
Besprechung vom 26.04.2026
NEUES REISEBUCH
Was dem Oberbayern seine Maß, ist dem Franken sein Seidla: ein Behälter für Bier und zugleich eine Mengenangabe; die Franken trinken halbe Liter, der Oberbayer das Doppelte.
Darum geht es in dem Buch "Sieben Seidla", das allerdings nicht sieben Bierkrüge vorstellt, sondern sieben Brauereien aus der Fränkischen Schweiz. Der Autor Helmut Haberkamm ist Franke, fränkischer Heimatdichter, und er übersetzte Bob Dylan ins Fränkische. Von großer Heimatliebe getragen ist auch sein Bierbuch.
In Bayern brauen noch knapp 600 Betriebe Bier, das ist fast ein Drittel aller deutschen Brauereien. Über die Hälfte aller rund 1500 deutschen Braustätten sind sehr klein, viele davon zählen zur Craft-Beer-Szene. Anders in Franken, dort gab es schon viele und oft recht kleine Brauereien, als noch niemand von Craft Beer sprach, bis heute sind es rund 300.
Spitzenreiter der Brauereidichte ist das Dorf Aufseß, das Haberkamm vorstellt. Hier kommen vier Brauereien auf 1500 Einwohner, zu den Braukesseln führt der 14 Kilometer lange Brauereienweg, ein Rundwanderweg. Der Autor besucht die Brauerei Rothenbach, die in sechster Generation Seidla Hell, Zwickl Naturtrüb, Hopfentrunk und weitere Sorten braut. Das ist zwar interessant, aber Haberkamm verfällt immer wieder in den Ton einer Werbebroschüre. So schreibt er, Christian Rothenbach verkörpere die sympathische Synthese aus Tradition und Erneuerung. Weiter geht es in diesem lobhudeligen Stil: "Als Brauer kann Christian Rothenbach zudem kreativ sein und Erzeugnisse mitgestalten, die neue Nuancen und Aromen aufweisen oder bestimmte Impulse und Trends integrieren."
Interessant wird es, wenn es um die jeweiligen Biere geht, die in Weinverkostungspoesie vorgestellt werden, da schimmert eines "goldgelb im Glas, hat ein leichtes Hopfenaroma und erinnert beim Schlucken an Getreide und Honig, so weich und cremig läuft dieses süffige Helle ins leibliche Zentrum von Durst und Wohlbefinden".
Viel zu selten lässt der Autor die Personen selbst sprechen. Da heißt es etwa bei Hübner Bräu: "Sie haben drei Kinder im jugendlichen Alter, die kräftig mithelfen, wenn sie gebraucht werden." Da hätte man doch gerne die Meinung der Jugendlichen selbst gehört.
Der Autor sinniert auch über die Geschichte der Region, über Dichter der Romantik, die Franken preisten. Dazu passend sind die Fotos von Paul Mayer. Seine Heimatliebe zeigen die Fotografien der Mittelgebirgslandschaft oft romantisch in zarten Herbstnebel gehüllt. Im Reportagestil und in Schwarz-Weiß hingegen hat er die Brauereien, ihre Sudkessel und Zapfhähne, die Brauer und Brauerinnen fotografiert. Sie zeigen ausdrucksstark die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Arbeit.
Barbara Schaefer
Paul Mayer und Helmut Haberkamm: Sieben Seidla. Brautradition in der Fränkischen Schweiz, Gmeiner-Verlag, 140 Seiten
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