Ebbe und Flut als Buch (gebunden)
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Ebbe und Flut

Roman.
Buch (gebunden)
Ein Hotel auf der Düne, das ist Jakob Nümanns Traum. Eine Reihe von Zufällen macht aus dem Traum Wirklichkeit. Im Frühjahr 1923 strömen die ersten zahlungskräftigen Gäste vom Festland auf die Nordseeinsel ins noble "Bellevue". Der Aufstieg beginnt. A … weiterlesen
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Ebbe und Flut als Buch (gebunden)

Produktdetails

Titel: Ebbe und Flut
Autor/en: Irina Korschunow

ISBN: 3455040020
EAN: 9783455040029
Roman.
Hoffmann und Campe Verlag

1. Januar 1995 - gebunden - 316 Seiten

Beschreibung

Ein Hotel auf der Düne, das ist Jakob Nümanns Traum. Eine Reihe von Zufällen macht aus dem Traum Wirklichkeit. Im Frühjahr 1923 strömen die ersten zahlungskräftigen Gäste vom Festland auf die Nordseeinsel ins noble "Bellevue". Der Aufstieg beginnt. Aber das Glück ist nicht von langer Dauer, düstere Zeiten ziehen herauf, bringen Krieg und Verfolgung. Irina Korschunow erzählt mit der ihr eigenen Vorstellungskraft und Fabulierlust von Menschen unseres schicksalhaften Jahrhunderts, in dem Träume wahr werden und auch schnell wieder zerrinnen.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 10.02.1996

Viele kleine Schmuddelecken
Manche überflutet, andere nicht: Irina Korschunows Zeitroman

Fünf Romane veröffentlichte die Autorin Irina Korschunow zwischen 1983 und 1992 und einen sechsten Ende vergangenen Jahres. Zuvor und zwischendurch verfaßte sie eine Menge Kinder- und Jugendbücher und von denen obendrein noch Theater-, Fernseh- und Hörspielfassungen. Eine fleißige Schriftstellerin also, dazu eine, die ihren Widerhall findet, dafür sprechen die ihr verliehenen Preise und anderen Auszeichnungen sowie der Umstand, daß es von ihren Büchern Übersetzungen in mehr als zehn Sprachen gibt.

Auch mit Kinderbüchern kann man sich Platz auf dem Parnaß schaffen, dafür stehen Erich Kästner, Michael Ende, James Krüss. Und doch hat solcher Erfolg seine Haken und Ösen, dann nämlich, wenn der Schriftsteller das Genre wechselt und sich den Erwachsenen zuwendet. Leicht wird das neue Werk mit alter Elle gemessen und der Autor in den Geruch gesetzt, das Katheder der Schule mit dem Podium der Volkshochschule vertauscht zu haben. Offensichtlich hat auch Irina Korschunow dergleichen erfahren, jedenfalls wendet sie sich gegen die Aufspaltung in "Kinderbuchautorin" und "Schriftstellerin". Sie will einfach als "Autorin" begriffen werden.

Da muß man ihr beipflichten. Erzähler sind zwar immer auch Erzieher, weil jeder Kontakt zwischen Menschen, ob direkt oder indirekt, Einflüsse hinterläßt. Gezielte pädagogische Absicht jedoch verstimmt. Irina Korschunow verärgert ihre Leser nicht; sowohl die kleinen wie später die großen haben sich von ihrer Autorin bereitwillig in deren Geschichten hineinziehen lassen. Mehr kann sich eine Erzählerin nicht wünschen. Und wir können nicht mehr fordern als die Gaben, die für diese Erzählerin charakteristisch sind: ein Scheffel Einfälle, ein Maß Spannung und ein Lot Erkenntnis, dargeboten zum freien Gebrauch. Der Parnaß hat höhere Etagen, aber keine solideren als jene, in der Irina Korschunow wohnt.

Sie beweist es uns von neuem in ihrem jüngsten, dem sechsten Roman. Der bietet die Geschichte einer deutschen Familie, beginnend 1872 und endend 1969. Im Gegensatz zu den vorausgegangenen Romanen, in deren Mittelpunkt Frauen standen, hat die Autorin dieses Mal einen Mann zum Helden gewählt. Ein Unternehmen nicht ohne Risiko. Zwar fesselt Irina Korschunow das Leserinteresse mit einer Fülle äußerer Ereignisse, doch legt sie Wert auf die Wahrnehmung dieser Ereignisse durch Herz und Hirn ihrer Figuren. Sie kriecht also in sie hinein, vorzugsweise in die Hauptperson, und da die nicht vom eigenen Geschlecht ist, muß es gewisse Schwierigkeiten bereitet haben, sich hineinzudenken und hineinzufühlen.

Die Autorin faßt ihren Helden vornehmlich als Kind seiner Zeit auf, als Zeugen wie als Produkt einer bestimmten Ära der deutschen Geschichte. Aber wir haben es nur insoweit mit einem historischen Roman zu tun, wie Historie zwangsläufig zum Ambiente eines Menschenlebens gehört: als hindernder oder fördernder, auf jeden Fall prägender Faktor. Irina Korschunow betont diesen Faktor, nicht über Gebühr, aber deutlich erkennbar. Er ist nämlich unter den Ingredienzien ihrer Fabel dasjenige, mit dessen Hilfe sie das Unvertraute, existentiell andere, sprich den Mann im Romanmittelpunkt, aufzuschlüsseln und verständlich zu machen vermag. In deutscher Geschichte kennt sie sich aus. Die Tochter eines Russen und einer Deutschen durchlebte sieben Jahrzehnte davon, und was sie nicht am eigenen Leibe erfuhr, eignete sie sich durch Studien an.

Ihr Romanheld heißt Jakob Nümann, ist der Sohn eines Habenichts aus Schlesien, wurde geboren zur Gründerzeit im Gesindehaus eines Berliner Grandhotels und wünscht sich sehnlich, selbst ein solches Prunkhaus zu besitzen. Der Traum erfüllt sich 1923, ausgerechnet auf dem Höhepunkt der schlimmen Inflation, durch eine unerwartete Dollarerbschaft. Jakob baut sein Hotel auf einer Nordseeinsel, die im Roman nicht genauer benannt wird, mit der aber offenbar Sylt gemeint ist.

Damit hat die Autorin einen idealen Ort für ihr Drama, nicht zu groß, also überschaubar, dennoch vielfältig genug, um Charaktere aller Art dort zu versammeln. Und es gibt ja auch, per Post, per Schiff, schließlich durch einen Eisenbahndamm, genügend Verbindungen zum Festland, um die Insel - und damit Jakob - ständig an der Nabelschnur des allgemeinen deutschen Schicksals zu halten. Man sieht die Inselleute unter den wirtschaftlichen Malaisen der Weimarer Zeit leiden; hört die hilflosen Politparolen, die nichts erklären, schon gar nichts bessern; gewahrt die ersten Spritzer der braunen Flut, die dann 1933 die Insel überrollt.

Jakob hat in zweiter Ehe die Hamburger Jüdin Sophia geheiratet, seine große Liebe. Aber die Liebe zu seinem Hotel wiegt schwerer; als Sophia aus Deutschland fliehen muß, entscheidet sich Jakob für sein Schloß auf der Düne. Am Ende des Schreckens ist er allein. Weder Sohn noch Tochter interessieren sich für die Nachfolge. Krieg und Besatzung haben die Nobelherberge ramponiert. Jakob macht sich an den Wiederaufbau, noch einmal setzt er auf einen neuen Anfang. Dann, mitten im Wirtschaftswunder, frißt eine Sturmflut Düne und Hotel.

Die Botschaft des Romans ist mehrschichtig: Er erzählt uns von der Endlichkeit allen Menschenwerks, vom Biedermann, der so gerne gut wäre, aber ungerne dafür Opfer bringen möchte; von der Verführbarkeit der Köpfe und den Anfechtungen der Gefühle; von den kleinen Schmuddelecken in jedermanns Seele und von der großen Tapferkeit in den Herzen mancher Leute, bei denen man dergleichen nicht gesucht hätte. Revolutionär Neues gibt es nicht in diesem Buch. Aber das Bekannte wird außerordentlich anrührend dargestellt: mit Liebe für die Leidenden und Nachsicht für die Irrenden, mit Trauer angesichts der Schuld und einem Quentchen Hoffnung auf Vergebung. SABINE BRANDT

Irina Korschunow: "Ebbe und Flut". Roman. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1995. 317 S., geb.

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