"Man wird ein stummer Hüter von so vielen Dingen," sagt er. "Kleinen Details eines Menschen, Dingen, die es nie wieder geben wird, eine Laune der DANN und der Umstände und der Umwelt und was sonst noch so zur Originalität einer Person beiträgt. Jeder Mensch hat eine Sammlung von Zügen, die ihn völlig einmalig macht. Und wenn dieser Mensch stirbt, wirst du der Bewahrer dieser Originalität." (S. 345) Suzy Hamilton ist alleinerziehende Mutter, steuert auf die 40 zu und rockt als Journalistin ihren Job, denn das ist es was sie super kann. Charly, der Vater ihrer Tochter Maddy, hat die beiden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verlassen. Suzy weiß nicht, wohin er verschwand. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und so haftet selbige am letzten Zipfel des Strohhalms, der Charly vielleicht doch wieder zurückkommen lässt?Klingt vielleicht langweilig, doch zwischen ihre Emotionen und ihren Job packt sie eine Affäre mit einem verheirateten Mann und dem Kellner aus ihrem Lieblings-Café. Dann ihr Journalistinnen-Dasein, bei einer renommierten Zeitung. Eine Story jagt die nächste. Und diese eine Nächste gründet in einer dramatischen Enthüllungsstory über die vermeintlichen Lügen der Bloggerin Tracey Doran. Ein Gewinn für die Zeitung, ein weiterer Meilenstein in der Karriere von Suzy. Alle sind stolz, da die Schlagzeile durch die Decke geht. Doch der vermeintliche Erfolgt findet abrupt sein Ende, als Tracey am nächsten Tag tot ist. Ist Suzy schuld am Tod von Tracey? Der digitale Mob überfährt Suzy mit Morddrohungen, Beschimpfungen und Verunglimpfungen jeglicher Art und sie wird quasi aus dem Verkehr gezogen, soll erst mal "Urlaub" machen. Dem folgt die nächste Enthüllung, die sie schließlich ihren Job kostet. Und dann ist da noch ihrer lieber Onkel Sam, in dessen Haus sie und Maddy wohnen. Der nach einem Sturz ins betreute Wohnen wollte. (Doch über diesen genialen Onkel müsst ihr selbst lesen). Da sie sich und ihre Tochter nicht von Luft und Liebe ernähren kann beginnt sie einen Job in einer Bar, in der eines abends eine Frau auftaucht. Jan Dorian, Tracy's Mutter. Und sie verlangt von Suzy die wahre Geschichte ihrer Tochter zu schreiben. Ihren Fehler zu korrigieren. Die ersten 150-180 Seiten plätscherten so dahin, sodass ich irgendwann keine Lust mehr hatte weiterzulesen. Dennoch war ich aber auch neugierig, denn der Klappentext hat was mit mir gemacht. Schon als ich das Buch entdeckte. Immer wieder hab ich hingelinst, soll ich oder soll ich nicht. Und die Entscheidung weiterzulesen war gut! Denn ich habe jetzt genau das bekommen, was ich in den letzten Monaten immer mal wieder vermisste und in die eine oder andere Rezension geschrieben habe. Ich wollte eine Geschichte. Einfach nur eine Geschichte, nur eine weitere Geschichte. Und die habe ich bekommen..Eine unaufgeregte, teils langsame, an manchen Stellen doch aufgeregte Story. Die sich von selbst erklärte, zwar zu Beginn etwas langsam daherkam, dann aber Spaß machte beim Lesen, ohne dass ich mir was zwischen den Zeilen herausfizzeln musste. Was bin ich happy!.Die Autorin liefert eine Geschichte quasi im "Eisberg-Modell". Diese folgt einem Handlungsstrang, einem ganz normalen Leben, wie ihr und ich es leben. Sichtbar an der Oberfläche, alltägliche Dinge in unseren einzelnen Leben; in diesem Fall einem Leben mit Kind, alleinerziehend. Was nicht an der Oberfläche sichtbar ist, sind die Unsicherheiten einer Mutter, einer Frau, eines Menschen. Sorgen finanzieller oder gesundheitlicher Natur. Wieviel ist wovon genug oder zu wenig? Können wir unser daheim behalten? Wie kann ich das für mich und mein Kind stemmen? Kann ich die Rate für mein Auto bezahlen?.Suzy ist ein Charakter, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Ihre Gedanken und Handlungen konnte ich an so vielen Stellen nachempfinden und ich hätte sie vermutlich ähnlich getätigt. Wieder eine Protagonistin mit der ich gerne auf einen Kaffee gehen würde..Auch sehr toll finde ich den Schreibstil, angenehm, flüssig, ohne viel Geschwurbel. Ich finde es ist ein tolles Debüt und gebe so gerne eine #Leseempfehlung ab.