"Der Neurochirurg, der sein Herz vergessen hatte" erzählt vom Leben des Neurochirurgen James Doty, das sich grundlegend verändert, als er in einem Zauberladen auf Ruth trifft, die ihn eine besondere Magie lehrt, mit der sich Wünsche erfüllen lassen.Bei diesem Buch fragt man sich als allererstes, was es denn nun eigentlich ist. Es handelt sich um eine ziemlich eigenwillige Mischung aus Autobiographie und Ratgeber, angereichert mit "Anekdoten" aus der Arbeit der Hirnchirurgie. Das Schöne dabei ist: Es lässt sich erstaunlich gut lesen. Gerade zu Beginn liest sich das Ganze fast ein bisschen wie ein Abenteuerroman und auch allgemein ist das Werk nicht kompliziert geschrieben.Jedoch bin ich beim Inhalt geteilter Meinung. Während ich vom neurochirurgischen Hintergrund trotz der Tatsache, dass ich medizinischer Laie bin, recht angetan war, ist es Ruths Magie, bei der mich das Buch fast schon verlor.Durch Entspannungsübungen und Meditation Geist und Körper von Negativität zu befreien - das leuchtete mir noch ein. Aber das Herz zu öffnen, indem man unter anderem Menschen, für die man negative Gefühle hegt, bedingungslose Liebe schenkt? Vielleicht bin ich hier eigen und pessimistisch, aber aus sehr vielen Gründen halte ich das für absolut unrealistisch und weltfremd. Zudem ist der Autor Amerikaner und stammt aus prekären Verhältnissen - sein Vater arbeitslos und Alkoholiker, seine Mutter depressiv und tablettensüchtig. So arbeitet er sich trotz aller Widrigkeiten an die Spitze. Das klingt doch alles sehr stark nach dem vielfach beschworenen "American Dream", wo man alles erreichen kann, wenn man nur ganz fest daran glaubt - vom Tellerwäscher zum Millionär. Und ja, es mag funktionieren, aber wohl doch nur für einen verschwendend geringen Prozentsatz der Menschheit.Für James funktionierte es übrigens zunächst nicht - er scheiterte und verlor alles, was er sich aufgebaut hatte. Dabei sagt er zwar, er ist arrogant und selbstsüchtig geworden, aber an dieser Stelle des Buches glaubt man noch, er lernt überhaupt nicht daraus - und das als jemand, der am eigenen Leib erfahren hat, dass Klassismus nun mal leider Gottes existiert. Erst am Ende des Buches richtet er sich von Grund auf neu aus und erforscht die positiven Auswirkungen von Mitgefühl und Altruismus auf die Menschen. Hier endet seine Autobiographie auch versöhnlich und mit einem positiven Grundton.So bin ich zwiegespalten. Es gab Momente, wie etwa die Berichte aus Dotys Arbeit oder gerade das Ende des Buches, die mir gut gefallen haben. Aber gerade den Ratgeber, also Ruths Magie, fand ich dermaßen überzogen, dass es mir die guten Momente fast vergällt hat. Jeder wird vermutlich etwas anderes in Dotys Biographie sehen, für mich war sie ambivalent, dementsprechend bewerte ich sie durchschnittlich.