Meine MeinungIch selbst habe meine 20iger "überlebt" und war natürlich total neugierig auf das Buch, nachdem ich den Klappentext gelesen und das tolle auffallende Cover gesehen hatte.Ich hatte im Roman oft das Gefühl, einer Person dabei zuzusehen, wie sie versucht, in ihrem eigenen Leben Halt zu finden. Sicherliche kennen viele von uns solche Phasen der "Unklarheit" / "Unsicherkeit". Diese Momente wo man "alles ganz schlimm findet" und nichts richtig gut läuft. Die Protagonistin Susanne wirkt gleichzeitig stark und verletzlich. Sie kämpft mit alten Erfahrungen, Erwartungen von außen und mit einer Szene, die sehr schnell urteilt, aber selten wirklich zuhört.Der Moment, in dem eine Freundin ihren Text übernimmt und als eigenen ausgibt, ist für mich der Kern des Romans. Beim Lesen schon allein hätte ich am liebsten wegschauen wollen. Dieser Verrat war so spürbar. Pustets Sprache ist klar und nah an Susannes Gedanken. Für mich ist "Alles ganz schlimm" ein Roman über Verletzlichkeit, über Zugehörigkeit und darüber, wie schwer es sein kann, die eigene Geschichte zu behaupten. KlappentextSusanne hat ihre Zwanziger überlebt, sich ein Leben aufgebaut, eigentlich läuft alles ganz gut. Doch irgendwie schleichen sich immer wieder Konflikte in ihre Freundschaften und Romanzen, entstehen Brüche und Intrigen, wird ihr Umfeld immer mehr zu einem Spielfeld, dessen Regeln sie nicht versteht. Das Gefühl der Leere lässt Raum für Erinnerungen, und Susanne beginnt, über ein lang vergessenes Kapitel ihrer jungen Erwachsenenjahre zu schreiben: ihre Zeit als Prostituierte. Der Text entwickelt ungeahnte Durchschlagskraft, als eine Freundin ihn stiehlt und als ihren veröffentlicht - und sich damit nicht nur ihre Gedanken, sondern auch ihr Trauma aneignet. Es folgen Gerüchte, Statements, Shitstorms, die Susanne schließlich zum Abbruch des Lebens bringen, das ihre innere Unruhe in Schach hielt. Bei ihrer Familie sucht sie Ruhe und Halt. Doch schleichend klopft die Befürchtung an, dass gerade hier der Ort liegt, der alles zum Zerspringen bringt ...Über die AutorinJulia Pustet ist Autorin, Musikerin und immer: Antifaschistin. In den Sozialen Medien schreibt sie über Intersektionalität, Feminismus und Antisemitismus in der linken Szene. Nach zahlreichen Veröffentlichungen, u. a. im Kaput-Magazin, erscheint mit "Alles ganz schlimm" (September 2025) das emotionale und starke Romandebüt.Quelle: Verlag / vlb