Richtig gutes Essen / Junko Takase
Humorvoll und klug stellt Junko Takase die Frage, warum wir im Leben falsch abbiegen, und zeigt anhand einer Bürogemeinschaft die Absurditäten des modernen Zusammenlebens auf. (aus dem Klappentext)
Dieser Satz hat mich neugierig gemacht und so habe ich den Instantnudelholiker (mit dem Talent seltsame Entscheidungen zu treffen) Nitani, die forsche (bisweilen wenig zimperliche) Ex-Cheerleaderin Oshio und die ruhige (überschaubar belastbare) Hobbybäckerin Ashikawa kennengelernt, die im selben Unternehmen tätig sind.
Für Nitani ist Essen ein notwendiges Übel, er findet seine hauptsächlich aus Fertiggerichten bestehende Ernährung völlig okay. Eher zufällig kommt er Ashikawa näher, sie kocht gelegentlich für ihn und bringt so einen Hauch von geregeltem Leben in seinen Alltag. Nitani ist von ihr ebenso fasziniert wie genervt, ihm ist klar, dass er die Erwartungen seiner Familie und der Gesellschaft erfüllt, wenn er die häusliche Ashikawa heiratet, aber nur, weil ihm das klar ist, muss er es ja nicht umsetzen - und schließlich ist da auch noch Oshio, unkonventionell und so ganz anders als Ashikawa. Mit ihr kann man ein Bier trinken über Kolleg*innen lästern auch & besonders über Ashikawa. Oshio belässt es nicht dabei, schlecht über die Kollegin zu reden, sie spielt ihr übel mit und Nitani ist daran nicht unbeteiligt. All das hat Einfluss auf das Miteinander, auf die Bürogemeinschaft, die Arbeit und Karriere. Wie wird es weitergehen?
Junko Takase lässt den Lesenden am Leben einer Bürogemeinschaft teilhaben, erzählt von alten Werten und neuem Denken, von Rollen und Erwartungen, von Entscheidungen und Ehrlichkeit. Es ist ein kurzer Einblick in das Miteinander einer Gemeinschaft, die sich nicht gesucht, sondern aus beruflichen Gründen ergeben hat.
Oshio hatte verloren, Ashikawa hatte gewonnen. Es war ein Kampf zwischen Stärke und Schwäche unter dem Anschein eines Ringens um Richtig und Falsch. (S.143)
Nitani, Ashikawa und Oshio sind die zentralen Figuren der Geschichte, aus ihren unterschiedlichen Charakteren ergeben sich Spannungen, sie verfolgen ihre Ziele auf eigene Art und Weise sie spielen Rollen, verstellen sich, machen mehr oder weniger sich und anderen etwas vor.
Die Momente von Nitani und Ashikawa werden in der 3. Person beschrieben, Oshio erzählt von ihren Begegnungen mit Nitani. Ich habe diese Perspektivwechsel als irritierend empfunden, sie haben den Lesefluss beeinflusst und tragen vermutlich auch dazu bei, dass ich die Figuren distanziert wahrgenommen habe und nicht mit ihnen warm geworden bin.
Anhand des Titels bin ich zunächst ein wenig davon ausgegangen, dass es in der Geschichte auch darum gehen könnte, wer wem dem Joghurt aus dem Kühlschrank der Kaffeeküche geräubert hat, ich wurde jedoch schnell eines Besseren belehrt und fand mich als Beobachtende der schönen Momente und tiefen Abgründe einer japanischen Bürogemeinschaft und den zwischenmenschlichen Gemütsbewegungen der Mitarbeitenden wieder.
Ich habe interessiert das Miteinander in einem Büro in Japan verfolgt und stelle fest, dass büroalltäglich Begeben- und Befindlichkeiten unabhängig vom Standort des Büros sind.
Richtig gutes Essen ist eine interessante Geschichte, die mich in ihrer Kurzweiligkeit und Tiefe gut unterhalten hat.