Ein warmes und wichtiges Jugendbuch über Herkunft, Identität und all die Fragen, die auftauchen, wenn man beginnt, der eigenen Familiengesch
"Das ist nicht irgendeine Reise. Wenn wir sie tatsächlich antreten, könnte das mein komplettes Leben verändern."Und genau so kommt es auch: Diese Reise verändert für Kekeli vieles, vor allem den Blick auf sich selbst, ihre Familie und ihre Herkunft.Kekeli lebt in einer Kleinstadt in Süddeutschland und versucht eher, nicht aufzufallen. Als ihre Cousine Afi aus Togo zu Besuch kommt und sie mit einer afro-deutschen Jugendgruppe nach Berlin fahren darf, gerät einiges in Bewegung. Dort arbeitet sie an einem Doku-Projekt über Schwarzes Leben in Deutschland und beginnt, Fragen zu stellen, die längst in ihr geschlummert haben: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Und warum weiß ich eigentlich so wenig über meine eigene Familie?Ich mochte Kekeli sofort. Ihre eher ruhige, beobachtende Art, ihre Unsicherheiten, aber auch, wie sie sich im Verlauf der Geschichte immer mehr mit ihrer Identität auseinandersetzt. Besonders berührt hat mich, wie nachvollziehbar beschrieben wird, dass Herkunft nicht automatisch etwas ist, das man einfach "hat". Kekeli spricht kein Ewe, kennt viele Verwandte nur von Bildern und merkt erst nach und nach, wie viel Schweigen in ihrer Familie steckt.Neben der Familiengeschichte fand ich auch die politischen und historischen Themen richtig stark: afro-deutsche Geschichte, Rassismus, Abschiebung und die Frage, wer in deutschen Erinnerungen überhaupt sichtbar ist. Gerade der Bezug zu Gert Schramm, dem einzigen Schwarzen Überlebendes des KZ Buchenwald und die Gespräche mit Aktivist*innen geben dem Buch nochmal zusätzlich Gewicht.Und dann ist da auch noch diese zarte Annäherung zwischen Kekeli und Kwame, die ich richtig schön fand.Ja, an manchen Stellen wirkt die Handlung vielleicht ein klein wenig konstruiert, gestört hat mich das aber nicht. Dafür ist das, was dieses Buch erzählt, viel zu wichtig ¿Für mich ist "Kekeli" ein kluger, warmer und wichtiger Own-Voice Roman über Identität, Familie, Geschichte und Zugehörigkeit und darüber, wie viel in Bewegung geraten kann, wenn man anfängt, Fragen zu stellen.