Der Roman lässt sich in einem Rutsch lesen, da er spannende Elemente mit emotionalen Passagen meisterlich verbindet ...
Hier hätte man sich durchaus ein anderes Ende, einen anderen Schluss vorstellen können. Denn so schlimm, so ausweglos, wie hier geschildert, wird es doch wohl nicht kommen - oder? Es braucht schon eine gehörige Portion Mut, um gesellschaftliche wie politische Entwicklungen so in einen Roman zu verpacken, dass hinter dem ganzen "gruseligen Zeug" noch eine Botschaft sichtbar, zumindest erahnbar wird. Diesen Roman nur als Thriller abzulegen, würde der Autorin sicher nicht gerecht.Der Plot der Geschichte, wie bringe ich Selbstmordkandidat*innen dazu, sich nicht nur einfach umzubringen, sondern mit diesem Vorhaben gleichzeitig ein gewünschtes Ziel zu erreichen, ist schon harter Tobak und will erst einmal verarbeitet werden, zumal es an realistischen Beschreibungen (z.B. Waterboarding) nicht fehlt. Da die handelnden Personen durchaus sympathisch, gut in einer bürgerlichen Welt verortet, dargestellt werden, fällt es schwer, sich diese gleichzeitig als Handlanger für ein suizidales Angebot zu sehen. Dass die Geschichte nicht ins Makabre abdriftet, liegt an der immer wieder durchscheinenden Sensibilität, mit der die Personen in ihren Überlegungen und Handlungen dargestellt werden. Dadurch bekommen auch die kritischen Töne, die sich an bestehenden Verhältnissen (Roman spielt in einer nicht weit entfernten Zukunft, in der eine rechte Partei das Ruder übernommen hat) reiben, eine besondere Note: "Demokratieverdrossene Nicht-Wähler gewinnen Wahlen, während engagierte Demokraten mit dem Wählen aufhören."Der Roman lässt sich in einem Rutsch lesen, da er spannende Elemente mit emotionalen Passagen meisterlich verbindet. So bleibt, neben dem nach wie vor "schrillen" Thema, doch das Gefühl zurück, hier keine Lese- gleich Lebenszeit verplempert zu haben.(13.4.2023)