicherlich ihrer Großmutter, ihrem Mann, der Familie, dem starken Willen und ihrem Glauben zu verdanken hat. Vom Aufstehen , einem autobiografischen, sehr persönlichen und intimen Einblick in ihr Leben und über Verletzung und Heilung, dem ich 4 von 5 Sterne gebe.
Tiefblicke und Einblicke in ein Leben
von Caroas - 02.04.2021
Helga Schubert erzählt in Kapitel eingeteilt von ihrem Leben. Das Verhältnis zu ihrer Mutter bzw. dieser zu ihr stellt sie so dar, dass sie von sich selbst in der dritten Person erzählt. Was für mich anfangs ungewöhnlich war. Sie verwendet tiefgründige Aussagen und treffsichere Zitate. Sie erzählt auch kurz, präzise und ohne viel Gefühlsduselei von ihrem Leben, ihren Grosseltern, Mutter und späteren Lebenspartner. Sie hatte sicher kein einfaches Leben, aber sie lies sich auch nie unterkriegen. Fazit, ein tiefblickendes Buch für das man sich die Zeit zum Lesen nehmen sollte. Lesen sollte man es auf jedenfall.
Das Buch ihres Lebens
von yellowdog - 17.03.2021
In kurzen Episoden schreibt die heute 80jährige Autorin Helga Schubert von ihrem Leben. Und das Leben umfasste viel. Geboren zu Kriegszeiten, der Vater starb als sie ein Baby war, die Mutter musste flüchten. Dann lange Jahre in der DDR als Schriftstellerin. Auch da war die kurze Form ihre favorisierte. Es geht bei den Episoden zeitlich hin und her. Eben noch Kind, ist sie im nächsten Kapitel schon 80. Eben noch Krieg, dann schon Mauerfall. Ihre Großmutter bekommt früh ein sehr schönes Kapitel, aber die eigentlich übergroße Figur ist die Mutter, die viele Kapitel deutlich bestimmt. Es ist ein Buch, das ich sehr schätze, da es die Tragik der vergangenen Zeit verdeutlicht
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